Ministrantenwallfahrt (Donnerstag, 09. August 2018 11:27:00) / Bistum Regensburg / Katholische Sonntagszeitung

5500 Messdiener bei Ministrantenwallfahrt in Rom

Suche Frieden und jage ihm nach

ROM/REGENSBURG (pdr/md) – Rund 5500 Messdiener aus dem Bistum Regensburg sind in 100 Bussen von verschiedenen Orten der Diözese aus zur internationalen Ministrantenwallfahrt nach Rom gefahren. Bischof Rudolf Voderholzer begrüßte die Diener am Altar in der Lateranbasilika. Die Sonderaudienz auf dem Petersplatz mit Papst Franziskus war für alle der Höhepunkt der Wallfahrt. Weihbischof Josef Graf feierte den Abschlussgottesdienst in der Basilika St. Paul vor den Mauern. Viele Begegnungen, so beim „Blind Date“, bleibende Eindrücke und Erlebnisse brachten die Ministranten mit nach Hause zurück. Zum ersten Mal war auch eine inklusive Ministrantengruppe aus dem Cabrinizentrum in Offenstetten bei der internationalen Ministrantenwallfahrt in Rom dabei. 

Die Ministranten aus dem Bistum Regensburg trafen in Rom auf Kinder und Jugendliche aus allen Ecken der Welt. Der Großteil der Messdiener kam zwar aus dem deutschsprachigen Raum, doch waren 18 Länder mit ihren Altardienern vertreten. Insgesamt wurden rund 60 000 Ministrantinnen und Ministranten als Teilnehmer dieser internationalen Ministrantenwallfahrt ins Zentrum der Katholischen Kirche angegeben.

In seiner Predigt beim Pontifikalamt zur Eröffnung der internationalen Ministrantenwallfahrt in der Lateranbasilika wünschte Bischof Rudolf Voderholzer den Messdienern aus seinem Bistum auch „Erinnerungen und reich erfüllte Tage, die uns im Glauben stärken und sich tief in unseren Herzen verankern“.

Sonderaudienz

Die Ministrantenwallfahrt erreichte schon am zweiten Tag ihren Höhepunkt mit der Sonderaudienz auf dem Petersplatz mit Papst Franziskus. Während des bunten Vorprogramms mit spirituellen Liedern und der Vorstellung aller beteiligten Länder durch je zwei Ministranten nahmen auch die Bischöfe der deutschen Bistümer auf dem Petersplatz ihren Sitzplatz ein, um die Sonderaudienz gemeinsam mit den Tausenden von Ministranten zu verfolgen.

Bischof Rudolf Voderholzer trug dabei als einziger Bischof, wie auch schon 2014, seinen Pilgerhut. Man konnte ihn somit auch noch aus der Ferne erkennen. Das kam gut an. Sophie und Lena aus dem Landkreis Cham waren ganz stolz: „Jetzt gehören wirklich alle zusammen, wenn sogar der Bischof den gleichen Hut trägt wie wir. Echt cool.“

Pilger aus insgesamt 18 Ländern versammelten sich auf dem Petersplatz in Rom, damit sie zur internationalen Ministrantenwallfahrt auf Papst Franziskus treffen und seine Worte live miterleben konnten. Die Begeisterung und die Freude der Pilger war deutlich zu sehen: Sie schwenkten ihre Fahnen, hielten ihre Hüte und Tücher in die Luft und jubelten Papst Franziskus laut zu, als er im Papamobil an ihnen vorbeifuhr. Sogar eine spontane zusätzliche Fahrt, in deutlich höherer Geschwindigkeit als zuvor, legte der Heilige Vater ein, als er bemerkte, dass die Jubelrufe nicht aufhören wollten.

In seiner Begrüßung dankte der Papst den Wallfahrern, dass sie in „so großer Anzahl und ausgestattet mit so farbenfrohen Bannern“ zu ihm gekommen seien. „Gemeinsam mit euch bin ich ein Pilger“, verkündete der Heilige Vater und wies auf die Vielzahl der Länder hin, die durch die jungen Christen auf dem Petersplatz vertreten waren. „Zusammen sind wir auf einer Reise mit Gott, der unser aller Friede ist“, betonte Papst Franziskus und griff damit das Motto der Wallfahrt auf: „Suche Frieden und jage ihm nach.“

