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Vor 50 Jahren wurde der Kohlebergbau in Peißenberg eingestellt

St. Barbara als Schutzpatronin

PEISSENBERG – „Glück auf!“ – Mit diesem Bergmannsgruß werden Besucher in Peißenberg (Kreis Weilheim-Schongau) willkommen geheißen. Er schmückt mit dem Symbol für Bergbau, dem Schlägel und dem Eisen, eine Lore, die am östlichen Ortseingang aufgestellt ist. Der kleine Transportwagen erinnert an den Kohlebergbau, der die Marktgemeinde über Jahrhunderte prägte. Vor 50 Jahren ging diese Tradition zu Ende. 

Am 31. März 1971 war Schicht im Schacht: In Peißenberg wurde das letzte Kohlebergwerk Bayerns geschlossen. Vieles erinnert dort an die einstige Kohleförderung: das Bergbaumuseum mit Erlebnisbergwerk, der rund zehn Kilometer lange „Stollenweg“ mit Schautafeln, alte Grubenbahnen und Gerätschaften – und nicht zuletzt die Kirche St. Barbara sowie die Knappengedächtniskapelle.

Seit dem 16. Jahrhundert wurde in Peißenberg sowie den benachbarten Gemeinden Hohenpeißenberg und Peiting Kohle abgebaut. Die industrielle Förderung, die mit der Eröffnung des Hauptstollens 1837 einsetzte und mit dem Bohren des Zieglmeier-Schachts im Jahr 1912 einen Höhepunkt fand, brachte der Region einen wirtschaftlichen Aufschwung und zog viele Arbeiter an. Ein Schienennetz mit rund 110 Kilometern Länge verbirgt sich unter Tage. Die Schächte wurden bis zu 1000 Meter in die Tiefe getrieben. 

Im ehemaligen Maschinenhaus, der heutigen Tiefstollenhalle, wurde 1934 eine Notkirche für die Knappen eingerichtet. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg konnte eine neue Kirche für die wachsende Zahl der Bergmänner und deren Familien gebaut werden. Sie wurde von den Augsburger Architekten Heinrich Sturzenegger und Franz Horle errichtet und 1955 der heiligen Barbara geweiht. 

Die Heilige ist die Schutzpatronin der Bergleute. Die Kumpel verehren sie und flehen um ihren Schutz und Beistand, wenn sie ihre schwere und gefährliche Arbeit in den weit verzweigten Stollen und tiefen Schächten des Bergwerks verrichten. Überall dort, wo Bergbau betrieben wurde oder wird, sind deshalb Bildstöcke, Kapellen und Kirchen zu Ehren der heiligen Barbara zu finden. 

Die in den 1950er Jahren gebaute Kirche St. Barbara in Peißenberg beherbergt eine über 380 Jahre alte Figur der Heiligen, die deutlich macht, welch große Bedeutung der Bergbau in der Region bereits in der Barockzeit hatte. Die Statue stammt aus der Schule des Weilheimer Bildhauers Hans Degler (1590 bis 1635). Spuren an der Skulptur weisen darauf hin, dass sie einmal ganz in Silber gefasst war. 

Am Guggenberg hat der Knappenverein Peißenberg 1996 eine Gedächtniskapelle errichtet, deren Patronin ebenfalls die heilige Barbara ist. Eines der Glasfenster zeigt Knappen in ihrer Tracht, das andere einen Bergmann, der mit der Hacke Kohle aus dem Flöz bricht. Die Anhöhe, auf der die Kapelle steht, gewährt einen weiten Panoramablick in die Alpen.

Barbara Lang

Info: Der Parkplatz am Tiefstollenhaus in Peißenberg ist ein Ausgangspunkt für Rundwanderwege unterschiedlicher Länge, auf denen sich der Ort und seine Umgebung erkunden lassen.

18.04.2021 - Bistum Augsburg , Historisches