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Diözesanpriester Pfarrer Josef Losch wurde in der NS-Zeit vor 75 Jahren Blutzeuge für Christus

„Gott möge uns vor den Nazis bewahren!“

Als am 29. Januar 1945 gegen 12 Uhr ein Gefangenenaufseher seine Zelle im Zuchthaus Brandenburg-Görden aufschließt und ihm eröffnet, dass er um 13.30 Uhr hingerichtet werde, zeigt sich Pfarrer Josef Losch gefasst und getragen von unerschütterlichem Glauben. Auf einen Fetzen Papier kritzelt der Todgeweihte seine letzten Worte: „Meine Lieben, Alle, Alle! Meine allerletzten Grüße auf dieser armen, armen Erde. Euch Allen, Allen. Ich gehe zu Gott und den Heiligen. Vergeßt mich im Gebete nicht!“ Pünktlich um 13.30 Uhr stirbt Losch durch das Fallbeil. Schergen verbrennen seinen Leichnam. Nichts soll noch an den mutigen Bekenner seines Glaubens erinnern.

Doch auch 75 Jahre nach seinem Tod ist Pfarrer Josef Losch ebenso unvergessen wie viele andere, an die seit 1996 bundesweit und seit 2005 weltweit am 27. Januar, am Tag des Gedenkens an die Opfer des Natio­nalsozialismus beziehungsweise des Holocaust, erinnert wird. Auch im Bistum Regensburg hat die NS-Gewaltherrschaft eine Reihe von Opfern gefordert. Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts weist für die Zeit des Nationalsozialismus (1933-1945) im Bistum Regensburg zehn Blutzeugen für Christus, sechs Diözesanpriester und vier Laien, aus. Unter ihnen ist Pfarrer Losch ein besonders bemerkenswertes Opfer der NS-Kriegsjustiz. Aufgrund seiner katholischen Weltanschauung hat er mit den Jahren eine immer stärker werdende, ablehnende Haltung gegenüber dem nationalsozialistischen Herrschaftssystem eingenommen. Wiederholte kritische Äußerungen, die sich aus dieser Haltung ergaben, führten dazu, dass er bereits Ende der 1930er-Jahre verstärkt ins Visier der polizeilichen Überwachungsorgane des NS-Staates geriet.

Fromm und begabt

Geboren wurde Josef Losch am 21. Januar 1900 in Rottendorf bei Nabburg in der Oberpfalz als jüngstes von sieben Kindern einer Kleinbauernfamilie. Als der Vater 1910 verstarb, bewirtschaftete die Mutter mit den ältesten Kindern das kleine Anwesen. Nach der Volksschule in Rottendorf fand der fromme und begabte Josef Aufnahme im Bischöflichen Knabenseminar Obermünster in Regensburg und besuchte mit gutem Erfolg das Alte Gymnasium. „Die sittliche Führung, die religiöse Wärme, der edle Sinn für Kirchlichkeit lassen sein Berufsstreben als recht und zuverläßig erscheinen“, urteilte sein Seminardirektor, und so fand Losch Aufnahme im Regensburger Priesterseminar und wurde, nach Vollendung seines philosophisch-theologischen Studiums, am 29. Juni 1925 von Bischof Antonius von Henle zum Priester geweiht.

Nach Stationen in Gleißenberg, Kelheim und Dingolfing wurde Losch ab August 1930 mit der im Aufbau begriffenen Seelsorgsstelle Neusorg bei Wunsiedel als exponierter Kooperator betraut. In seinen Predigten verkündete er nicht nur freimütig das Wort Gottes, sondern wies auch auf die Gefahren der Zeit eindeutig hin. Noch zu Beginn des Jahres 1933, bevor das NS-Regime die Macht in Deutschland übernahm, sagte er auf der Kanzel: „Die Roten, damit meine ich die Sozi, sind mir lieber als die Braunen. Gott möge uns vor den Nazis bewahren! Wenn die an die Macht kommen, werden wir dasselbe erleben, als kämen die Kommunisten ans Ruder. – Nazismus ist Kommunismus in Reinkultur, nur mit einem braunen Mantel umgeben.“

Rache des NS-Regimes

Mitglieder der NSDAP in Neusorg und Umgebung sannen auf Rache, verleumdeten Losch beim Bischöflichen Ordinariat wegen eines „zweifelhaften Lebenswandels“. Auf Druck des Kultusministeriums und auch im In­teresse des Priesters versetzte das Ordinariat Losch im November 1933 nach Etzgersrieth, doch auch hier war er ständigen Verfolgungen des NS-Regimes ausgesetzt. Wiederholt erfolgten Verwarnungen und Geldstrafen. Doch Losch ließ sich in seinem Kampf für die katholische Sache nicht einschüchtern.

