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Aussendungsfeier für Friedenslicht

Ein gutes Miteinander

REGENSBURG (pdr/sm) – „Ich ahne, dass so viele schon lange nicht mehr da waren“, staunte Bischof Rudolf Voderholzer vergangenen Sonntagnachmittag über die zahlreich erschienenen Gläubigen zu Beginn der Aussendungsfeier des Friedenslichts aus Betlehem im Regensburger Dom. Mehr als 1000 Gläubige waren der Einladung zur Mitfeier der Diözesanverbände der Pfadfinderschaften (DPSG und PSG) gefolgt, die der Aktion dieses Jahr das Motto „Frieden beginnt mit dir“ gegeben hatten. 

Aus dem ganzen Bistum waren Vertreter der Pfarreien, der Pfadfinderstämme und der Gemeinden gekommen, um das Licht aus Betlehem in ihre Pfarrei zu bringen. Sogar das katholische und evangelische Militärpfarramt Cham schickte eine Delegation in die Regensburger Kathedrale. Musikalisch gestaltet wurden die Feierlichkeiten von der Mädchenkantorei der Hochschule für Kirchenmusik unter der Leitung von Eva-Maria Leeb und von Kirchenmusiker Thomas Haslbeck.

Schreckliche Realität
des Krieges

„Schon zum dritten Mal versammeln wir uns zur Aussendung des Friedenslichtes von Betlehem nicht in der Obermünsterruine, sondern im Regensburger Dom“, begann Bischof Voderholzer seine Predigt. „Vor Corona waren wir in einem freien umzäunten Gelände, das uns an die Zerstörung des zweiten Weltkrieges erinnert.“ März 1945 war die Obermünsterkirche von einer Fliegerbombe getroffen und bis auf Turm und Apsis alles zerstört worden. Man entschied, die Ruine stehenzulassen als Mahnmal für künftige Generationen. 

„Jetzt hat uns die schreckliche Wirklichkeit des Krieges in einer ganz neuen Weise eingeholt“, sagte der Bischof. In einem Land, in dem vor nicht allzu langer Zeit die Fußball-Europameisterschaft gefeiert wurde, dort wo bekannte und geliebte Menschen wohnten, herrschten nun menschenunwürdige Zustände. Den Krieg spüre man mittlerweile auch hier, nicht nur die Menschen, die er unmittelbar betreffe, weil sie Angehörige verloren haben. Auch die wirtschaftlichen Folgen und die Energiepreisverteuerungen erlebe man. „Jetzt spüren wir alle mit unseren ukrainischen Freunden die Sehnsucht nach Versöhnung.“ Frieden könne man aber nicht einfach anordnen oder befehlen. Hier in unserer Heimat müsse jeder für ein Stück Frieden und ein gutes Miteinander unter den Menschen sorgen.

Es gebe so viele, die auf uns warten und Sehnsucht nach Frieden haben, so der Bischof: „‚Bringt dafür vor allem euch selber mit!‘, würde Jesus sagen. Bringt euch selber mit, mit einem versöhnten Herzen, mit einem frohen Lächeln im Gesicht und einem guten Wort! Nicht Böses mit Bösem, sondern Böses mit der Bereitschaft zur Vergebung und zur Versöhnung beantworten! Was für eine Herausforderung, aber auch was für eine großartige Sendung!“, sagte der Bischof und richtete abschließend den Appell an alle Anwesenden: „Seid Boten und Botinnen des Friedens!“

Zum Höhepunkt der Andacht mit den Jugendlichen und Kindern brachten junge Pfadfinder das Friedenslicht in einer überdimensional großen Laterne nach vorne zum Altarraum. Das gesegnete Friedenslicht verteilte Bischof Rudolf Voderholzer anschließend an die vielen Kinder und Jugendlichen in der Kathedrale. Jedes Kind durfte nach vorne kommen, um seine mitgebrachte Laterne zu entzünden. Doch nicht nur die Kinder, auch Erwachsene von überall aus dem Bistum standen eifrig Schlange, um das Licht des Friedens zu empfangen. Eine Delegation des katholischen und evangelischen Militärpfarramts Cham war ebenfalls angereist, um das Zeichen der Versöhnung mitzunehmen, darunter Oberst Klaus-Peter Berger, der stellvertretende Kommandeur der Panzerbrigade 12 Oberpfalz, sowie Oberstleutnant Falko Dreher, der Kommandeur des Panzergrenadierbataillons 112 Regen. 

Sinnbild für Hoffnung
und Frieden

Seit 1986 organisiert der ORF jedes Jahr die Aktion Friedenslicht, bei der ein Kind in Betlehem ein Licht entzündet, das mittlerweile in über 30 Länder weltweit hinausgetragen wird. Für das Bistum Regensburg nimmt eine Pfandfindergruppe an der Wiener Aussendungsfeier teil und bringt das symbolische Friedenslicht in einer Laterne von Wien aus in ihre Heimatstadt. Bischof Rudolf verteilt daraufhin das Licht an die Gläubigen. Das Licht gilt als ein Sinnbild für Hoffnung und Frieden. Seit 1993 feiern in Deutschland rund 100 Städte jedes Jahr die Übergabe des Friedenslichts.

14.12.2022 - Bistum Regensburg