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Jugendforum Bayerischer Trachtenverband

Heimat, Tradition, Brauchtum

HOLZHAUSEN (pdr/md) – Im Trachtenkulturzentrum Holzhausen bei Geisenhausen in Niederbayern hatte der Bayerische Trachtenverband sein erstes Forum für Jugendarbeit. Etwa 300 Ehrenamtliche, vorwiegend Jugendleiter, aus 22 Gauverbänden nahmen daran teil. Das Thema der großen Abschlussdiskussion, vom stellvertretenden Landesvorstand Christian Kammerbauer geleitet, lautete „Welchen Einfluss haben Heimat, Tradition, Brauchtum auf die moderne Gesellschaft?“. 

Am Podium saßen Bischof Rudolf Voderholzer, BR-Redaktionsleiter Corbinian Lippl, der Bayerische Trachtenverbands-Vorsitzende Günter Frey und die Gewinnerinnen beim bayernweiten Mundartwettbewerb Veronika Ettenreich, Theresa Gailer und Lea Kaffl.

Die kurze Definition für „Heimat“ fiel individuell aus. Für Günter Frey ist Heimat mit Tradition und Brauchtum verankert. Bischof Rudolf assoziiert mit Heimat das Schicksal seiner Mutter: Sie musste mit 18 Jahren das Sudetenland verlassen. Zwar gab es viele traditionelle und kirchliche Schnittmengen mit dem Sudetenland und der späteren Heimat Oberbayern. Jedoch die Tatsache, nicht mehr zurück zu können, vergrößerte ihre Wehmut, je älter sie wurde, so Bischof Rudolf. Für ihn verbinden sich Ausdrucksformen und Zeichen, sie bilden einen  Fundus von vielen Elementen. Heimat bedeute, sich frei bewegen zu dürfen.

Heimat als persönlicher Ort von Nähe könne nur langsam entstehen, vertritt Corbinian Lippl. Durch Interesse an der Umgebung erarbeitet, vermittle es ein schönes Gefühl. „Viel Herz“ ist bei der Beschreibung von Heimat dabei, stellten die jungen Mundartpreisträgerinnen fest. Zusammenhalt, Familie, Freunde, Feste, Trachten und Unterstützung prägten die Lebensqualität. 

Wissen um die Feiertage

Feiertage sind sehr beliebt. Sind sie nur willkommene freie Tage oder kommt ihnen noch eine Bedeutung zu? Den Hintergrund von Weihnachten würden noch viele kennen, bei Ostern werde es schon dünner, und mit Pfingsten könnten noch die wenigsten etwas anfangen, stellte Bischof Rudolf fest. Seiner Erfahrung nach seien derzeit viele Menschen für die Erschließung der Tradition dankbar. Etwa die „Erfindung“ des Ostereies nach der Fastenzeit, weil Ei als flüssiges Fleisch galt. Pfingsten als traditionelles Wallfahrtsfest habe eine starke Bindung mit der biblischen Geschichte. Gemeinsam unterwegs sein auf ein Ziel, wie die Apostel. Lehrer hätten die Freiheit, auf Feiertage oder Ehrung der Namenstage einzugehen. Er erinnere sich an seinen Lateinlehrer, der seinen Schüler Josef zum Namenstag von den Hausaufgaben befreite. 

Nach Überzeugung von Corbinian Lippl bestehe im Wissen um die Feiertage ein starkes Stadt-Land-Gefälle.

Vereine unterstützen kirchliches Brauchtum

Günther Frey beobachtete, dass die Trachtenvereine noch sehr stark mit dem kirchlichen Brauchtum verbunden seien. Es gebe keine größere Veranstaltung, die nicht mit einem Gottesdienst beginne. Die Teilnahme an öffentlicher Glaubensbezeugung wie an Fronleichnam sei eine Selbstverständlichkeit. 

Die jungen Damen versicherten, auf Bräuche wie Palmbuschen oder Kräutersegnung viel Wert zu legen. Dies stärke auch die sozialen Kontakte, ebenso wie der sonntägliche Kirchgang. Hier komme es aber sehr stark auf die Herkunftsfamilie an. 

Redaktionsleiter Lippl wies auf die Bemühungen des BR hin. Filme in „Unter unserem Himmel“ zu den Feiertagen stellten die Natürlichkeit und die Liebe zur Mundart dar. „Nicht im kracherten, sondern im normalen bayerischen Alltag kommt rüber: Das Große findet man im Kleinen.“ 

Bischof Rudolf ging es um die Stärkung des Sonntags. Neben den großen Festtagen sei der erste Tag der Woche, der  Auferstehungstag, sehr wichtig. In Verbindung mit religiösem Brauchtum, festlich gekleidet und „einem Gang mehr“ (beim Mittagessen) werde der Sonntag zum Geschenk für Familie und Gemeinschaft. 

„Die Leute möchten wieder verstärkt Tradition sehen“, sagte der Trachtenverbands-Vorsitzende. Es be­dürfe daher vieler Begeisterter, die das kulturelle Leben mit dem Brauchtum verknüpfen. Große Beiträge leisteten dazu die Trachtenvereine, vor allem in der Jugendarbeit. Oft werde der Sonntag eingebunden. 

Der reißerische Spruch von „Laptop und Lederhose“ berühre die Jugend nicht mehr, betonte Lea Kaffl. Sie sei stolz auf ihre Tracht, Dirndl und Lederhose. Es gebe ein gutes Gefühl, mit festlichem Gewand sauber angezogen zu sein. Trotzdem setze man auf Social Media. Bräuche und Kultur blieben, nur die Umsetzung werde moderner. Tradition und Moderne ergänzten sich gut, weil Bayern fortschrittsoffen und der Tradition verbunden sei, so Kaffl. 

Tradition wird bestehen

Bezüglich der Frage zur Zukunft der Tradition zeigte sich Corbinian Lippl überzeugt: „Die Bevölkerung braucht die Haltepunkte und Leuchttürme der Tradition. Sie wird weiter bestehen, aber Engagement fordern.“ Veronika, Lea und Theresa glaubten fest an das Fortbestehen. Sie gingen bei der Podiumsdiskussion sogar davon aus, dass ihre Bedeutung noch stärker zunehmen werde. Günter Frey meinte, für „harte Arbeit gibt es guten Lohn“. Die Trachtenvereine würden auf jeden Fall an ihren Bemühungen dranbleiben und für den Bestand sorgen. Angesichts so vieler ehrenamtlicher Jugendleiter bestehe keine Sorge um den Erhalt des Brauchtums, so Bischof Voderholzer. Kirchliche Feste würden die Heimat liebens- und lebenswert erhalten. Zum Abschluss gab es vielfach den schönen Gruß „Pfiat di“ zu hören.

24.05.2022 - Bistum Regensburg