Anzeige

Christen und Juden feiern in Frieden zusammen

Ein gemeinsamer Gott

AUGSBURG – Seit 70 Jahren wird im März deutschlandweit die Woche der Brüderlichkeit begangen. Gerade Veranstaltungen für die christlich-jüdische Zusammenarbeit sind vor dem Hintergrund zunehmend antisemitischer Töne notwendig für das friedliche Miteinander der Menschen. Dieses Jahr stand der christlich-jüdische Dialog unter dem Motto „Fair Play – Jeder Mensch zählt!

Zum Abschluss der Woche der Brüderlichkeit fand in der evangelischen Kirche St. Anna in Augsburg eine christlich-jüdische Gemeinschaftsfeier statt, zu der Regionalbischof Axel Piper die zahlreichen Anwesenden begrüßte. „Wir kommen zusammen im Namen des einen Gottes, der uns erschaffen hat.“ 

Piper betonte, dass es ein besonderes Zeichen der Verbundenheit sei, gemeinsam in Frieden zu feiern, wo doch gerade die jetzige Zeit zeige, wie kostbar und zerbrechlich der Friede sei. Auch Stadtdekan Michael Thoma gedachte des Kriegs in der Ukraine und sprach in einem Gebet: „Gott, Du bist unsere Hoffnung in dieser Zeit der plötzlichen, dringenden Not. Gib Frieden in der Ukraine, in Europa und auf der Erde.“

In seiner Festansprache ging Bischof Bertram Meier auf die in Deutsch gesprochene und in Hebräisch gesungene Lesung aus dem Buch Levitikus ein. Die Verbindung zum Leitwort der diesjährigen Woche der Brüderlichkeit, „Fair play – jeder Mensch zählt!“, werde dort schon in wenigen Versen deutlich. „Für Ihn, der jedes Geschöpf unendlich liebt, weil er jedes von Ewigkeit her gewollt hat, ist jeder einzelne Mensch einzigartig und unantastbar“, betonte Bischof Bertram. „Würden wir es Ihm gleichtun, könnten wir den Reichtum und die Glückseligkeit eines solchen Miteinanders erfahren.“ Die Voraussetzung dafür sei das Wahrwerdenlassen jenes ebenso kurzen wie bahnbrechenden Satzes: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ Bischof Bertram erinnerte an den großen Denker Martin Buber, der dieses Gebot übersetzt habe: „Liebe deinen Nächsten – er ist wie du.“ 

„Eine transparente Lebensführung und das konsequente Festhalten an ethischen Werten war zu keiner Zeit ein Kinderspiel“, führte Bischof Bertram aus. „In guter Absicht gehandelt zu haben und nicht verstanden zu werden, tut weh.“ Da helfe es, loszulassen und alles, restlos alles, dem Herrn anzuempfehlen. „Wir vertrauen darauf, Gott bleibt die Antwort nie schuldig, selbst dann nicht, wenn irdisch gesprochen alles zu spät ist. Weil Gott gut ist, können auch wir es immer wieder von Neuem wagen, es ihm gleichzutun.“

Bevor Regionalbischof Piper und Bischof Meier am Ende der Feier den Segen sprachen, sang Rabbiner Daniel Katz das hebräische Lied „Ben Zoma Omeir“ des in der Ukraine geborenen Komponisten Max Wohlberg. Zu Herzen gingen die Worte: „Wer ist weise? Der von jedem Menschen lernt. Wer ist ein Held? Der seine Leidenschaft bezwingt. Wer ist reich? Der mit seinem Teil zufrieden. Wer ist geehrt? Der, der die Menschen ehrt.“

Ingrid Paulus

18.03.2022 - Bistum Augsburg , Ökumene