Anzeige

Diözesanen Schöpfungstag in Regensburg

Energiewende jetzt!

REGENSBURG (pdr/sm) – „Die Energiewende ist notwendig, technisch möglich und wirtschaftlich sinnvoll“, hat Professor Michael Sterner von der Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH) Regensburg in seinem Impulsvortrag zum Auftakt des 18. Schöpfungstages 2022 der Diözese Regensburg betont. 

Klimaschutz, so Sterner, sei die Überlebensfrage für die Menschheit. Wind und Solar böten günstige Quellen, die Nutzung heimischer Ressourcen sichere die Zukunft kommender Generationen, die regionale Wertschöpfung schaffe Arbeit und Wohlstand. Das sei auch eine große Chance für die Kommunen. Schon lange sei es dringend notwendig, die Wärme- und Verkehrswende anzugehen und damit die Energieeffizienz umzusetzen, so der Gastreferent weiter. 

Angriffskrieg Russlands verschärft Wechsel

Jedes Jahr veranstaltet das Bistum Regensburg einen Schöpfungstag und rückt dabei drängende Themen zur Bewahrung der Schöpfung in den Mittelpunkt. Heuer wählte das Team um Beate Eichinger, Umweltbeauftragte der Diözese, das Thema „Energiezukunft – regenerativ und innovativ“.

 „Unsere wichtigste Energiequelle ist die Sonne – aus ihrer Kraft können Strom und Wärme gewonnen werden, entweder direkt oder über diverse Zwischenstationen. Nicht nur wegen der Klimaerwärmung wird der Ausstieg aus allen fossilen Quellen schon seit Jahrzehnten gefordert – der Angriffskrieg Russlands verschärft diesen sinnvollen Wechsel hin zu den Erneuerbaren Energien auch in energiepolitischer Sicht, um geopolitische Abhängigkeiten zu vermeiden“, betonte die diözesane Umweltbeauftragte in ihrer Einladung, der rund 150 Interessierte nach Regensburg gefolgt waren. Austragungsort und Partner waren in diesem Jahr die Energieagentur Regensburg am RUBINA, der Heimat der Energieagentur und des Energie-Bildungszentrums um:welt.

Fachvorträge, Diskussion und Exkursionen

Beim Schöpfungstag können die Teilnehmer bei Fachvorträgen Themengebiete vertiefen, diskutieren, sich austauschen, an praktischen Beispielen von Initiativen neue Ideen gewinnen oder in Exkursionen Projekte vor Ort erleben. So konnten die Besucher heuer am Vor- und Nachmittag zwischen einer reichen Palette von Angeboten wählen: Unter „Nachgefragt, Friedensenergie: Wie machen wir uns von Kohle, Öl unabhängig“, diskutierten die Gäste mit Professor Michael Sterner; bei „Vorstellung von Potenzialen: Energetische Sanierung von Bestandsbauten“ stellte sich die Energieagentur Regensburg vor und lud zur Besichtigung ihres Klimaerlebniszentrums ein. Unter „Unser Weg zur umweltfreundlichen Pfarrei“ stellten die Pfarreien Herz Marien Regensburg, Teublitz, Leibling und Sinzing „Best-Practice-Beispiele“ vor; „Gemeinwohlökonomie spielerisch kennenlernen: ein ethisches Wirtschaftsmodell für die Zukunft“ machte die Gemeinwohl Ökonomie Bayern (GWÖ), Regionalgruppe Regensburg, zum Thema; die Projektvorstellung „Zero Waste Regensburg“ gab wertvolle Impulse zum Energiesparen durch Müllvermeidung; Exkursionen führten zum Klimaschutzweg am Sallerner Mühlberg in Regensburg. Hier konnten die Gäste praxisnah Beispiele für Energiegewinnung am Privathaus kennenlernen und Wissenswertes zum historischen Windrad von Regensburg erfahren. Andere erkundeten das PV-Praxisbeispiel der Pfarrei Neutraubling unter dem Motto „Mit Sonnenstrom zur ambulanten Krankenpflege“ oder erkundeten den Bodenentdeckungspfad. 

Klimawandel und
Artensterben

Der Landesbund für Vogelschutz in Bayern e. V. (LBV) sensibilisierte die Teilnehmer dafür, dass Klimaschutz und der Erhalt der Bio­diversität die größten Herausforderungen in diesem Jahrhundert und untrennbar miteinander verbunden sind, denn Klimawandel und Artensterben könnten nicht voneinander losgelöst betrachtet werden. Bei Photovoltaikanlagen sollten zunächst alle Potenziale auf Dachflächen ausgeschöpft werden. Für den Ausbau von Windkraft­anlagen brauche es eine raumübergreifende Planung und die Ausweisung von Konzentrationsflächen statt Einzellösungen auf Gemeindeebene. Neue Windkraftanlagen sollten, wo immer möglich, im Offenland errichtet werden, nicht jedoch in naturschutzfachlich wertvollen unzerschnittenen Wäldern. Beim Thema Wasserkraft erklärten die Vertreter des LBV, dass nahezu alle Potenziale bereits ausgeschöpft seien und die vielen Verbauungen kleinerer Gewässer kaum zur Stromerzeugung beitrügen, aber große Auswirkungen auf die Fauna hätten. Der Anbau von Energiepflanzen für die Biogaserzeugung sei mit vielen negativen Folgen für den Artenschutz verbunden (Pflanzenschutzmittel, Dünger), die Verwertung aus Abfällen (Biotonne) sei zu begrüßen, konnten die Gäste erfahren. 

Gleichzeitig konnten sich die Teilnehmer an zahlreichen Ständen weitere Informationen zum Jahresthema besorgen und sich mit den Fachleuten der Kooperationspartner austauschen. Für Kinder gab es ein extra zugeschnittenes Begleitprogramm einer Energie-Entdeckungswerkstatt, die Klima-Waage, ein Schöpfungsquiz und vieles mehr.  

Der diözesane Schöpfungstag hat auch immer ökumenischen Charakter, und so wurde zum Abschluss mit allen Besuchern eine Vesper gefeiert, bei der sich für das Bistum Regensburg Domkapitular Thomas Pinzer, Archimandrit Georgios Siomos von der Griechisch-Orthodoxen Kirche, Dekan Jörg Breu vom Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreis Regensburg, Pfarrer Johannes Biebl von den Altkatholiken und Veronika Prautsch von der Neu­apostolischen Gemeinde gemeinsam versammelt hatten. Der Regensburger Kirchenchor St. Anton unter der Leitung von Julia Glas gestaltete die Feier musikalisch.

Der Schöpfungstag 2023 findet nächstes Jahr am Samstag, 30. September, in Waldsassen statt.

28.09.2022 - Bistum Regensburg