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Wiespfarrer geht in Ruhestand

Am Heiland hängt sein Herz

STEINGADEN/WIES – Nach neun Jahren geht Monsignore Gottfried Fellner Ende August als Wiespfarrer in den Ruhestand. In seiner Zeit als Seelsorger ist es ihm gelungen, trotz täglichen Touristenansturms die weltberühmte Wallfahrtskirche „Zum gegeißelten Heiland“ als Gnadenort für die Pilger zu erhalten.

„Als ich 2012 an die Wieskirche kam, musste ich mich auf eine ganz andere Art von Seelsorge wie in Dillingen einstellen, wo ich lange Jahre Stadtpfarrer war, wo ich viele Menschen, Familien, Gruppierungen persönlich gekannt und auf ihrem Lebensweg begleitet habe“, erinnert sich Fellner. „In der Wies gibt es, wenn man es so ausdrücken will, jedes Jahr über eine Million Laufkundschaft.“ Schon in der Früh gehe der Trubel los und ende erst am frühen Abend. Doch dann kehre eine himmlische Ruhe ein.

Zuvor hat der Geistliche über 50 Jahre in Dillingen, „seiner zweiten Heimat“, gelebt. Er gehörte zu den letzten Studenten der Philosophisch-Theologischen Hochschule Dillingen, bevor diese 1971 in die Universität Augsburg eingegliedert wurde. Von Bischof Josef Stimpfle 1974 zum Priester geweiht, blieb Fellner immer seinem Primizspruch treu: „Herr, du weißt alles, du weißt auch, dass ich dich liebe.“

Jahre in Dillingen 

Er wurde Präfekt am Bischöflichen Studienseminar, 1985 Stadtpfarrer in St. Peter in Dillingen und ab 2008 Leiter der Pfarreiengemeinschaft Dillingen. „Aus dem Bewusstsein, dass jetzt jüngere Kräfte ran müssen, die die künftigen Herausforderungen der Seelsorge in einer noch größeren Pfarreiengemeinschaft anpacken und meistern können“, verließ der damals 66-Jährige die Stadt an der Donau. 

Am Schutzengelfest 2012 wurde Gottfried Fellner feierlich als Wieskurat eingeführt. „Ich habe zum Engel Gabriel, der Name bedeutet ,Gott schenkt Kraft‘, auf dem Altarbild hinaufgeschaut im Vertrauen, dass auch Gott mir Kraft für meine neue Aufgabe schenkt. Gabriel ist für mich ein kostbarer Engel.“ 

In den neun Jahren als Wiespfarrer hat Fellner jährlich an die 170 Pilgergruppen empfangen, zahlreiche Einzelpilger und Fußwallfahrer auf dem Jakobsweg seelsorgerisch betreut und viele Beichtgespräche geführt, Wallfahrtsmessen, Segnungen und Weihen, Einkehr- und Besinnungstage gehalten. Er hat katechetische Führungen durch die einmalige Wallfahrtskirche unternommen, so ansprechend, dass viele Menschen gerne kamen, um die Ausführungen ein zweites oder gar drittes Mal zu hören. 

Fellner war es ein besonderes Anliegen, zusammen mit der Bruderschaft zum gegeißelten Heiland auch andere Kirchen, die einen Wies-Heiland beherbergen, zu besuchen. Und deren gibt es viele – nicht nur in Bayern, sondern auch in Österreich, sogar in St. Petersburg, in Lund (Schweden) oder im kroatischen Zagreb. „Am Wiesheiland hängt mein Herz“, gibt der Geistliche preis. „Es gehört Mut dazu, diesem Gegeißelten ins Gesicht zu schauen. Wer es wagt, begreift, dass dieser Gott um die Liebe der Menschen fleht.“

Da die Wies-Wallfahrtskirche zum Unesco-Weltkulturerbe zählt, besuchen sie Menschen aus allen Ländern dieser Erde, aus unterschiedlichen Kulturen und Religionen. Das ist eine große Freude und Ehre für den Wieskurat, aber auch oft Anlass zu Verdruss. Da kann es schon vorkommen, dass Fellner die Besucher darauf hinweisen muss, dass sie hier auf „heiligem Boden“ stehen. Und er schaut auf die Apokalyptische Frau im Deckengemälde mit dem Seufzer: „Das sind alle deine Kinder, nimm sie an.“

Als Ruhestandspfarrer „in Reichweite“ wird Fellner weiterhin im Prälatenhaus wohnen und seinem Nachfolger, Pfarrer Florian Geis, zur Verfügung stehen, wann immer er gebraucht wird. Außerdem möchte er als geistlicher Begleiter auch in Zukunft Pilgergruppen auf den Spuren Jesu und der Apostel ins Heilige Land führen. Das sei „eine Glaubensschulung von unschätzbarem Wert“, sagt der Geistliche.

Ingrid Paulus

29.08.2021 - Bistum Augsburg