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Fastengebetsaktion im Bistum gestartet

Für Kirche, gegen Krieg

SCHWARZENFELD (mb/md) –  Auf dem Miesberg hoch über Schwarzenfeld ist am Spätnachmittag des ersten Fastensonntags die Fastengebetsaktion von Bischof Rudolf Voderholzer gestartet. Diese findet an jedem Fasten- beziehungsweise Passionssonntag an Wallfahrtsorten in den Regionen des Bistums statt. Das Motto lautet: „Wir kommen zu Dir mit reumütigem Herzen und demütigem Sinn.“ Anlass sind die jüngsten Herausforderungen für die Kirche und aktuell der Krieg in der Ukraine.

Nicht nur aus der Region, sondern weit darüber hinaus waren die Teilnehmer gekommen – trotz kühler Temperaturen, denn der Kreuzweg wurde ja im Freien gebetet. 

Über das gute Feedback freute sich der Oberhirte der Diözese auch in seiner Begrüßung. Er verwies dabei auf den Anstoß für die Aktion durch eine studentische Gebetsgruppe. Demnach sollte die österliche Bußzeit dazu anregen, Schuld – auch seitens der Kirche – einzugestehen, eine Umkehr zu vollziehen, um Vergebung zu bitten und Verantwortung zu übernehmen.

Darüber hinaus sollen die Kreuzwegandachten dazu beitragen, um die Bewahrung der Einheit der Kirche zu beten, Quellen der Erneuerung freizulegen und zur Neuevangelisierung zu ermutigen. 

„Tiefe Sorge“ bedrückt Bischof Voderholzer angesichts der Lage in der Ukraine. Daher galt das Gebet auch dem Frieden in diesem Land.

Auf dem Miesberg führen die 14 Kreuzwegstationen rund um das Kirchengelände, die erste Station ist gleich unterhalb des Eingangstores. Die Angehörigen des Passionisten-Ordens lasen die Texte zu den Stationen, ausgewählte Stellen aus der Heiligen Schrift sowie das Christusgebet. Die Betrachtungen zu den Stationen trug Bischof Voderholzer selbst vor, da hier auf aktuelle Vorkommnisse in der Gesellschaft sowie in Kirche und Welt Bezug genommen wurde.

So galt bei der ersten Station (Jesus wird zum Tode verurteilt) das Gebet allen Menschen, „dass sie Halbherzigkeit überwinden und sich nicht vom Bann der Masse einnehmen lassen“. Um innerkirchliche Belange ging es bei der zweiten Station (Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern): „Wir beten für die Menschen, denen durch Mitarbeiter der Kirche ein schweres Kreuz aufgeladen wurde.“ Auf Jesu Jünger, die ihn bei seinem Kreuzweg verlassen hatten, blickte der Oberhirte bei der dritten Station (Jesus fällt zum ersten Mal unter dem Kreuz) und fragte: „Wer geht heute den Weg des Gehorsams und der Wahrheit? Beten wir für alle, die trotz Widerständen und Anfeindungen dem Weg Jesu treu bleiben.“

Bei der vierten Station (Jesus begegnet seiner Mutter) rückte der Bischof die Mütter und Frauen in den Fokus. „Wir beten für die Mütter der beiden ermordeten Polizisten; für die Frauen, die um ihre ungeborenen Kinder trauern; für die Frauen, die ihre Kinder tot zur Welt bringen müssen, und für alle Mütter, deren Kinder Opfer von Missbrauch und Gewalt wurden.“ 

Die Empathie für Leidende zog Bischof Voderholzer aus der fünften Station (Simon von Zyrene hilft Jesus das Kreuz tragen): „Das Kreuz mittragen heißt für uns: sich ‚ergreifen‘ lassen, wo Bedürftige auf unsere Barmherzigkeit warten. Es heißt, die Perspektive der Leidenden einzunehmen und sich für ihren Schutz einzusetzen.“ Mit Jesu Antlitz ist das Tuch verbunden, um das es in der sechsten Station (Veronika reicht Jesus das Schweißtuch) geht. Zwei Gedanken drückte der Oberhirte hier aus: „Wir beten für die Menschen auf dieser Erde, denen es am Lebensnotwendigsten wie Nahrung, Kleidung und sauberem Wasser mangelt. Wir beten für alle, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung ausgegrenzt und mit der Todesstrafe bedroht werden.“

Die siebte Station (Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuz) widmete Bischof Rudolf den Menschen, „die unter ihren Lastern und Lasten zusammenbrechen“. Bei der achten Station (Jesus begegnet den weinenden Frauen) appellierte er an die Gläubigen: „Beten wir für uns selbst, dass wir dem Bösen mit Glaube, Hoffnung und Liebe entschlossen entgegentreten.“ Die Fehler, ja, die Schuld der Kirche waren Inhalt der neunten Station (Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz): Hochmut, Selbstherrlichkeit, geringe Achtung des Bußsakraments. „Wir können nur aus tiefster Seele zu ihm rufen: ‚Herr, vergib uns unsere Schuld.‘“ 

Um das am heißesten diskutierte Thema – die Missbrauchsfälle in der Kirche – ging es in der zehnten Station (Jesus wird seiner Kleider beraubt). „Wir beten für alle Menschen, die durch körperliche Gewalt, sexuellen Missbrauch und Vergewaltigung erniedrigt und zerbrochen wurden“, meditierte der Bischof. Die elfte Station (Jesus wird ans Kreuz genagelt) rückte Unrechtsurteile in den Fokus. „Wir beten für alle Menschen, die unter den Folgen von ungerechter Verurteilung, von Hass und Rache leiden.“ 

Der Tod war natürlich Thema bei der zwölften Station (Jesus stirbt am Kreuz). Das Gedenken galt allen Menschen, „die eines unnatürlichen Todes sterben, und den Opfern des Krieges in der Ukraine.“

Die Trauer war Inhalt der 13. Station (Jesus wird vom Kreuz abgenommen). Das Gebet galt den Menschen, „die um einen lieben Angehörigen oder Freund trauern und keinen Trost finden können. Wir denken dabei auch besonders an die Familien in der Ukraine“, so der Bischof. 

Das Sterben bildete schließlich den Gehalt der 14. Station (Jesus wird ins Grab gelegt). „Wir beten für alle, die Sterbende und Trauernde begleiten, und um eine gute Sterbestunde für uns.“

Bei der abschließenden eucharistischen Andacht wurden die Themen „Umkehr und Buße“, „Mea culpa“ (Meine Schuld) sowie „Trauer und Klage“ nochmals aufgegriffen. Mit dem eucharistischen Segen und dem Schlusslied „Christi Mutter stand mit Schmerzen“ endete diese erste Fastengebetsaktion.

09.03.2022 - Bistum Regensburg