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Advent in der Pfarrei

Virtueller Treff am Hirtenfeuer

BOBINGEN – Die Hirten sitzen am Feuer und wärmen sich auf. Es ist kalt geworden in dieser Nacht. Plötzlich treten Besucher, die den Feuerschein von weitem gesehen haben, an sie heran: So beginnen in der Bobinger Pfarrei St. Felizitas alle vier Teile des diesjährigen Krippenspiels.

Diese Hirtenfeuer sind dabei Orte der Begegnung, des Gesprächs und für die Zuschauer auch Teil der Vorbereitung auf Weihnachten, denn die Hirtenfeuer ziehen sich durch die gesamte Adventszeit. Das Besondere in Bobingen: Das Krippenspiel mit den Hirten wird an den Adventssonntagen nicht nur in der Kirche zu sehen sein. Es ist auch auf dem eigenen Youtube-Kanal der Pfarrei abrufbar, berichtet Stadtpfarrer Thomas Rauch. Er spricht vor jedem Spiel einen geistlichen Impuls, ist quasi das vertraute Bild der Pfarrei für diejenigen, die sich das Stück von zu Hause aus ansehen. 

„Wir können in der Kirche nur mit einer begrenzten Anzahl von Menschen die Vorweihnachtszeit und das Weihnachtsfest begehen“, begründet Rauch den Schritt ins Internet. „Damit wir aber möglichst viele erreichen und auch Menschen, die nicht in die Kirche kommen können, die Gelegenheit geben können, mit uns zu feiern, haben wir uns entschieden, unsere Hirtenfeuer auch online mit anderen zu teilen.“ 

Jeder der vier Adventssonntage steht dabei unter einem anderen Thema: Sehnsucht nach dem Messias, die Erfüllung der Verheißung, das Vertrauen auf Gott und die Frohe Botschaft werden von den Hirten am Hirtenfeuer eingeleitet. Dazu stellt das Familiengottesdienstteam der Pfarrei für jeden Sonntag einen geistlichen Impuls, die passende Evangeliumsstelle, Predigttexte, Fürbitten und einen Meditationstext auf die Homepage. 

Rituale pflegen

Gemeindereferentin Theresia Zettler, unter deren Federführung das Projekt über Wochen entwickelt wurde, erklärt: „Ursprünglich dachten wir daran, dass es schön wäre, wenn die Menschen sich vielleicht mit Nachbarn oder Freunden im kleinen Rahmen zu einem Hausgottesdienst treffen könnten.“ Auch wenn es nun wahrscheinlich sei, dass die Familien unter sich bleiben müssen, helfen doch Krippenspiel und Unterlagen nun, selbst zu Hause Gottesdienst zu feiern und sich auf Weihnachten vorzubereiten. Für Stadtpfarrer Thomas Rauch ist dies besonders wichtig: „Gerade in dieser Zeit können sich viele kaum vorstellen, wie die Adventszeit ohne die vielen Rituale sein wird, die wir gewohnt sind.“ Da sei es besonders wichtig, so viele Traditionen wie möglich zu vermitteln. 

Vor allem an den Adventsgottesdiensten sei seine Kirche immer voll gewesen, weiß Pfarrer Thomas Rauch. „400 bis 500 Besucher waren jeden Sonntag da. Das geht in diesem Jahr nicht.“ Um den Menschen trotzdem die Möglichkeit zu geben, diese Sonntage mitzufeiern, habe man die Idee der Hirtenfeuer entwickelt. Ob sich die Familien nun tatsächlich wie die Hirten um die Feuerstelle im Garten versammeln oder sich lieber im gemütlichen Wohnzimmer um eine Kerze setzen – das kann jeder für sich selbst entscheiden. 

„Schön ist allerdings die Vorstellung, dass sich bei den privaten Hausgottesdiensten im Advent das kleine oder große Licht wie ein helles Band durch den Ort ziehen wird“, findet Theresia Zettler. Gemeinsam könne dann gebetet werden, könnten Familien das Krippenspiel im Internet abrufen und sich in diesem Jahr eben einmal ganz anders, in aller Stille auf das Weihnachtsfest vorbereiten. „So hat der Advent vielleicht tatsächlich einmal die Chance, die ,staade Zeit’ zu werden, die wir uns sonst so oft wünschen.“

Anja Fischer

06.12.2020 - Bistum Augsburg , Weihnachten