Während der Audienz traten ausgewählte Ministranten vor den Heiligen Vater. Sie durften ihm jeweils eine Frage stellen. Diese Jugendlichen kamen aus Luxemburg, Portugal, Antigua und Barbuda, Serbien und auch aus Deutschland. Die deutsche Frage an Papst Franziskus lautete: „Heiliger Vater, viele Menschen sagen, sie brauchen Gott, Religion und Kirche nicht in ihrem Leben. Warum sollte man sich gerade für den katholischen Glauben entscheiden, was ist das Wichtigste dabei? Und warum ist der Glaube für Sie so wichtig?“

Papst Franziskus gab zu verstehen, dass „Glaube essenziell“ sei und ihm selbst Leben gebe. Er griff ein metaphorisches Beispiel auf und meinte: „Der Glaube ist wie die Luft, die wir atmen. Wir denken nicht bei jedem Atemzug darüber nach, wie wichtig die Luft für uns ist. Aber wenn sie nicht da ist oder nicht rein, dann bemerken wir, wie nötig wir sie brauchen.“ 

Die Begeisterung über die Begegnung mit dem Papst war bei den Ministranten groß. Den Heiligen Vater einmal live zu sehen und zu hören – für die meisten ein einmaliges Erlebnis. Große Dankbarkeit und Freude über den einzigartigen und anstrengenden Tag überwogen nach der Sonderaudienz am Petersplatz.

„Blind Date“

Tausende Ministranten aus den 18 Ländern trafen sich an einem Abend an verschiedenen Plätzen in ganz Rom. Selbstverständlich waren auch die 5500 Ministranten aus dem Bistum Regensburg in der Ewigen Stadt unterwegs, um beim „Blind Date“ möglichst viele andere Ministranten kennenzulernen. Egal ob am Trevi-Brunnen, beim Vatikan, an der Engelsburg oder an der Spanischen Treppe: Überall waren die Minis mit ihren Hüten und Pilgerschals zu finden.

Die Regensburger „Minis“ sind auf zwei fremde Gruppen getroffen und haben verschiedene Aufgaben erledigt. So sollten sie zum Beispiel möglichst vielen fremden Ministranten die Hand geben, herausfinden, wie lange der andere schon im Ministrantendienst tätig ist, wie er heißt und woher er kommt. Mit Fragen wie „Welche drei Wörter oder Hashtags beschreiben dich gut?“ ist das „Blind Date“ auch in der digitalen Welt angekommen. Ebenso wurde nach Anekdoten aus dem Ministrantendienst und den schönsten Dingen an der eigenen Heimat gefragt.

Nicht fehlen durften natürlich ein gemeinsames Gebet und das Wallfahrtslied, das die meisten schon

ganz auswendig mitsingen konnten. Natürlich wurde auch, wie schon in den Tagen zuvor, fleißig getauscht: Hüte, Bänder, Buttons und Pilgerschals wechselten die Besitzer. Das machte auch das „Blind Date“ schon zu Beginn spannend, denn hier hieß es nicht immer: „Was drauf steht, ist auch drin.“ Eine tolle Sache also, um neue Freundschaften zu knüpfen und Interessantes von anderen Ministranten zu erfahren. 

Inklusive Mini-Gruppe

Zum ersten Mal überhaupt war bei der internationalen Ministrantenwallfahrt 2018 nach Rom auch eine inklusive Gruppe mit dabei. Sechs Ministranten aus dem Cabrinizen­trum der Katholischen Jugendfürsorge (KJF) in Offenstetten waren mit nach Italien gereist, um hier die Stadt zu erkunden und vor allem, um Papst Franziskus zu sehen. Begleitet wurden sie von Gemeindereferentin Brigitte Wieder und Mesnerin Schwester Irmgard König. 

Mit dabei war zum Beispiel Peter. Er ist 50 Jahre alt und gerne Ministrant im Bistum Regensburg. Doch auch der Tapetenwechsel in Rom war für ihn „eine tolle Sache“. Die Papstaudienz war für ihn „besonders schön. So viele Leute. Es war toll, dass wir den Papst einmal aus der Nähe gesehen haben. Dass er mit dem Auto an uns vorbeigefahren ist – das hat mich am meisten gefreut“, erzählte Peter. Die Minis­trantenwallfahrt war ein einzigartiges Erlebnis für ihn. Peter war sich ganz sicher: „Mit einem strahlenden Gesicht fahre ich wieder nach Hause.“

„Zukunft der Kirche“

Die vielen Ministranten aus dem Bistum Regensburg suchten sich einen Platz auf dem Marmorboden der beeindruckenden Basilika St. Paul vor den Mauern in Rom, um das Pontifikalamt mit Weihbischof Josef Graf zum Abschluss der internationalen Ministrantenwallfahrt 2018 mitzuerleben. Dicht gefüllt, mit Lichtershow, Band, einer zusätzlichen Mittelbühne, LED-Leinwänden und Flachbildschirmen erstrahlte das kunstvolle Gotteshaus in vollem Glanz und vor allem voller Leben.

