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Festvortrag von Bischof Rudolf Voderholzer beim Neujahrsempfang der LAG Altmühl-Jura

Christentum ist die Seele Europas

MINDELSTETTEN (pdr/sm) – „Die Seele Europas ist das Christentum, und deshalb ist es auch historisch exakt und verantwortbar, vom ‚christlichen Abendland‘ zu sprechen. Ich halte es nicht für vernünftig, diesen Begriff und die Deutungshoheit darüber anderen zu überlassen, die nationalistische Interessen damit verbinden, die zutiefst einer katholischen Universalität widersprechen.“ Das sagte Bischof Rudolf Voderholzer, bei seinem Festvortrag im Rahmen des Neujahrsempfangs der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) Altmühl-Jura in Mindelstetten. 

Mit Blick auf die Europawahl im Mai dieses Jahres ging Bischof Voderholzer der Frage nach, was die Seele Europas sei, worin sie bestehe. Europa sei, so der Bischof, Europa geworden durch den christlichen Glauben. Er trage das Erbe Israels in sich, er habe das Beste des griechischen und des römischen Geistes in sich aufgenommen und damit alle Wesensbereiche Europas geprägt. Deshalb habe Europa zum Ursprungsort der wissenschaftlichen Welterklärung mit den Mitteln der menschlichen Vernunft werden können, deshalb habe Europa Rechtssicherheit und Rechtsstaatlichkeit sowie eine Kultur der Mitmenschlichkeit und Menschenwürde entwickeln können. 

Prägende Kraft

Der Bischof veranschaulichte die Prägekraft des Christentums mit einer Fülle an Beispielen, die auch immer wieder die Gefährdungen eben dieser grundlegenden Wesenskraft europäischer Identität aufzeigten.  

Zum Beispiel die Zehn Gebote, die zum jüdischen Erbe des Christentums gehören. Bischof Voderholzer: „Es gibt kein Europa ohne die Zehn Gebote: Schutz der Unversehrtheit des Lebens, Schutz der Ehe und Schutz des Familienzusammenhangs, Schutz des Eigentums, Schutz des guten Rufes eines Menschen. Wo die Zehn Gebote nicht geachtet werden, ist die Menschlichkeit in Gefahr. Wo die Zehn Gebote nicht geachtet werden, ist auch Europa in Gefahr. Wer die Gebote Gottes nicht beachtet, beleidigt nicht den großen und heiligen Gott, sondern er schadet sich selbst. Um es in einem Bild zu sagen: Wer zum Himmel spuckt, trifft sich selbst.“

Zum Gottesbezug in den Verfassungen, die sich damit zu den christlichen Fundamenten bekennen, die ein Wertesystem begründen, sagte der Bischof: Der säkulare Staat mache damit deutlich, dass er auf Fundamenten steht, die keine freiheitliche Rechtsgemeinschaft aus sich selbst erschaffen kann, ohne sich selbst zu vergötzen. Deswegen  habe er auch für den Kreuz-Erlass des bayerischen Ministerpräsidenten vom April letzten Jahres seine Stimme erhoben, zusammen mit dem evangelischen Regionalbischof Hans-Martin Weiss.

Zu Europa gehöre auch die Ehrfurcht vor dem Heiligen überhaupt, vor Gott. Diese Ehrfurcht sei sehr wohl auch demjenigen zuzumuten, der selbst nicht an Gott zu glauben bereit ist. Wo diese Ehrfurcht zerbrochen werde, nehme die Identität einer Gesellschaft Schaden. Bischof Voderholzer: „Sage mir, was dir heilig ist, und ich sage dir, wer du bist, möchte man zu bedenken geben.“

Zum Fundament Europas gehöre auch die Feiertagskultur. Der Sonntag sei der Urfeiertag Europas. Der Bischof wies auf die unbestrittene „soziale“ Bedeutung des Sonntags hin: „Wenn jeder Einzelne sich die Rahmenbedingungen seiner Freizeitgestaltung selber schafft, gibt es bald keine gemeinsamen Aktionsmöglichkeiten mehr. Gerade auch als überindividuelle Institution ermöglicht der Sonntag als gemeinsamer Feiertag auch eine Fülle von gemeinschaftsstiftenden, identitätsstiftenden Aktivitäten. Deshalb ist er – noch weit über das kirchliche Anliegen hinaus – auch als Kulturgut höchsten Ranges, als soziale Einrichtung, über die Maßen schützenswert gegenüber allen ökonomischen Verrechnungs- und Vereinnahmungsversuchen.“

Berechtigte Sorge

Da aktuell der Begriff des „christlichen Abendlandes“ vielfach in politischen Debatten auftaucht, ging der Regensburger Bischof auch auf die Stimmen derjenigen ein, die die Gefährdung unseres Kulturraumes hervorheben. Er gehöre zu denen, „die diese Sorgen nicht einfach von der Hand weisen. Ich wiederhole aber auch hier, was Peter Scholl-Latour, einer der besten Kenner des Orients und des Islam schon vor etlichen Jahren gesagt hat: ‚Sorgen muss sich Europa nicht machen wegen der Stärke des Islam, sondern wegen seiner eigenen geistigen Schwäche.‘“ Ganz ähnlich habe Papst Franziskus etwa anlässlich der Verleihung des Karls-Preises eine gewisse „Müdigkeit“ und „Kraftlosigkeit“ Europas beklagt.

„Europa hat eine Seele. Unsere Heimat hat eine Seele. Sie hat unsere Heimat so lebens- und so liebenswert gemacht. Es ist der christliche Glaube. Es kommt darauf an, diese Seele nicht verkümmern zu lassen, sondern frohgemut zu leben“, resümierte Bischof Voderholzer und wünschte für das soeben angebrochene neue Jahr 2019 „viel Glaubenszuversicht und Gottes reichen Segen“.

23.01.2019 - Bischöfe , Bistum Regensburg