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"Viel Unrecht geschehen"

Altbischof Reinelt kritisiert Aufarbeitung der Stasi-Verbrechen

Dresdens Altbischof Joachim Reinelt hat die Aufarbeitung der Stasi-Verbrechen kritisiert. „Hier ist viel Unrecht geschehen, das nach 1990 nicht oder nur unzureichend aufgearbeitet und wiedergutgemacht worden ist“, sagte der katholische Geistliche in einem Interview. Das gelte auch für die Aufarbeitung der Geschichte der Staatssicherheit insgesamt.

Zwar sei im Vergleich zu anderen Ländern viel erreicht worden, sagte Reinelt. „Den Opfern der Stasi ist meiner Meinung nach aber nicht genug Gerechtigkeit widerfahren, vor allem nicht in finanziellen Dingen. Und ich fürchte, dass das nach so langer Zeit auch nicht mehr passieren wird.“ Auch dass viele ehemalige Stasi-Mitarbeiter bis heute nicht belangt wurden, sei ein „sehr großes Problem“, betonte der Geistliche. „Wenn die Täter von damals heute sagen 'Wir haben ja nur unsere Arbeit gemacht', dann ist das keine Entschuldigung für erpresserische Verhöre und grausame Bestrafungen gegen meist völlig unbescholtene Bürger.“

Die Bedeutung der Erstürmung der Berliner Stasi-Zentrale am 15. Januar 1990 wird nach Ansicht Reinelts bis heute unterschätzt: „Sie war vielleicht sogar wichtiger als manche der großen Demonstrationen in den Wochen und Monaten zuvor.“ Das Datum markiere in der friedlichen Revolution „die endgültige Entmachtung der Angstmacher“, sagte Reinelt, der von 1988 bis 2012 das Bistum Dresden-Meißen leitete. „Das war ein ganz bedeutender Schritt auf dem Weg zur Freiheit, da fiel eine große Last von den Menschen ab.“

KNA

14.01.2020 - Bischöfe , DDR , Politik