Seit 300 Jahren besteht Martiniritt (Mittwoch, 13. November 2019 07:42:00) / Bistum Regensburg / Katholische Sonntagszeitung

Bischof feiert Jubiläum und Patrozinium mit / 225 Reiter bei eucharistischer Prozession

Seit 300 Jahren besteht Martiniritt

MILTACH (pdr/md) – Alles war auf das Beste durch Pfarrei und Gemeinde für das Festgeschehen in Miltach vorbereitet: die Feier des Pfarrpa­troziniums der Pfarrkirche mit der eucharistischen Prozession und der Martiniritt, der seit 300 Jahren durchgeführt wird. Bischof Rudolf Voderholzer war Festprediger und zelebrierte den Patroziniumsgottesdienst in der St.-Martins-Kirche. 225 Reiter auf herausgeputzten Pferden ritten zur Ehre des heiligen Martin. Der Prozession folgten zu Fuß die Vereine, die Geistlichen mit dem Allerheiligsten, Ehrengäste und die Bevölkerung. 

Das Kirchenpatrozinium mit Martiniritt und Prozession ist ein kirchliches und auch weltliches Fest. Die in Gelb-Weiß festlich geschmückte St.-Martins-Kirche füllte sich zum Gottesdienst mit zahlreichen Vereinsmitgliedern, die mit ihren Fahnen und mit Blasmusik zum Gotteshaus zogen, und weiteren Pfarrangehörigen, Repräsentanten der Öffentlichkeit und Gästen aus nah und fern. 

Pfarrer Augustin Sperl begrüßte alle Kirchenbesucher, besonders Bischof Rudolf Voderholzer, und drückte seine Freude darüber aus, dass dieser als Oberhirte das Patrozinium mit dem Jubiläum „300 Jahre Martini­ritt“ mitfeiere.

Erster Besuch des Bischofs

Der Bischof sagte, dass er sehr gerne der Einladung zu diesem Jubiläum nachgekommen sei. Es sei das erste Mal, dass er hier in der Kirche die Eucharistie feiern, die eucharistische Prozession begleiten und den Segen spenden dürfe. Auch richtete er seinen Gruß an alle Kirchenbesucher: „Wir wollen heute auf den schauen, dem auch der heilige Martin nachgefolgt ist und den er in seinem Leben und Sterben verherrlicht hat: auf Christus, unseren Herrn.“ 

Martin sei vermutlich ein Offizier gewesen, der von seinem Dienst zurückkehrte und zu Füßen seines Pferdes am Straßenrand einen Bettler sieht. „Die Stimme des Gewissens sagte ihm, was er tun muss. Er teilt seinen Mantel. In der Nacht hat Martin einen Traum, ein Gesicht: Es erscheint ihm Jesus Christus und hat das Mantelstück, das Martin verschenkte, umgelegt. Martin wird klar, in diesem Bettler ist er Christus begegnet“, verdeutlichte Bischof Voderholzer die bekannte Geschichte um den heiligen Martin.

„Die Stimme des Gewissens begegnet uns in jedem Menschen, der unserer Hilfe oder einer Form der Zuwendung bedarf“, sagte der Bischof. Der heilige Martin sei ein Vorbild, so der Bischof weiter. Er gebe Beispiel, wie man ein guter Christ werden könne. Bischof Voderholzer dankte zudem den Miltachern, dass sie das Pfarrpatronat hochhalten und immer wieder in Erinnerung rufen: „Wir werden viele stolze und geschmückte Pferde sehen, die uns erinnern, dass der heilige Martin auf einem Pferd geritten ist und das wunderbare Zeichen der Nächstenliebe gesetzt hat. Ich danke von Herzen allen, die das Brauchtum fortgeführt haben.“ 

Die Kirchenglocken läuteten zur anschließenden eucharistischen Prozession. Dem Vorreiter Franz Martin mit dem Kreuz folgten die weiteren 224 Reiter auf herausgeputzten Pferden, die wertvolles Zaumzeug trugen, oftmals auch geschmückt mit Kränzchen aus Papierrosen. 

Die stolzen Rösser und deren Reiter, meist in Tracht, waren eine Augenweide für die trotz des Regens zahlreich am Straßenrand stehenden Besucher. Den Reitern aus der Gemeinde Miltach folgten die aus den Nachbargemeinden und eine Abordnung aus der Pfingstrittstadt Bad Kötzting mit leitendem Zugordner Sepp Barth. Betend zogen Ross und Reiter in Richtung Maria-Hilf-Kapelle. 

Nach dem Ende der Reiterprozession folgte in diesem Jahr, anlässlich des Jubiläums, ein besonderer Festakt. Die gebürtige Miltacherin Marion Abate, geborene Aich, hatte in den vergangenen Wochen eine Reliefplastik zu diesem Anlass gestaltet. Dementsprechend hatte sich die junge Künstlerin intensiv mit dem Miltacher Martiniritt beschäftigt, was wieder Kindheitserinnerungen in ihr weckte.

Die Plastik ist als Relief angeordnet, doch treten wichtige Elemente plastisch heraus, sodass die Licht- und Schattenwirkung verstärkt wird. Abate verewigte dadurch wesentliche Symbole und Szenen des Miltacher Martiniritts in ihrer Darstellung, welche künftig an der Außenwand der Pfarrkirche St. Martin zu betrachten ist. 

Bischof Rudolf Voderholzer war es vorbehalten, der Darstellung zum Martiniritt den kirchlichen Segen zu erteilen.

13.11.2019 - Bistum Regensburg , Jubiläum