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Wärmestube für Obdachlose ist geschlossen – SKM hilft dennoch

Essenspakete am Tor

AUGSBURG – Wie die meisten Geschäfte und Einrichtungen in Augsburg ist auch das Haus des Verbands für soziale Dienste in der Diözese Augsburg (SKM) in der Klinkertorstraße derzeit geschlossen. Mit seiner Wärmestube ist es eine wichtige Anlaufstelle für Obdachlose und Menschen mit schmalem Geldbeutel wie Rentner, Alleinerziehende oder Migranten. 

In der Corona-Krise ist die Wärmestube allerdings notgedrungen zugesperrt worden. Anfangs wurden an der Eingangstür noch Essenspakete verteilt, jetzt darf sich auch niemand mehr im Tordurchgang und im Innenhof aufhalten. Doch so weit irgend möglich versuchen die Mitarbeiter des SKM, weiter für ihre Klienten da zu sein.

Im geschlossenen Tor ist eine kleine Tür geöffnet. Sie fungiert als Schalter, an dem man Hilfe bekommen kann. Wie im Laden trennt eine Plexiglasscheibe beide Seiten und die Hilfesuchenden sind aufgerufen, sich mit gebührendem Abstand anzustellen. Einer hat eben eine unbefriedigende Auskunft erhalten. „Das Jobcenter sagt, das Geld ist da, und die sagen, es ist nicht da“, klagt er laut. Nach einiger Zeit bekommt er doch etwas Geld. 

Währenddessen fährt ein Auto vor. Die Insassen laden ein paar Kisten mit Textilien und Konservennahrung aus. SKM-Sprecherin Pia Haertinger freut sich, dass die Spendenbereitschaft der Augsburger unter der Ansteckungsgefahr nicht gelitten hat: „Wir versuchen, unsere Dienste so gut wie möglich aufrecht zu erhalten.“

Beratung gibt es im Moment nur noch auf telefonischem Weg. Aber Obdachlose können bei Bedarf nach wie vor die Kleiderkammer aufsuchen und duschen. Der Arzt Dr. Nico Goerlitz hält im Übergangswohnheim weiter Sprechstunden, auch für Unversicherte. Er ist der Sohn des langjährigen SKM-Arztes Dr. Bernd Goerlitz.

Zudem unternimmt das Bistum große Anstrengungen, Obdachlose von der Straße zu holen. In der Stettiner Straße in Lechhausen wurde ein Wohnheim mit 49 Einzel-Apartments gebaut. Im Übergangswohnheim sind die Klienten in Doppelzimmern untergebracht, was höhere Ansteckungsgefahr bedeutet. Laut Sozialarbeiter Knut Bliesener, der für die Belegung und den Betrieb zuständig ist, ist das neue Wohnheim vor allem für die Bewohner des Übergangswohnheims gedacht, die nach und nach umziehen sollen.

Kein Rückzug möglich

Diese Menschen sind von der Corona-Krise erheblich stärker betroffen als die Allgemeinbevölkerung. Denn, so Haertinger, sie können sich nicht in eine Wohnung zurückziehen. Unter Umständen können sie den Tag über an der Stätte bleiben, an der sie übernachtet haben, etwa in einem Treppenhaus. 

Abgesehen davon sind sie gezwungen, den ganzen Tag über in der Stadt umherzulaufen. Nicht einmal auf einer Parkbank dürfen sie sich niederlassen. „Wir haben den städtischen Ordnungsdienst zumindest dazu gebracht, ihnen keine Strafe aufzubrummen, weil sie die ja ohnehin nicht bezahlen können“, sagt Haertinger.

Für Obdachlose war die Wärmestube der Ort, wo sie den Tag verbringen konnten. Diese Anlaufstelle fällt jetzt weg. Nach Einschätzung der SKM-Sprecherin besuchen 180 Menschen die Wärmestube regelmäßig, darunter rund 20
tatsächlich Obdachlose, also Personen ohne Unterkunft. Wohnungslose, die es schaffen, bei Freunden oder Bekannten unterzuschlüpfen, gibt es in Augsburg viel mehr – sicher mehrere 100.

Wie andere haben auch Obdachlose jetzt keine Beschäftigung mehr und keine Möglichkeit, etwas Geld zu verdienen. Leere Pfandflaschen zu sammeln ist wenig erfolgversprechend, weil wenig Leute auf der Straße sind und Flaschen wegwerfen. Aus demselben Grund bringt auch Betteln wenig. Sozialarbeiter Bliesener macht sich Sorgen um die Klienten und sieht sie gefährdet: „Sie zeigen eine gewisse Wurschtigkeit. Von dem Virus spürt man schließlich nichts.“

Andreas Alt

Info:

Spendenkonto des SKM: IBAN DE 61 7509 0300 0000 1173 66, Liga Bank Augsburg. Auch Spenden von gut erhaltenen Textilien, etwa Mäntel oder Decken, und von haltbaren Nahrungsmitteln, am besten in Konservendosen,  sind willkommen.