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Bischof Konrad zum Weihnachtsfest:

Gott wandelt menschliche Schwäche in göttliche Stärke

„Der Sohn Gottes wird Mensch und bleibt doch Gott. Damit wandelt er unsere menschliche Schwäche in göttliche Stärke“, erklärt Bischof Konrad Zdarsa in seinem Weihnachtsgrußwort an die Leser der Katholischen SonntagsZeitung für das Bistum Augsburg.

„Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und dem Gesetz unterstellt, damit er die freikaufe, die unter dem Gesetz stehen, und damit wir die Sohnschaft erlangen“ (Gal 4,4f).
In diesem Satz aus dem Brief des Apostels Paulus an die Galater ist die ganze weihnachtliche Frohbotschaft enthalten. Der ewige Gott sendet seinen Sohn in unsere Welt hinein. In all seiner liebenden Macht und Stärke nimmt er sich unserer Schwäche an. Der Sohn Gottes wird Mensch und bleibt doch Gott. Damit wandelt er unsere menschliche Schwäche in göttliche Stärke.
Das weihnachtliche Heilsereignis verleiht der Zeit göttliche Fülle. Für Paulus ist es deshalb so wichtig, die einmalige geschichtliche Tat Gottes zu betonen: Gott ist nicht der ferne, unnahbare Herrscher über das All, der einst alles geschaffen hat und den das Schicksal seiner Schöpfung, besonders das des Menschen, nicht mehr berührt. Die Erwartungen und Hoffnungen des Alten Testamentes sind nun – sind heute – erfüllt. Er, der Herr der Zeiten, kommt in unsere Zeit und Geschichte und verbindet sie unwiderruflich mit seiner göttlichen Ewigkeit.
Wir feiern dies in jeder Liturgie, wenn sich unser Jubel und unser Dank mit dem Jubel und dem Lobgesang der Himmelsscharen vereint. So heißt es im Stundengebet von Weihnachten: „Heute ist Christus geboren, heute ist der Retter erschienen; heute singen die Engel auf Erden, die Erzengel jauchzen.“ Dieses „Heute“ ist das „Heute“ der erfüllten Zeit!
Antwort auf das „Ja“
Einen weiteren Gedanken können wir bei Paulus finden und mit dem heiligen Augustinus betrachten: Wie Christus auf einzigartige Weise in den Schoß Marias herabgestiegen ist und in seiner Geburt auf ihr freies „Ja“ geantwortet hat, so will Christus als unser Erlöser zu uns allen herabsteigen und auf unser „Ja“ antworten, um uns freizukaufen. Wie zu Maria, will Christus zu uns allen kommen, auch zu mir, in das „Heute“ meines Herzens. So kann und so soll die Fülle der Zeit zur Fülle meines erwartenden und hoffenden Herzens werden.
Wie innig sich Gott mit den Menschen und mit unserer menschlichen Wirklichkeit verbindet, beschreibt der Kirchenvater Augustinus in einer Weihnachtspredigt, die den ganzen heilsgeschichtlichen Realismus, wie er auch beim Apostel Paulus begegnet, noch einmal wunderbar zusammenfasst:
„Mit Recht haben die Propheten seine Geburt vorher verkündet. Die Himmel entsandten ihre Engel, um seine Geburt zu besingen. Der die Welt in seiner Hand trug, lag arm und schwach in der Krippe. Ein Kind war er und doch das ewige Wort zugleich. Den die Himmel nicht fassen konnten, er stieg in den Schoß einer Jungfrau herab. Sie ward Herrin unseres Königs; sie trug den, in dem wir uns bewegen und sind. Sie nährte den, der uns das Brot des Lebens schenkte. O offenkundige Schwachheit, o wunderbare Demut, unter der sich die ganze Gottheit verbarg! Er unterwarf sich einer irdischen Mutter, die er ja zugleich aus göttlicher Kraft leitete. Er empfing Nahrung von einer irdischen Frau, die er mit unvergänglicher Wahrheit wiederum nährte. Er würdigte sich, unsere Armseligkeit anzunehmen, und wollte dadurch in uns seine größten Gaben zur Vollendung heranreifen lassen. Er will uns zu Gotteskindern machen, er, der unseretwegen der Menschensohn geworden ist.“
Von ganzem Herzen wünsche ich Ihnen diese Fülle der weihnachtlichen Freude über die Geburt Jesu Christi. Er möge Sie und Ihre Familien im neuen Jahr beschützen und geleiten!
Ihr
Dr. Konrad Zdarsa
Bischof von Augsburg

24.12.2017 - Bischöfe , Bistum Augsburg