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Willi Lang ist ein leidenschaftlicher Sammler von Passionskrippen

Großes Panorama

RETTENBACH – „Biblische Geschichten kennen heute nur noch wenige Leute“, sagt Willi Lang, der Betreuer der Sonderausstellung im Heimatmuseum Rettenbach, Kreis Günzburg. Deshalb widmet er sich schon seit Jahrzehnten deren figürlicher Darstellung. Seit 25 Jahren baut er Weihnachtskrippen und sammelt darüber hinaus Passionskrippen. 

Darin werden neben dem weihnachtlichen Geschehen auch verschiedene Stationen des Leidensweges Jesu Christi dargestellt. Diese Passionskrippen sind das Thema der Sonderausstellung. Sie sind im Gegensatz zu Deutschland in Willi Langs Heimatland Österreich weit verbreitet, vor allem in Tirol. Vom Ursprung der Passionskrippen Ende des 18. Jahrhunderts bis heute reicht Langs Sammlung. Im Museum sind 200 Figuren zu sehen. 

So verbindet eine handbemalte Figurengruppe aus Polyresin aus dem Jahr 2008 die biblischen Weihnachts- und Passionserzählungen. Eine kleine Abteilung im rechten unteren Segment zeigt ein Modell des Stalles von Bethlehem. Darum herum spielen sich Szenen von der Herbergssuche bis zur Anbetung der Hirten und Könige ab. 

Die deutlich größere Abteilung auf der linken Seite zeigt – eingearbeitet in eine Gebirgslandschaft mit drei Ebenen – ein Modell der Stadt Jerusalem mit typischer Vegetation und die Geschehnisse der Heiligen Woche. Auf der linken unteren Seite zieht Jesus in Jerusalem ein, in der Mitte versammeln sich die Jünger im Abendmahlssaal. 

Am Gipfel des Berges

Dann geht es schrittweise nach oben mit dem Gebet am Ölberg, der Verurteilung und Verspottung und dem Kreuzweg bis zur Kreuzigung, die am Gipfel des Berges stattfindet. Darin eingearbeitet sind eine Szene mit Simon von Cyrene, der Jesus das Kreuz tragen hilft, und eine Pietà. Den Abschluss bildet eine Darstellung des Auferstandenen, der von einem großen Strahlenkranz umgeben ist.

Das älteste Exponat ist eine Papierfastenkrippe auf Sperrholz von Georg Haller (1772 bis 1838) aus Götzens in Tirol. Diese beginnt mit der Ölbergszene und endet mit der Auferstehung. Speziell dafür sind – weil anderswo selten zu sehen – die Szene des Verrats durch Judas Iskarioth und eine weitere Szene, in der sich Judas erhängt. 

Aus sieben Schaukästen

Zu den wichtigen Ausstellungsstücken gehört auch ein sogenanntes Passionskreuz aus dem Jahr 2008. Dieses besteht aus sieben quadratischen Schaukästen, die in Form eines großen Kreuzes angeordnet sind. In den Schaukästen sind Szenen vom Ölberggebet bis zur Auferstehung zu sehen. Die Figuren sind aus Lindenholz gesägt und handbemalt.

Das Heimatmuseum Rettenbach wurde im Jahr 2013 gegründet. Die Dauerausstellung zeigt ein altes Schlafzimmer aus der Zeit um 1880 sowie historisches landwirtschaftliches und technisches Gerät Ein Raum widmet sich auch der christlichen Kunst.

Martin Gah

Information: 

Aufgrund der Corona-Krise kann die Sonderausstellung leider nicht besichtigt werden. Da sie nach Ostern abgebaut und in dieser Zusammenstellung nicht mehr zu sehen sein wird, will die Redaktion ihren Lesern aber den Bericht darüber nicht vorenthalten.