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Eine Reliquie für Bischof Bertram

Tag 2: Ganz nah an Papst Johannes Paul II.

Der Dienstag sollte gleich der Höhepunkt werden, hatte mir Diakon Martin versprochen, als er mir kurz vor der Reise noch einige Programmänderungen mitteilte. Wenn ich auch noch nicht weiß, welche Eindrücke uns an den nächsten Tagen erwarten: Aber vermutlich wird Diakon Martin Recht behalten. Da sind wir heute durch eine Begegnung mit Kardinal Stanisław Dziwisz, dem ehemaligen Sekretär von Johannes Paul II., dem Heiligen Papst erstaunlich nahegekommen.

Gottesdienst feierten wir heute um neun Uhr in der Sankt-Johannes-Paul-II.-Kirche, die nur einen Steinwurf von unserer Residenz entfernt liegt. In diesem 2016 errichteten Gotteshaus beherbergt eine Kapelle nichts Geringeres als die marmorne Grabplatte Johannes Pauls II. Bis 2011 erfüllte sie diesen Zweck in der Papstgruft des Petersdoms. Anlässlich der Seligsprechung des polnischen Papstes wurden seine sterblichen Überreste aber in eine Seitenkapelle des Petersdoms erhoben. Wer vom Eingang dieser einem romanischen Gewölbe nachempfundenen Kapelle her nach vorn kommt und die Altarstufe hinaufsteigen will, muss einen großen Bogen darum machen. Das obere Ende der Platte – über der lateinischen Inschrift „JOANNES PAULUS PP. II“ – bedeckt ein silbern schimmernder Metallblock in Gestalt eines aufgeschlagenen Buches. Darauf verwies Bischof Bertram in seiner Predigt, als er die Bitte formulierte, die Kirche möge an der Bibel festhalten, „an diesem Buch des Lebens, das für uns Richtschnur und Weisung ist.“ 

„Ich bin extrem zufrieden, dass Bertram Ihr Bischof geworden ist“

Unsere Messe war noch nicht zu Ende, der Schlusssegen noch nicht erteilt, als der Bischof unseren Gastgeber Kardinal Dziwisz hereinkommen sah und begrüßte. Er gilt als Initiator dieses imposanten Kirchenbaus und des in einem Anbau untergebrachten Museums zu Ehren des Heiligen Papstes und richtete sich an uns: „Ich bin extrem zufrieden und froh, dass er Ihr Bischof geworden ist – in dieser wichtigen Diözese Augsburg.“ Mit einem so warmen Empfang für uns hatte ich nicht gerechnet. 

Kardinal Dziwisz stellt viele Fragen

Wir durften in einem Empfangszimmer für Gruppen Platz nehmen. „Wie lange sind Sie schon verheiratet?“, fragte Kardinal Dziwisz eines der mitreisenden Ehepaare gleich zu Beginn der „Vorstellungsrunde“. Und: „Verstehen Sie beide sich gut?“ Ich konnte mich eines Lachens nicht erwehren. Als dann jeder von uns sich vorgestellt hatte, sollte Bischof Bertram von seiner Begegnung mit dem Papst erzählen. Die fand nämlich erst letzte Woche statt und interessierte den polnischen Amtsbruder offenbar sehr.

Schließlich durften aber auch wir noch ein paar Fragen an den Kardinal loswerden: Um die Pastoral für die Jugend ging es da, um die Tugenden des Heiligen Papstes – wie viel Zeit er in seiner Privatkapelle verbrachte, versetzte selbst seine Haushälterinnen viele Male in ungläubiges Staunen – und um dessen Verhältnis zur Kirche in Deutschland. 

Eine Reliquie für Bischof Bertram

Nach über einer Stunde endete diese Begegnung mit Geschenken. Bischof Bertram erhielt in einer weißen Schatulle eine Reliquie des Heiligen Johannes Paul II. überreicht, die in ein Pektorale, ein Brustkreuz des Bischofs eingearbeitet werden soll. Uns Pilgern drückte Kardinal Dziwisz höchstpersönlich ein Etui mit einem Rosenkranz kraftvoll in die Hand. Es schien, als wolle er damit sagen: „Gebrauche diesen Rosenkranz, so oft wie möglich, und denke dabei an das geistliche Vermächtnis und das Vorbild Johannes Pauls II., der ein so großer Beter war.“ 

An diesem Tag sahen wir noch das Museum zu Ehren des Heiligen Johannes Paul und am Nachmittag in einem ersten Rundgang durchs Stadtzentrum bereits viele von Karol Wojtylas Wirkungsstätten und historische Gebäude. In einem Café unweit des Florianstors gönnten wir uns eine Pause, tranken Kaffee oder Pils und sinnierten über unsere Eindrücke, die Schwierigkeiten und Chancen der Corona-Zeit und und und… Als dann der Bischof beim Aufbruch bemerkte: „Wir sind ja nicht für einen Marathon da, wir wollen eher ein bisschen selektiv vorgehen.“, musste ich an unseren sportlichen Auftakt von gestern denken und hatte jetzt das Gefühl: Wie gut! In diesem Tempo komme ich auch mit!

Ulrich Schwab

16.09.2020 - Bistum Augsburg , Papst , Pilgerreise