Requiem für Karel Gott im Veitsdom (Freitag, 04. Oktober 2019 10:24:00) / Buntes / Katholische Sonntagszeitung

Beerdigung am 11. Oktober

Requiem für Karel Gott im Veitsdom

Der verstorbene Schlagersänger Karel Gott erhält am kommenden Freitag (11. Oktober) ein Begräbnis mit staatlichen Ehren. Tags darauf folgt im Prager Veitsdom eine Totenmesse für geladene Gäste, wie die Witwe Ivana Gottova laut Radio Prag (Freitag) mitteilte. Zuvor hatte Ministerpräsident Andrej Babis von der ursprünglichen Idee Abstand genommen, ein klassisches Staatsbegräbnis zu veranstalten. Von mehreren Seiten hatte es Kritik an dem ursprünglichen Vorhaben gegeben, so auch von dem renommierten Religionsphilosophen Tomas Halik.

Karel Gott war in der Nacht zum Mittwoch im Alter von 80 Jahren einem Krebsleiden erlegen. Am Mittwoch hatte das Kabinett auf Antrag von Babis einen Staatsakt für den verstorbenen Sänger beschlossen. Zudem wurde ein Tag Staatstrauer angeordnet.

Der Veitsdom auf der Prager Burg ist der wichtigste Sakralbau der Tschechischen Republik. Das gotische Gotteshaus ist zugleich die Bischofskirche der Erzdiözese Prag, liegt aber auf dem Gelände des Amtssitzes des Staatspräsidenten. Über die Besitzverhältnisse und die Nutzung der Kirche gab es nach der politischen Wende von 1989 einen langjährigen Rechtsstreit zwischen Staat und Kirche.

Der Religionsphilosoph und Priester Halik hatte den Vorschlag der Regierung zu einem Staatsakt im Veitsdom als „wahnsinnige und geschmacklose“ Idee gewertet. Die künstlerische Begabung des Verstorbenen zu würdigen sei eine Sache, schrieb der Templeton-Preisträger laut Radio Prag an das Erzbistum und weitere kirchliche Institutionen. Hier handle es sich aber um einen neuerlichen Versuch, Symbole von Religion und Kirche für die Politik des von Staatspräsident Milos Zeman und Regierungschef Babis gepflegten Populismus zu vereinnahmen.

Halik sprach von „moralischem Kitsch“, der versuche, die Stars der Unterhaltungsindustrie aus der Zeit der sogenannten Normalisierung nach dem Prager Frühling von 1968 zu mythisieren. Dies sei ein Ausdruck von Missachtung nicht nur gegenüber der Dissidentenbewegung von damals, sondern auch gegenüber „den wirklichen kreativen Künstlern und den zahlreichen Bürgern, die sich vor der kommunistischen Macht nicht gebeugt haben“. Die derzeit Regierenden lieferten so eine tragisch-komische Botschaft über die gegenwärtigen nationalen Werte und das nationale Selbstverständnis.

Der Theologe und Soziologe Halik zählt zu den bekanntesten Intellektuellen der Tschechischen Republik. Als Professor der renommierten Prager Karls-Universität und einstiger Vertrauter des verstorbenen Staatspräsidenten Vaclav Havel nimmt der 71-Jährige regelmäßig zu politischen und ethischen Fragen Stellung.

KNA

04.10.2019 - Gedenken , Musik , VIP