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"Alle Akteure beteiligen"

Lesepakt für Kinder startet mit Gipfeltreffen

Mit einem Gipfeltreffen aus Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft ist am Mittwoch der erste "Nationale Lesepakt" gestartet. Die von der Stiftung Lesen und dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels ins Leben gerufene Initiative führe rund 150 Partner zusammen, um das Lesen bei Kindern und Jugendlichen stärker zu fördern. Flankiert wird der Lesepakt von einer Anzeigen- und Plakatkampagne unter dem Motto "Lesen - eine wahre Superkraft".

Bundesbildungsministerin und Schirmherrin Anja Karliczek (CDU) würdigte den Lesepakt als einzigartige Initiative. "Wir müssen sicherstellen, dass alle Kinder in der Grundschule gut und flüssig Lesen lernen." Die jüngsten Bildungsvergleichsstudien hätten gezeigt, dass dies bei zu vielen Kindern nicht gelinge. Lesen sei allerdings eine wichtige Voraussetzung für Orientierung und Teilhabe in der Gesellschaft, bei Behördengängen und auch im Internet, betonte Karliczek.

Damit mehr Kinder in Deutschland lesen lernen könnten, müssten sich alle gesellschaftlichen Akteure beteiligen und zusammenarbeiten, erklärte der Hauptgeschäftsführer der Stiftung Lesen, Jörg Maas. "Wer nicht lesen kann, hat keinen Zugang zu Bildung, schafft keine Integration und keinen beruflichen Erfolg."

Laut Maas geht es in dem Maßnahmenpaket darum, vorhandene Initiativen von Bund, Bundesländern und Kommunen "in einem Masterplan zu verbinden". In Deutschland gebe es 150.000 ehrenamtliche Vorleserinnen und Vorleser, die wöchentlich in Kitas, Grundschulen und soziale Einrichtungen gingen, um dort Kindern vorzulesen. "Dieses Netzwerk wollen wir erweitern und stärken."

Dazu zählt etwa der Verein für Leselernhilfe Mentor. Dessen Bundesvorsitzende Margret Schaaf hob die Probleme hervor, die gerade sozial benachteiligte Eltern mit der Bildungsvermittlung im Lockdown hätten. Es brauche deshalb einen nationalen Lesepakt, "damit jedes Kind, unabhängig von seiner kulturellen und sozialen Herkunft, einen seinen Fähigkeiten entsprechenden Schulabschluss machen kann und eine Chance auf gesellschaftliche Teilhabe erlangt", betonte Schaaf.

Auf dem Lesegipfel kamen auch Wissenschaftler zu Wort, die den Leselernprozess bei Kindern beleuchten. Dieser sei anders als der Spracherwerb kein natürlicher Lernvorgang, betonte der Berliner Neuropsychologe Arthur Jacobs. Vielmehr sei es eine große Entwicklungsleistung des Hirns, die für Kinder aber elementar sei. "Lesen fördert den Verstand, die Vernunft, die emotionale Intelligenz und auch die Fantasie."

Der Lesegipfel ist bereits die zweite Veranstaltung in dieser Woche, in dem die bundesweite Lesekompetenz im Vordergrund steht. Am Montag läuteten Karliczek und die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Britta Ernst (SPD), den zweiten Teil der Nationalen Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung 2016-2026, kurz AlphaDekade, von Bund und Ländern ein. Diese hat zum Ziel, die Lesefähigkeit und das Grundbildungsniveau von Erwachsenen in Deutschland zu verbessern.

KNA

04.03.2021 - Bildung , Kinder , Schule