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Kampf gegen die Corona-Pandemie

Ablehnung von Impfpflicht - aber Appelle aus Politik und Kirche

In der Debatte über Corona-Impfungen in Deutschland lehnen Politiker weiter eine Impfpflicht ab. Sie appellierten aber zugleich an die Bürger, sich gegen das Virus impfen zu lassen. Auch Vertreter der katholischen Kirche riefen dazu auf.

Der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) sagte der "Rheinischen Post": "Eine Impfpflicht lehnen wir ab." Eine hohe Impfquote sei jedoch eine wichtige Voraussetzung zur Rückkehr in ein weitgehend wieder normales Alltagsleben. Wer "unbegründet" eine Impfung verweigere, riskiere im Herbst und Winter eine vierte Welle. "Deshalb setzen wir jetzt alles daran, um die Menschen zu überzeugen und die Impfbereitschaft in der Bevölkerung zu erhöhen - mit umfassender Aufklärung, mit Werbekampagnen und mit Anreizen."

Hans sagte, es sei auch eine "Frage der Generationengerechtigkeit". Viele Kinder und Jugendliche hätten erhebliche Einschränkungen auf sich genommen, um die Älteren zu schützen. "Jetzt gilt es, Solidarität zu zeigen mit den Jungen. Jeder geimpfte Erwachsene schützt diejenigen, die sich noch nicht impfen lassen können." Wenn allen ein Impfangebot gemacht worden sei, müsse alles dafür getan werden, dass Geimpfte und Genesene wieder möglichst rasch alle Freiheitsrechte zurückbekämen.

Der langjährige Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) forderte, Impfunwilligen nicht länger kostenlose Corona-Tests anzubieten. "Wer sich nicht impfen lässt und somit die Gefährdung anderer Menschen in Kauf nimmt, sollte den Corona-Test künftig aus eigener Tasche bezahlen müssen. Diese Kosten dürfen nicht mehr der Gemeinschaft in Rechnung gestellt werden", sagte Kauder der "Heilbronner Stimme".

Wer sich impfen lasse, trage etwas zum Gemeinsinn bei: "Wir müssen in der Demokratie den Gemeinsinn stärken und sollten nicht den Egoismus fördern. Gemeinsinn heißt, etwas beitragen zu wollen für die Gemeinschaft. Wer sich impfen lässt, stärkt den Gemeinsinn." Eine Impfpflicht lehnte aber auch Kauder ab.

Der Limburger Bischof und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, erklärte in Limburg, das Virus könne nur besiegt werden, "wenn wir alle gemeinschaftlich und solidarisch an einem Strang ziehen".

Die Impfung sei eine individuelle Entscheidung. Es gehe dabei aber nicht nur um die eigene Person. "Sich impfen zu lassen, bedeutet nicht nur mehr Schutz und Freiheit für Sie, sondern für uns alle in unserer Gesellschaft", betonte Bätzing. Es sei daher auch ein Ausdruck von Solidarität und Nächstenliebe.

Mit den nun in Deutschland in ausreichender Menge verfügbaren Impfstoffen stünden sichere Mittel bereit, die vor schweren Erkrankungen und dramatischen Langzeitfolgen schützten. Es gelte, die Sommerwochen zu nutzen und möglichst viele Menschen zu impfen, damit die mühsam durch Lockdown und Beschränkungen errungenen Freiheiten auch im Herbst und Winter Bestand haben könnten. "Ich teile die Sorgen der Politik. Wir dürfen jetzt nicht nachlässig werden. Die Pandemie ist noch nicht vorbei", sagte Bätzing.

KNA

29.07.2021 - Bischöfe , Corona , Impfung