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Von Dominikus Böhm erweitert

Zu Beginn des 30-jährigen Krieges wurde Offinger Kirche geweiht

OFFINGEN – In einer politisch unruhigen Zeit wurde die Kirche Sankt Georg in Offingen (Kreis Günzburg) geweiht. Am diesjährigen Dreifaltigkeitssonntag feierte das Gotteshaus auf den Tag genau die 400. Wiederkehr seiner Weihe. Der heutige Ortspfarrer Bernd Reithemann erinnerte in seinem Grußwort zu einer Festschrift daran, dass nur vier Tage vorher der Prager Fenstersturz stattgefunden hatte, der den 30-jährigen Krieg ausgelöste.

Im Krieg wurde die Kirche nicht zerstört, wohl aber wurden Pfarrei -Unterlagen entwendet und vernichtet. Nach seiner Weihe wurde das Gebäude fast 300 Jahre lang nicht angetastet. Erst 1909 wurde der Kirchturm um etwa fünf Meter auf insgesamt 32 Meter erhöht. Das für Offingen charakteristische Zeltdach wurde aber beibehalten. In der Inflationszeit 1921/22 wurde das Langhaus um den jetzigen Emporenbereich nach Plänen des bekannten Kirchenarchitekten Dominikus Böhm um zehn Meter nach Westen verlängert. 

Bei der letzten großen Umgestaltung, nämlich der Erneuerung der Decke und des Dachstuhls im Jahr 1958, gingen die Deckengemälde von der heiligen Cäcilia und den Heiligen Drei Königen verloren. Die Seitenaltäre von 1851 wurden durch gotisierende Schreine ersetzt. Links eine gotische Madonna mit den vier klassischen Kirchenlehrern des Abendlandes (Augustinus, Ambrosius, Hieronymus und Papst Gregor der Große), zu ihren Füßen rechts eine Figurengruppe, die die Krönung Mariens darstellt. Die Seitenaltäre werden dem Bildhauer Christoph Rodt zugeschrieben. In den 1950-er Jahren an die südliche Langhauswand verbannt, steht die Figur des Christus Pantokrator seit 2008 wieder auf ihrem ursprünglichen Platz auf dem Schalldeckel der barocken Kanzel. 

Das Zentrum des Chorraums bildet ein einfacher barockisierender Altar aus der Zeit um 1880. An der Rückwand ist das ursprüngliche Hochaltarblatt von 1680 angebracht. Es zeigt den Kirchenpatron hoch zu Ross im Kampf mit dem Drachen. 

In seiner Festpredigt erinnerte Weihbischof Florian Wörner an die Jesusworte des Dreifaltigkeitssonntags: „Geht hinaus in alle Welt und macht alle Menschen zu meinen Jüngern.“ Zu dieser Jüngerschaft seien alle Kirchenbesucher berufen, erklärte der Weihbischof. Er zeigte vier Wege dazu auf. Dazu gehören die Erfüllung des Doppelgebotes der Gottes-und Nächstenliebe sowie eine gute Balance zwischen Selbstachtung und dem Interesse am anderen. Der dritte Weg ist, sich darum zu kümmern, dass möglichst viele andere Menschen dieses erfüllen. Der vierte Weg ist, ohne Scham religiöse Dinge im Alltag anzusprechen. 

Die musikalische Gestaltung des Gottesdienstes war sehr feierlich. Für die Aufführung von Elgars „Ecce sacerdotus magnus“ und der Orgelsolomesse von Wolfgang Amadeus Mozart verstärkte sich der Chor mit zahlreichen Instrumentalisten. Die Gesamtleitung hatte Andreas Latzko. Beim anschließenden Stehempfang gab der Musikverein Lyra Offingen ein zünftiges Standkonzert. Mit einer abendlichen Maiandacht fand der Festtag seinen Abschluss.

Am 23. Juni setzen sich die Feierlichkeiten zum Kirchenjubiläum mit einem Pilgerzug fort. Der etwa zehn Kilometer lange Weg führt zu Feldkreuzen und Kapellen in der Offinger Flur. Beginn ist um 9 Uhr an der Kirche, zum Abschluss gibt es ein Mittagessen, Anmeldung unter Telefon 0 82 24/18 09 oder 0 82 24/77 32. Martin Gah

13.06.2018 - Bistum Augsburg , Historisches