So ging ihm auch der Ruf als Gegner des Regimes voraus, als er im April 1938 als Pfarrer nach Miesbrunn bei Pleystein versetzt wurde. 1939 wurde er wegen „Beleidigung des Führers“ angezeigt, doch stellte das Sondergericht in Nürnberg das Verfahren gegen ihn im April 1940 ein. Die Gestapo in Regensburg aber setzte ihn auf die schwarze Liste. 

Keine zehn Wochen später wurde er wegen angeblicher Beleidigung  von drei Soldaten zu drei Wochen Gefängnis verurteilt. In Wirklichkeit hatten die drei Soldaten betrunken vor dem Pfarrhaus randaliert und Losch den Lärm der Trunkenbolde als „viehisch“ bezeichnet. Im September 1941 wurde Losch Unterrichtsverbot erteilt. 

Verhängnisvolle Briefe

Im Zuge der von den Nationalsozialisten in der letzten Kriegsphase eingeleiteten verstärkten Repressions- und Terrormaßnahmen gegen noch verbliebene Regimekritiker wurde am Morgen des 16. Januar 1944 in Loschs Pfarrhaus in Miesbrunn eine polizeiliche Hausdurchsuchung durchgeführt. Als Anlass diente die Denunziation eines Ortsbewohners, für dessen gefallenen Sohn der Pfarrer nicht, wie üblich, die Sterbeglocke habe läuten lassen. Dass die Vergesslichkeit des Mesners Grund für dieses Versäumnis war, half nichts. Endlich hatte die Gestapo den ersehnten Vorwand, Loschs Haus zu durchsuchen. Dabei wurden Briefe gefunden, in denen sich Losch in ablehnender Weise über Adolph Hitler, seine Regierung und den Krieg äußerte, den er als ein „Werk“ des Diktators bezeichnete und von dem er prophezeite, dass er „bald zu Ende“ sein werde. Auch erklärte er, dass ein derartig „religionsfeindliches System“ „nie wieder“ an die Regierung kommen dürfe.

Unter wüsten Beschimpfungen wurde Losch sofort verhaftet und rasch weggebracht, da die Gestapo den Zorn der Dorfbewohner fürchtete. Alle Versuche des Ordinariats, ihn vor dem Volksgerichtshof in Berlin zu bewahren, waren vergeblich. Im September 1944 wurde Losch in einem Viehwagen nach Berlin in das Gefängnis Moabit gebracht. Am 24. November 1944 fand beim Volksgerichtshof die Hauptverhandlung wegen „Wehrkraftzersetzung“ und „Feindbegünstigung“ statt. Die Verhandlung dauerte von 9 bis 13 Uhr und endete mit dem Todesurteil. Losch wurde in das Zuchthaus Brandenburg-Görden überstellt, ein eingereichtes Gnadengesuch blieb unberücksichtigt. 

Bleibende Mahnung

Nach Hinrichtung durch das Fallbeil am 29. Januar 1945 und der Verbrennung des Leichnams wurde die Asche verwahrt. Die Urne mit Loschs sterblichen Überresten befindet sich heute am Marienberg in Brandenburg im Ehrenhain. Wachgehalten wird die Erinnerung an den mutigen Priester nicht nur in seinem Heimatort Rottendorf, sondern auch in Neusorg, Etzgersrieth und Miesbrunn. In Rottendorf wurde 1985 außen an der Pfarrkirche eine Gedenktafel angebracht. Ebenso ehren ihn seine Wirkungsorte Etzgersrieth und Miesbrunn mit Gedenktafeln in der Kirche. Im Gotteshaus Patrona Bavariae in Neusorg erinnert ein gerahmtes Foto mit Text an den Martyrer der NS-Zeit. Außerdem wurde 1996 der Kirchplatz in Pfarrer-Losch-Platz umbenannt. Sein Name findet sich auch, wie alle NS-Martyrer-Priester des Bistums Regensburg, auf einer Gedenktafel im Regensburger Dom.

Stefan Mohr

22.01.2020 - Bistum Regensburg , Gedenken