„Jede Zahl hat ein Gesicht“ (Mittwoch, 19. Dezember 2018 11:20:00) / Bistum Regensburg / Katholische Sonntagszeitung

Bistum legt erstmals Jahresberichte aller Rechtsträger auf diözesaner Ebene vor

„Jede Zahl hat ein Gesicht“

REGENSBURG (KNA/sm) – Als eines der ersten Bistümer in Deutschland hat Regensburg für alle großen Rechtsträger in seinem Einzugsbereich nach dem Handelsgesetzbuch erstellte Rechnungen und Lageberichte veröffentlicht. Generalvikar Michael Fuchs meldete „Vollzug“ der von der Deutschen Bischofskonferenz vor einigen Jahren verabredeten Transparenzoffensive. Zahlen haben im Bistum Regensburg ein Gesicht, so lautet die Kernaussage der Finanzkommunikation seit zwei Jahren. Bisher fehlten jedoch wesentliche Zahlen. Jetzt ist alles beisammen, und zwar in einer Breite, die manchen überraschen dürfte.

Zum Geschäftsjahr 2017 liegen nun auch für Bistum, Domkapitel, Emeritenanstalt, Domspatzen, Domkustodei und Diözesan-Caritasverband uneingeschränkte Testate der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG vor. Für andere Institutionen wie den Bischöflichen Stuhl, die Schulstiftung, die Katholische Hochschule für Kirchenmusik und die Katholische Jugendfürsorge (KJF) wurden zum zweiten Mal aktuelle Zahlenwerke präsentiert. Erfasst sind insgesamt 20 Rechtsträger. Diese 20 Rechtsträger sind rechtlich unabhängig und haben unterschiedliche Entscheidungsstrukturen. „Wir sind eben kein einheitlich durchstrukturierter Konzern, sondern eher eine bunte Blumenwiese. Daher waren in den letzten vier Jahren viel Überzeugungsarbeit und ein gemeinsamer Wille zur Kooperation nötig“, erklärte Generalvikar Fuchs bei der Präsentation. 

Die Jahresberichte enthalten Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung und den Lagebericht. Erstellt wurden die Berichte nach den höchsten Standards des Deutschen Handelsgesetzbuches (HGB). Alle Jahresberichte enthalten den uneingeschränkten Bestätigungsvermerk des Wirtschaftsprüfers.
Demnach beläuft sich das gesamte Eigenkapital aller Organisationseinheiten auf fast 1,7 Milliarden Euro. Davon entfallen fast 900 Millionen auf das Bistum als Körperschaft selbst, gefolgt von der Katholischen Jugendfürsorge (317 Millionen), der Schulstiftung (191 Millionen), dem Bischöflichen Stuhl (120 Millionen) und der Caritas (88 Millionen). Fast die Hälfte des bilanzierten Eigenkapitals besteht aus zweckgebundenen Rücklagen.

Rund 745 Millionen Euro hat allein das Bistum angelegt, um künftig auch bei geringeren Kirchensteuereinnahmen unter anderem die Pensionen von Priestern und anderen Mitarbeitern sowie die Instandhaltung von Gebäuden schultern zu können. Ohne Rücklagen beträgt das Nettovermögen aller erfassten Organisationseinheiten zusammen eine knappe dreiviertel Milliarde Euro.

Das Bistum hat 2017 mit einem positiven Ergebnis von fast 84 Millionen Euro abgeschlossen. Der erzielte Jahresüberschuss „liegt deutlich über unseren Erwartungen“, sagte Finanzdirektor Alois Sattler. Er resultiere vor allem aus einem Plus bei der Kirchensteuer und der Tatsache, dass im Jahreslauf nicht alle im Haushaltsplan angesetzten Mittel abgerufen worden seien. Der Überschuss wurde zur Risikovorsorge vollständig zurückgelegt. Sattler bezeichnete die wirtschaftliche Lage des Bistums als „solide“.

Das Bistum Regensburg spekuliert demnach nicht auf kurzfristige Gewinne, weder mit Hedgefonds noch mit Rohstoffen oder Private-Equity-Produkten. Festverzinsliche Anlagen dürfen nur bei deutschen Emittenten in Euro getätigt werden, Industrieanleihen sind verboten.

„Die Missbrauchsfälle und der falsche Umgang mit Geld lassen viele Menschen fragen, ob sie der Kirche noch trauen können, ob sie Gutes tut und dafür die gegebenen Mittel angemessen einsetzt. Deswegen müssen wir uns von außen immer wieder überprüfen lassen und selbstkritisch wichtige Schritte angehen“, erklärte Generalvikar Fuchs die Motivation, alle Zahlen offen auf den Tisch zu legen. „Ich hoffe, dass die heute erreichte Transparenz der 20 Rechtsträger zu größerem Vertrauen in unser kirchliches Tun führt und damit klarer wird, wozu wir die Ressourcen benötigen und verwenden.“ Deswegen stehe die Finanztransparenzinitiative im Bistum unter dem Motto „Jede Zahl hat ein Gesicht“. Jeder Euro müsse für die Menschen da sein, für die man Verantwortung übernommen habe, direkt oder indirekt: „Daran werden wir gemessen. Und das ist gut.“ 

Hinweis:

Auf der Website www.zahlengesichter.de finden sich alle Bilanzen, Gewinn- und Verlustrechnungen, vier Kennzahlen pro Rechtsträger, ein Glossar als Lesehilfe und weitere Erläuterungen, etwa zur Anlagepolitik und der Zusammensetzung von Entscheidungs- und Aufsichtsgremien.