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Viktor Josef Dammertz freut sich auf das Wiedersehen in der Ewigkeit

Viele warten schon „drüben“

AUGSBURG – Als vor einigen Wochen zur Bekanntgabe des Namens des zukünftigen Bischofs die Glocken in der ganzen Diözese läuteten, fragten sich manche: „Wer ist jetzt wohl gestorben?“ Am vergangenen Dienstagabend läuteten wieder in der ganzen Diö­zese die Glocken. Dieses Mal war tatsächlich jemand gestorben: Der emeritierte Bischof Viktor Josef Dammertz ist am 2. März um 4 Uhr von seinem Schöpfer abberufen worden.

Bis vor kurzen konzelebrierte Bischof em. Viktor Josef Dammertz täglich bei den Messen in der Krankenabteilung des Klosters und war ein eifriger Leser und Beter. Am Aschermittwoch in der vergangenen Woche hat er noch in der Klosterkirche die Messe zum Beginn der Fastenzeit mitgefeiert. Am Samstag, 28. Februar, erhielt er von Erzabt Wolfgang Öxler die Krankensalbung. Am Dienstag in der Früh schlief er friedlich für immer ein. 

Am Freitag davor hatte ihn Bertram Meier, der ernannte Bischof der Diözese Augsburg, gemeinsam mit Domkapitular Harald Heinrich besucht. „Wir haben zusammen den Rosenkranz gebetet. Bischof Viktor Josef war zwar schon sehr schwach, aber er hatte noch die Kraft, ganz fest meine Hand zu drücken“, berichtet Meier. „Er hatte sich auf die Bischofsweihe gefreut und gesagt: ,Ich muss nach Augsburg, um dem Bertram die Hände aufzulegen.‘“ Der zukünftige Bischof konstatiert: „Nun ist es anders gekommen, und er feiert aus noch besserer Perspektive mit.“

Im Juni 2014 hatte Bischof em. Viktor Josef seinen 85. Geburtstag gefeiert, und zwar gemeinsam mit seinem Nachnachfolger, Bischof Konrad Zdarsa, der einen Tag zuvor seinen 70. Geburtstag feiern durfte. Gemeinsam zogen die beiden mit ihren Ehrengästen in die festlich geschmückte Basilika St. Ulrich und Afra zur Vesper ein. Beide Bischöfe seien geprägt „durch ihre Bereitschaft zum Aufbruch“, hatte der Münchner Kardinal Reinhard Marx damals gesagt. Sie seien aus dem Rheinland und aus Sachsen gekommen, um sich in der Diözese einzuwurzeln.

Am 90. Geburtstag im vergangenen Juni war Dammertz nach einem Sturz Anfang 2018 schon recht gebrechlich. In einem Interview mit der SonntagsZeitung sagte er, im Gebet denke er oft an die Diözesanen, und er hoffe, dass sie auch für ihn beten. Ihn bewege, ob er „den Erwartungen Gottes und der Gläubigen mit seinen Möglichkeiten gerecht geworden“ sei. Für das, was „schief gelaufen“ sei, bitte er um Verzeihung und hoffe, Gott möge es zurechtbiegen.

Zur Messe an seinem 90. Geburtstag hatte er sich Phil 3,13 als Lesungstext ausgesucht: „Ich strecke mich aus nach dem, was vor mir liegt.“ Als wunderbar empfand er, „dass das Leben in dieser Welt erst die Ouvertüre ist für das ewige Fest, das Gott uns bereitet. Christus zu sehen, wie er ist; Gott und seine Heiligen von Angesicht zu Angesicht zu schauen, danach strecke ich mich aus. Und stelle mir das wie ein großes Familienfest vor. Immerhin sind weit mehr meiner Bekannten schon ,drüben‘ als hier. Ihnen neu und tiefer zu begegnen, darauf freue ich mich!“

„Fürsorglicher Hirte“

„Mit dem Tod von Bischof Dammertz geht ein fürsorglicher Hirte, geschätzter Seelsorger und überzeugter Ordensmann von uns“, erklärt Kardinal Reinhard Marx. Dankbar denke er dabei an dessen langjährigen Vorsitz der Kommission für Geistliche Berufe und kirchliche Dienste und die Mitarbeit in der Kommission Weltkirche. „Gerade Bischof Dammertz war es, der in unserer Bischofskonferenz die Bedeutung und Verankerung des Ordenslebens in der Kirche Deutschlands stets in Erinnerung rief. Wir haben von der Spiritualität und der Herzensgüte des Verstorbenen viel lernen dürfen.“ 

Elf Jahre habe Bischof Dammertz mit seiner lebensfrohen Art die Beratungen der Bischofskonferenz geprägt. „In unseren Gesprächen und Sitzungen habe ich ihn oft als nachdenklichen und gleichzeitig lösungsorientierten Menschen erlebt. Darin war etwas von seinem bischöflichen Wahlspruch zu spüren, nach dem er sein ganzes Leben ausgerichtet hat: ‚Für euch – mit euch!‘. Zeit seines Lebens hat Bischof Dammertz gerade auch junge Menschen für die Kirche begeistern können. Mit dem kraftvollen Verkünden des Wortes Gottes hat er viele Menschen, auch Fernstehende, angesprochen“, schreibt Kardinal Marx.

Erzabt Wolfgang Öxler würdigt seinen Mitbruder als bescheidenen, ausgleichenden Menschen, der sich in seiner Zeit als Erzabt von St. Ottilien für die zukunftsfähige Bildung junger Menschen eingesetzt hat. Als vierter Erzabt von St. Ottilien habe er die bauliche Erweiterung des Rhabanus-Maurus-Gymnasiums St. Ottilien vorangetrieben. Die Entscheidung, sich als eine der ersten Ordenschulen dem noch jungen Schulwerk der Diözese anzuschließen, falle in seine Amtszeit. 

„Mit Bischof Viktor Josef Dammertz verliert unsere Diözese einen Bischof, der als guter Hirte aufmerksam auf die ihm anvertrauten Schafe gehört hat“, schreibt Diözesan­adminstrator Meier. Die Jahre seiner Amtszeit seien geprägt von seinem Einsatz für die Einheit unter den Gruppen und Strömungen, die es im Bistum gebe. „Seine benediktinische Spiritualität und sein jahrzehntelanges Wirken auf internationalem Parkett waren die Basis, auf der seine bischöfliche Amtszeit ruhte. Der Anfang der Benediktsregel war ihm Lebensmotto: Höre – nimm an – erfülle.“ 

Leise, aber entschlossen

Bischof Viktor Josef sei ein Mann der eher leisen Töne gewesen, aber durchaus auch entschlossen, den Weg der radikalen Mitte zu gehen: seine Entscheidungen nach dem Kompass Jesus Christus auszurichten. „Ich persönlich bin ihm sehr dankbar für die Wegbegleitung: Er hat mich zum Stadtpfarrer und Dekan von Neu-Ulm ernannt, dann nach Rom an den Vatikan gesandt und mich schließlich wieder in die Heimat zurückgerufen. Von ihm habe ich gelernt, als Priester verfügbar und mobil zu bleiben.“

Weihbischof em. Josef Grünwald sagt: „Er war ein echter Benediktiner, kein Stürmer. Ein Mensch, der überlegt, klug abwägend seine Entscheidungen getroffen hat, dabei aber auch immer einen leisen, hintergründigen Humor an den Tag gelegt hat.“

Gerhard Buck

04.03.2020 - Bischöfe , Bistum Augsburg , Trauer