Ein Geizhals bekommt Skrupel (Donnerstag, 05. Dezember 2019 15:11:00) / Im Blickpunkt / Katholische Sonntagszeitung

Augsburger Puppenkiste spielt Dickens’ Weihnachtsgeschichte

Ein Geizhals bekommt Skrupel

Es gibt Menschen, die nicht zu feiern verstehen. Die Hauptfigur in „Die Geister der Weihnacht“, dem aktuellen Stück der Augsburger Puppenkiste, hasst sogar das Fest der Feste. Aber auch mit seinen Mitmenschen geht dieser schrullige Geldverleiher nicht gerade gütig um. Doch kurz vor dem Weihnachtsabend erscheinen ihm einige Geister und das Wunder geschieht: Der Geizhals wandelt sich zu einem liebevollen und großherzigen alten Mann.

Ein Besuch der Augsburger Puppenkiste lässt nicht nur Kinderaugen leuchten. Große und kleine Freunde von Deutschlands wohl bekanntestem Marionettentheater sitzen an diesem Nachmittag Ende November auf den Rängen im vollbesetzten Zuschauersaal vor den noch geschlossenen Deckeln der Kistenbühne und warten gespannt, bis diese sich öffnen. Sie wollen sich heute schon ein wenig aufs Fest einstimmen.

Mehrmals verfilmt

„Geister der Weihnacht“ steht auf dem Programm: ein Stück, das Regisseurin Judith Gardner frei nach der Erzählung von Charles Dickens „Eine Weihnachtsgeschichte“ (im englischen Original „A christmas carol“) für das Marionettentheater bearbeitet hat. Bereits unzählige Male zuvor ist der Stoff in eine Fassung für die Leinwand gebracht worden. Ebenfalls für den Film und unter dem gleichen Titel wurde das Stück im vorigen Jahr von der Regisseurin der Puppenkiste inszeniert. Nun also treten die Figuren um den Grantler Scrooge auf der Puppenbühne auf – und begeistern an diesem Nachmittag so ziemlich das ganze Publikum.

Dabei ist die Handlung durchaus komplex. Nachdem die Kistendeckel endlich aufgeklappt wurden, lernen die Zuschauer eben diesen chronisch schlecht gelaunten Geldverleiher mit dem sprechenden Namen Ebenezer Scrooge (englisch „scrooge“ = Geizhals) kennen. Er zählt in seinem Kontor Münzen. „Ich verleihe mein Geld doch nicht zum Spaß!“, ruft er seinem Schreiber Bob Cratchit zu, der versucht, für eine bedürftige Familie ein gutes Wort einzulegen. 

Allein schon das Niesen seines Angestellten regt den Alten auf und das nahende Weihnachtsfest ist für ihn „dummes Zeug.“ Deshalb lehnt er auch die Einladung und die guten Wünsche zum Fest ab, die ihm seine Nichte Freddy bringt. Genauso kühl weist er zwei Männer mit einer Sammelbüchse ab und komplimentiert sie unverrichteter Dinge hinaus. Doch es dauert nicht lange, bis der nächste „Gast“ den Raum betritt: Es ist der Geist von Scrooges verstorbenem Freund Jakob Marley.

Der Freund in Ketten 

Dessen Auftrag scheint es zu sein, den alten Gefährten zu warnen. Jakob, der einst der einzige Freund des alten Grantlers war und eigentlich als Ölgemälde an der Wand hängt, erscheint mit Ketten beschwert und gefesselt. Jakob erklärt, dies sei die „Kette, die ich mir im Leben geschmiedet habe. Doch du hast die Möglichkeit, meinem Schicksal zu entfliehen.“

Die Warnung sitzt. Doch für den erschreckten Scrooge geht der Spuk erst los. In der dritten Szene sieht man ihn nachts in seinem Bett. Die Glocke schlägt ein Uhr, da hebt sich seine Nachttisch-Lampe von ihrem Sockel und stellt sich vor als der „Geist der Weihnachten, die bereits vergangen sind“. Nun beginnt ein wahres Abenteuer. Nach diesem Geist erscheinen dem Alten in dieser Nacht auch noch der „Geist der diesjährigen Weihnacht“ und zuletzt der „Geist der zukünftigen Weihnacht“, der ihn schließlich auf den Friedhof führt, an sein eigenes Grab.

Es regt sich Mitleid

Es ist eine Reise, die Scrooge zu seinem eigenen Herzen führt. Auf einmal regt sich in ihm Mitleid mit denen, die in Not sind. Beim Gedanken an seine Hartherzigkeit bekommt er Skrupel. Schließlich ist der alte Geizhals rechtzeitig zum Weihnachtsfest restlos bekehrt. Die letzte Szene zeigt eine harmonische Weihnachtsfeier im Kontor, bei der Scrooge seinen Gästen großzügige Geschenke macht. 

Ulrich Schwab

05.12.2019 - Kultur , Theater , Weihnachten