„Intensive Tage liegen hinter uns. 5500 Ministrantinnen und Minis­tranten aus dem Bistum Regensburg haben neue Freundschaften geknüpft, Gemeinschaft erfahren und Weltkirche erlebt“, so begrüßte der erste Sprecher die vielen Kinder und Jugendlichen. 

Weihbischof Josef Graf nutzte die Gelegenheit, um sich bei den ausgewählten Vertretern auf der Bühne über die Miniwallfahrt zu erkundigen. Auf der Mittelbühne versammelten sich deshalb ein Ministrant, eine Pfarrverantwortliche, ein Busbegleiter und eine Jugendreferentin. Weihbischof Graf wandte sich auch dem Ministranten zu: „Mich würde interessieren, was dich in diesen Tagen am meisten fasziniert hat.“ Die Antwort darauf fiel diesem nicht schwer. Vor allem gefiel ihm, „dass so viele Minis friedvoll auf dem Petersplatz zusammenkamen, die tolle Stimmung und dass Jugendliche aus so vielen verschiedenen Diözesen und Ländern miteinander gefeiert haben. Das war so richtig klasse“.

In seiner Predigt sprach Weihbischof Josef Graf die Ministranten aus dem Bistum Regensburg direkt an und betonte, wie wichtig sie für die Kirchengemeinschaft seien. „Ihr seid die Zukunft der Kirche!“, erklärte Graf mit Enthusiasmus. Die Ministranten könnten stolz auf sich sein. Tosender Applaus bestärkte die Worte des Weihbischofs.

Musikalisch begleitet durch die Band „Creazione Unisono“, die auch bereits den Eröffnungsgottesdienst zu einem Highlight gemacht hatte, feierten die Tausenden von Kirchenbesuchern gemeinsam einen außergewöhnlichen Gottesdienst, der ihnen sicherlich noch lange in Erinnerung bleibt.

Einzigartiges Gefühl

Und für die Jugendlichen, die beim Abschlussgottesdienst ministrieren durften, war das natürlich ein ganz besonderes Ereignis. Melli, Laura und Noah erzählten von ihren Eindrücken: „Also, mir hat es sehr gefallen. Ich war irgendwie so voll Adrenalin in der großen Kirche – das war einfach echt toll. Direkt neben den vielen Priestern zu stehen und die Kerze zu halten, das war wirklich schön“, erzählte Melli, 16 Jahre alt, aus Neutraubling, gleich nach dem Pontifikalamt. Melli nimmt auch etwas mit nach Hause, erzählte sie. Und zwar vor allem die Worte von Weihbischof Graf: „Ihr seid die Zukunft der Kirche!“

Die 16-jährige Laura aus Obertraubling ministrierte auch bei der abschließenden Messe. Das Gefühl, in der Kirche vor den Tausenden von Menschen aus dem Bistum Regensburg zu stehen, „war schon einzigartig. Wir waren ja so viele Ministranten, ein großartiges Gefühl“, schilderte sie ganz begeistert. Besonders wichtig war es Laura, nach der Ministrantenwallfahrt ganz sicher zu sein, dass man „stolz sein kann, dass man ministriert, und man sich damit nicht verstecken muss“. 

Als „wirklich heiß und einfach unglaublich“ beschrieb der 19-jährige Noah aus Neutraubling direkt nach der Abschlussmesse seinen Minis­trantendienst an diesem schwülen Tag. „Da vorne zu stehen, empfand ich als große Ehre. Das war eine Messe, die ich auf keinen Fall vergessen werde. Weihnachten und Ostern kommen jedes Jahr, aber diese Chance war einfach einmalig. Ich bin total froh, dass ich hieran teilhaben durfte.“

Auch Noah fühlt sich durch die Ministrantenwallfahrt bestärkt und weiß jetzt, dass er „nicht alleine“ ist, sondern dass alle eine „große Gemeinschaft“ sind. Noahs Highlight der Woche war natürlich ebenfalls die Papstaudienz und er freute sich, dass er beim Abschlussgottesdienst mit seinen Freunden aus der Heimatgemeinde in der riesigen Basilika ministrieren durfte.

Alles in allem: Eine gelungene Wallfahrt mit zufriedenen Minis­tranten, die nun neu gestärkt ihrem Dienst in den Heimatpfarreien nachgehen können.

09.08.2018 - Bistum Regensburg , Wallfahrt