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KJF nimmt behinderte Ukrainer auf

Sicherheit und Zuflucht

REGENSTAUF (ca/sm) – 26 Menschen mit geistiger Behinderung im Alter von 14 bis 35 Jahren, vier Betreuerinnen sowie fünf Familienangehörige der Betreuungskräfte in der Gruppe, die aus der Ukraine geflüchtet sind, haben im Bildungs- und Tagungshaus Schloss Spindlhof des Bistums Regensburg sichere Zuflucht und Unterkunft gefunden.

Michael Eibl, Direktor der Katholischen Jugendfürsorge (KJF) in Regensburg, nahm die Gruppe, die sich ursprünglich von Kiew aus auf den Weg gemacht hatte, in Regen­stauf in Empfang und überzeugte sich davon, dass alle wohlbehalten die lange Fahrt mit dem Bus von Polen aus überstanden hatten. KJF-Abteilungsleiter Johannes Magin hatte die Fahrt im Bus persönlich von Neisse (Polen) aus mit zwei Dolmetschern begleitet.

Grenzenlose Solidarität

Als die Caritas Polen den Bundesverband Caritas Behindertenhilfe und Psychiatrie e. V. (CBP) in Berlin wegen einer schnellen Notfallhilfe anfragte, um Menschen mit Behinderung aus den Krisengebieten in der Ukraine zu evakuieren, zeigte die Caritas-Familie über alle Grenzen hinweg, was Solidarität und schnelle Hilfe bedeutet. Der CBP hat seine Mitglieder, darunter auch die Katholische Jugendfürsorge Regensburg, deutschlandweit angefragt, ob sie Kinder, Jugendliche und erwachsene Menschen mit Behinderung aus dem Kriegsgebiet Ukraine aufnehmen könnten. Die Verantwortlichen in der KJF, der zuständige Abteilungsleiter Johannes Magin, bis vor Kurzem Vorsitzender des CBP, und KJF-Direktor Michael Eibl, sagten sofort Hilfe zu und waren in der Lage, nach bereits wenigen Tagen eine gute und passende Unterkunft bereitstellen zu können. 

Das Bistum hat der KJF dazu Räumlichkeiten im Schloss Spindlhof verpachtet. Regenstaufs Bürgermeister Josef Schindler unterstützte die Aufnahme und alle Vorbereitungen intensiv und aktivierte das Regenstaufer Helfernetzwerk. Der Zusammenhalt und das ehrenamtliche Engagement in Regenstauf sind hier großartig.

Insgesamt hat der CBP bis jetzt 175 Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit geistiger Behinderung aus dem Krisengebiet evakuiert, 26 davon sind nun im Spindlhof mit ihren vier Betreuerinnen und deren fünf Familienangehörigen untergebracht. Abteilungsleiter Johannes Magin hat mit dem Steinsberger Busunternehmen Dechant die Anfahrt organisiert. Die Gruppe reiste über Polen ein, wo sie Zwischenstation machte, medizinisch versorgt wurde und die für die Einreise notwendige Quarantäne verbrachte. Bereits während der Busfahrt wurden alle aus der Gruppe schnellgetestet und auf die Ankunft im Spindlhof vorbereitet. Zwei Dolmetscher gaben alle wichtigen Informationen weiter, insbesondere zur Wasserversorgung in Spindlhof. Wolfgang Stöckl, Hausleiter in Schloss Spindlhof, und sein Team mit Hausmeister, Küchen- und Servicepersonal sowie Hauswirtschaftskräften hatten derweil bis zur Ankunft der Gruppe alles Erforderliche vorbildlich vorbereitet und noch am späten Abend dafür gesorgt, dass die Rahmenbedingungen den Bedürfnissen der Gruppe entsprechen.

Die Verantwortlichen in der KJF, engagierte KJF-Mitarbeiterinnen vor Ort aus Regenstauf und viele freiwillige Helferinnen und Helfer haben trotz der schwierigen Situation unter großem Einsatz alles sehr gut vorbereitet. So war das Bayerische Rote Kreuz Regenstauf beim Empfang mit vor Ort und unterstützte bei der Erstausstattung. Bereits am Sonntag unterwies die Regenstaufer Feuerwehr die Betreuerinnen, erklärte Fluchtwege und Notausgänge. Das Technische Hilfswerk Laaber baute die Wasserversorgung innerhalb von zwei Tagen am Spindlhof extern mit zwei großen Containern auf, in denen sich Sanitäranlagen befinden; der Landkreis Regensburg und die Gemeinde Regenstauf unterstützen diese Aktion tatkräftig. 

Koordinator und Ansprechpartner vor Ort ist für alle Johannes Magin. Er sorgt unermüdlich für alle Abklärungen, Unterweisungen und die Organisation aller erforderlichen Hilfen. So hatte er es bereits nach zwei Tagen geschafft, dass sich die Ankömmlinge sehr wohl in Schloss Spindlhof fühlen. Die Kinder zeigen in Zeichnungen, was sie empfinden. Eine zeigt zwei Herzen in den Farben der ukrainischen und der deutschen Flagge, eine Sonne und eine Blume.

Am Tag der Ankunft waren zwei Ukrainerinnen aus Lappersdorf vor Ort, die spontan ihre Hilfe für Übersetzungsdienste anboten. Sie selbst sind erst vor wenigen Wochen in Deutschland angekommen. Über ihre Kontakte ins Ankerzen­trum war es möglich, bereits für den Tag darauf eine weitere Ukrainerin für Übersetzungen zu gewinnen. Sie begleitete die allgemeinärztliche Untersuchung der gesamten Gruppe durch den Regenstaufer Allgemeinarzt Dr. Max Josef Ponnath und die psychiatrische Untersuchung durch Dr. Daniela Mirlach von der medbo und einer Kollegin, die alle vor Ort in den Spindlhof kamen. Kleiderkammer, ehrenamtliche Helferinnen und Helfer aus Regenstauf und aus den Reihen der KJF leisten überdies Großartiges, damit die Gruppe aus der Ukraine gut versorgt ist. 

Große Hilfsbereitschaft

„Wir sind überwältigt von der Hilfsbereitschaft der Regenstaufer, der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Spindlhof und bei uns in der KJF“, sagen KJF-Direktor Michael Eibl und Johannes Magin. „Was wir hier mit aller Hilfe aus dem Boden gestampft haben, ist unglaublich, und wir danken allen, die uns unterstützt haben und noch unterstützen möchten. Aktuell sucht die KJF weitere Personen, die übersetzen oder vor Ort mithelfen.“

Für finanzielle Unterstützung von aus der Ukraine geflüchteten Menschen, die in der Diözese Regensburg aufgenommen werden, hat die KJFnahe Stiftung „Für junge Menschen“ den Sonderfonds „Notfallhilfe Ukraine“ eingerichtet. Wer darüber mithelfen möchte, kann spenden: HypoVereinsbank Regensburg, IBAN: DE48 7502 0073 0033 7507 49, BIC: HYVEDEMM447.

06.04.2022 - Bistum Regensburg