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Besuch bei Franziskus und Klara

Wie eine große Familie

Freitagabend in der Oberkirche der Basilika San Francesco in Assisi: Die Stimmung während des Gottesdienstes ist ausgelassen. Die Band um den Kemptener Liedermacher Robert Haas gibt noch einmal alles, die Gläubigen klatschen und singen begeistert mit. Selbst die Priester am Altar lassen sich anstecken. Es ist der Abschluss und Höhepunkt einer intensiven Woche an dem Ort, an dem die heilige Klara (1193/94 bis 1253) und der heilige Franziskus (1182 bis 1226) lebten und wirkten. 

570 Teilnehmer, davon rund die Hälfte Kinder und Jugendliche, haben sich bei der Familienwallfahrt des Bistums Augsburg und des Bayerischen Pilgerbüros auf die Spuren dieser beiden großen Gestalten der Christenheit gemacht. Den Glauben zu feiern, war einer der Gründe der Reise. Aber keineswegs der einzige: Es ging auch um das Erfahren von Gemeinschaft, das Stärken des Zusammenhalts in der Familie und nicht zuletzt ein wenig Erholung.

Das Programm in Assisi startete nach der Anreise der zehn Busse am Dienstagmorgen mit einem Gottesdienst im Dom San Rufino, den Bischof Konrad Zdarsa zelebrierte. Der Nachmittag stand im Zeichen einer Stadtrallye, bei der Kinder mit ihren Eltern die bedeutendsten Plätze und Orte der Stadt erkunden konnten: unter anderem die Kirchen Santa Chiara und Santa Maria Maggiore, die Piazza del Comune und die Rocca Maggiore, die große mittelalterliche Befestigungsanlage über der Stadt.  

Spielen wie Franziskus

An jeder der sieben Stationen lernten die Pilger eine Episode aus dem Leben des heiligen Franziskus kennen. Anschließend durften sie selbst aktiv werden, etwa indem sie Spiele aus Franziskus’ Kindheit nachspielten, bastelten oder Texte vorlasen. Zwischendurch war ein „Gelato“, ein Eis, ausdrücklich erlaubt.

Dass weite Teile des Programms bewusst für Kinder und Eltern gemeinsam gestaltet worden waren, kam bei den Familien gut an. „Da hat man viel Zeit füreinander und rückt noch näher zusammen“, sagt Christian Steurer aus Dillingen, der mit seiner Frau und seinen drei Kindern in Assisi dabei war. „Unsere Tochter hat vor kurzem Erstkommunion gefeiert. Da dachten meine Frau und ich, das wäre ein schönes Geschenk.“ Für seine Kinder bot die Reise viele neue Eindrücke. „Meine Tochter mag zum Beispiel die italienischen Kirchen total gerne.“

Daher war die Besichtigung der großen Basilika San Francesco und der Kirche San Damiano am dritten Wallfahrtstag Pflichtprogramm für Familie Steurer. Die beiden Gottes­häuser sind wichtige Heiligtümer in Assisi. In San Francesco befindet sich die Grabstätte des heiligen Franziskus. Bekannt ist die Kirche vor allem für ihre Fresken, die Szenen aus dem Alten und Neuen Testament sowie aus Franziskus‘ Leben zeigen. San Damiano spielte sowohl bei Franziskus als auch bei Klara eine große Rolle. Franziskus hörte dort vor dem berühmten Kreuz die Stimme Christi, die ihn drängte: „Baue meine Kirche wieder auf!“ Klara lebte dort mit ihren ersten Gefährtinnen. Ein weiteres Ziel der Pilger war die Basilika Santa Maria degli Angeli unterhalb Assisis. Dort befindet sich die bekannte Portiuncula-Kapelle, wo Klara einst von Franziskus ihren Habit bekam.

Radikal gegen den Strom

„Ich bin immer wieder beeindruckt, wie Franziskus um seinen Weg, das Evangelium radikal zu leben, gerungen hat“, sagt Johann Michael Geisenfelder, Diözesansekretär des Kolpingwerks und Mitglied im Leitungsteam der Familienwallfahrt. Prälat Bertram Meier, Leiter des Bischöflichen Seelsorgeamts, ist überzeugt, dass Franziskus und Klara vor allem junge Menschen ansprechen: „Die beiden waren junge Leute, die gegen den Strom ihrer Zeit geschwommen sind und damit an die Quellen gelangt sind.“

Den 16-jährigen Tobias aus Augsburg hat besonders der Weg zur Kirche nach San Damiano beeindruckt. „Da sind wir durch Olivenplantagen gegangen, durch die wahrscheinlich schon Franziskus geeilt ist.“ Der Heilige, der vor seiner Berufung ein wildes Partyleben führte, sei ein großes Vorbild dafür, dass man das Leben ändern kann: „Man kann sich immer neu für das Richtige entscheiden.“

Bischof Konrad Zdarsa, der von Dienstag bis Donnerstag in Assisi war, begeisterte die Atmosphäre bei den gemeinsamen Gottesdiensten: „Es ist geistig erhebend, zu sehen, wie die Leute mitfeiern. Sie sind innerlich aufgebrochen, und das merkt man deutlich.“ In seinen Predigten forderte er wiederholt von den Gläubigen: „Lasst euch von Gott beschenken und seid bereit, andere zu beschenken.“ Gott gebe sich dem Menschen vorbehaltlos, darauf sollte jeder Einzelne mit seiner vorbehaltlosen Liebe antworten.

Am Donnerstag war Ausflugstag. Während der größere Teil der Pilger sich einen Badetag gönnte und an der Adria entspannte, fuhr der kleinere Teil nach Gubbio, wo Franziskus einst einen Wolf gezähmt hat, und an den Trasimener See. Auf eine von dessen Inseln, die Isola Maggiore, zog sich Franziskus oft zurück, wenn er Ruhe suchte.

Die Tage in Assisi waren von großem Zusammenhalt und einer herzlichen Atmosphäre innerhalb der Pilgergruppe geprägt. „Wir sind als mehrere Familien angereist und reisen als eine große Familie ab“, sagt Tobias. Laut Prälat Bertram Meier haben die Familien gesehen, dass sie nicht alleine sind: „Die Wallfahrt zeigt, dass es ein großes Netzwerk an christlichen Familien gibt.“

Christian Öxler, Leiter der Familienseelsorge im Bistum Augsburg und Hauptorganisator der Familienwallfahrt, ist mit dem Verlauf äußerst zufrieden: „Unser Programm, egal ob in der Stadt oder in den Kirchen bei den Gottesdiensten, hat wunderbar geklappt. Jede Minute, die wir in die Vorbereitung hineingesteckt haben, hat sich gelohnt.“ Die Zeit in Assisi habe die Familien für ihren Alltag gestärkt. Sein Lob schließt das Bayerische Pilgerbüro ein, das mit Kompetenz und Erfahrung zum Gelingen der Reise beitrug.

„Erzählen Sie von dem, was Sie hier erlebt haben, zu Hause“: Das fordert Prälat Bertram Meier von den Familien beim Abschlussgottesdienst. „Franziskus wollte auf den Spuren Jesu gehen. Helfen wir uns gegenseitig, den Spuren Jesu auf den Grund zu gehen und ihnen zu folgen.“

Am Ende der Messe, bevor alle mit Musik und Gesang aus der Basilika ausziehen, segnet Prälat Meier noch die Souvenirs der Teilnehmer. Viele haben sich ein Tau aus Holz, das Zeichen der franziskanischen Bewegung, gekauft.

Text und Fotos: Matthias Altmann