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Tschechische Priester zu Gast im Bistum Regensburg – Messe mit Bischof Rudolf

Mit Christus Brücken bauen

REGENSBURG/ROHR (mb/sm) – Priester sein: Als in Tschechien noch das kommunistische System herrschte, bedeutete dies ein hartes Leben, gezeichnet von ständig lauernder Gefahr. Um die Treue der Priester zu würdigen, die unter dem kommunistischen System in Tschechien gelitten haben, lädt das Sudetendeutsche Priesterwerk regelmäßig zu einer zusammen mit der Bayerischen Bischofskonferenz, dem Präses der Sudetendeutschen und der Ackermann-Gemeinde organisierten Urlaubswoche in Bayern ein. Kürzlich waren 18 tschechische Priester im Bistum Regensburg zu Gast. 

Gleich am ersten Tag feierte Bischof Rudolf Voderholzer im Chorraum des Doms mit den Priestern Eucharistie – größtenteils in tschechischer beziehungsweise lateinischer Sprache. „Unsere Völker sind durch eine große gemeinsame Geschichte verbunden, aber auch durch die Weitergabe der Botschaft Christi“, führte der Bischof in der Begrüßung aus. Er erinnerte an die Taufe von 14 böhmischen Fürsten im Jahr 845 am Hof des ostfränkischen Königs in Regensburg, an die Gründung des Bistums Prag durch Bischof Wolfgang im Jahr 973 und an die Gründung des Bistums Pilsen im Jahr 1993. Angesichts des Tagesgedenkens an den heiligen Bartholomäus richtete Bischof Rudolf auch einen gedanklichen Blick auf die Kathedrale in Pilsen mit eben jenem Patronat. 

Enge Verbindungen

Die Eucharistiefeier im Chorraum bringe, so Bischof Rudolf, auch einen guten Blick auf den barocken Hochaltar. Dieser zeigt neben Petrus und Paulus sowie Maria und Josef auch das Martyrium des heiligen Johannes Nepomuk. Kurz nach dessen Heiligsprechung (1729) sei der Brückenheilige hier auf diese Weise gewürdigt worden. „Die Zeit des Hochbarock war noch nicht von der Seuche des Nationalismus geplagt. In der Kunst des Barock war Europa als einheitlicher Kulturraum zu erfahren. Es ist ein schönes Signal, dass wir im Zeichen der Apos­telfürsten, der Heiligen Familie und des heiligen Johannes Nepomuk hier zusammen sind“, stellte der Bischof erfreut fest. 

Er ging auf einen weiteren mit Johannes Nepomuk verbundenen Aspekt ein, der auch mit der Familie der Mutter des Bischofs zusammenhängt. Denn Johannes Nepomuk wandte sich gegen die von König Wenzel IV. beabsichtigte Verkleinerung des Bistums Prag durch die geplante Gründung eines Bistums Kladrau. Johannes Nepomuk konnte dies verhindern – mit der Folge seiner Gefangennahme und letztlich dem Martyrium. „Meine Mutter ist in Kladrau geboren und mit der Geschichte dort verbunden“, erwähnte Bischof Voderholzer, bat um die Fürsprache der Heiligen Bartholomäus und Johannes Nepomuk und erinnerte an das Motto des Deutschen Katholikentags 2014 in Regensburg: „Mit Christus Brücken bauen!“

In zwei Gruppen erhielten die Priester danach eine Domführung, Bischof Voderholzer zeigte ihnen einige seiner Weihnachtskrippen. Mit einer Stadtführung in Regensburg endete der erste Tag.

Einem deutsch-tschechischen Kapitel war auch der nächste Tag gewidmet. In der Asam-Kirche Mariä Himmelfahrt in Rohr feierten die Geistlichen Eucharistie. Hauptzelebrant Rudolf Zbožínek würdigte in seiner Predigt Rohr als einen „Ort lebendiger Geschichte“ und ging auf die hier ansässigen Benediktiner ein. Diese aus ihrem Kloster in Braunau in Böhmen vertriebenen Mönche fanden eine neue Heimat im ehemaligen Augustinerchorherren-Kloster in Rohr. Er wies auch auf den 1968 (Prager Frühling) nach Rohr gekommenen und bis 1990 hier im Exil lebenden Abt Anastáz Opasek, Erzabt des Klosters Břevnov, hin – und damit auf das Wirken der Ackermann-Gemeinde und der von Opasek gegründeten Vereinigung Opus Bonum. Als weiteren verbindenden Aspekt nannte der Geistliche die Brüder Cosmas Damian und Egid Quirin Asam, die neben dem Gotteshaus in Rohr unter anderem auch in Kladrau und Prag künstlerisch tätig waren. 

Kunst und Geschichte

Die (kunst)geschichtlichen Inhalte der Kirche vertiefte nach der Messe der Prior der Abtei, Frater Franz Neuhausen OSB. Zunächst nannte er jedoch das Jahr 1803, als mit der Säkularisation in Bayern alle Klöster aufgehoben wurden und das Gebäude in Rohr 143 Jahre lang leer stand. Mit der Übernahme durch die heimatvertriebenen Benediktiner aus Braunau sei 1946 neues Leben ins Kloster gekommen – mit dem Gymnasium, dem Internat und vielen weiteren Aktivitäten. 

Nach der Kirchenführung besuchten die tschechischen Priester den Friedhof mit den Gräbern der verstorbenen Patres und Fratres der Rohrer Benediktiner-Abtei und beteten für diese. 

Den Abschluss der Urlaubstage bildete ein Besuch der Stadt Amberg. Die Betreuung und Begleitung während der fünf Tage oblag dem Ehrenvorsitzenden des Sudetendeutschen Priesterwerks Monsignore Karl Wuchterl und dem Beisitzer im Sudetendeutschen Priesterwerk Pfarrer Alois Schmidt, Seelsorger in Bernhardswald.

01.09.2021 - Bistum Regensburg , Priester