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Ruf nach Maßnahmen

Anti-Missbrauchsgipfel scheidet die Geister

Der Anti-Missbrauchsgipfel im Vatikan stößt in Deutschland auf ein gemischtes Echo. Zugleich mehren sich Rufe nach konkreten Maßnahmen auf Ebene der Weltkirche. Die Konferenz habe "noch einmal einen Schub gegeben, dass die ganze Weltkirche sieht, hier ist eine Herausforderung, der wir uns alle stellen müssen", sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, am Sonntagabend im ZDF-"heute journal". Doch sei es "nicht die letzte Konferenz, und es wird ein weiterer Weg notwendig sein".

Franziskus habe Richtlinien vorgegeben, "aber nicht alles kann von Rom erledigt werden", so der Münchner Erzbischof. Die Bischöfe seien nun gefordert, in der großen Linie - "keine Vertuschung, Hinschauen auf die Opfer, Aufarbeitung der Vergangenheit" - voranzuschreiten.

Das Ergebnis des Gipfels sei "ein bisschen vage", sagte der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, Stephan Ackermann, in der ARD-Talkshow "Anne Will". Er habe sich zum Abschluss "eine Art to-do-Liste" für die nächsten Schritte erhofft. In einer Presseerklärung bezeichnete der Trierer Bischof die Konferenz gleichwohl als "Markstein in der Bekämpfung von sexueller Gewalt im Raum der katholischen Kirche".

Enttäuscht gerade über die Rede des Papstes äußerte sich der Vorsitzende des Betroffenennetzwerks "Eckiger Tisch", Matthias Katsch: "Warum sollte ich dem glauben, solange keine Taten folgen. Da ist der Papst zu kurz gesprungen", sagte er bei "Anne Will". Von den Forderungen etwa nach Null Toleranz für die Täter sei am Ende "nichts Konkretes übrig geblieben".

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, nannte es in der ARD-Sendung entscheidend, was in den nächsten Wochen konkret folge. Ihm sei von Anfang an klar gewesen, dass innerhalb von vier Tagen keine Entscheidungen fallen könnten.

Der Jesuit Klaus Mertes zeigte sich im Deutschlandfunk (DLF) enttäuscht, "weil das wenige, was ich für möglich gehalten hätte, nicht erreicht worden ist". Dringend nötig sei etwa eine unabhängige innerkirchliche Gerichtsbarkeit, die aber staatliche Gerichtee nicht ersetzen dürfe, so Mertes, der 2010 die Aufdeckung des deutschen Missbrauchsskandals ins Rollen brachte.

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, nannte im DLF Kritik an mangelnden Resultaten der Konferenz teils überzogen: "Es war kein Konzil, es war kein beschlussfassendes Gremium." Doch sei erstmals auf Ebene der Weltkirche das Thema "gründlich behandelt" worden: "Nun kann sich keiner mehr herausreden."

Die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) nannte die Enttäuschung von Betroffenen verständlich. Konkrete Maßnahmen oder Pläne habe Franziskus nicht formuliert. Seine Rede lasse befürchten, dass nicht wirklich an einer Erneuerung der Kirche gearbeitet werde.

Der Vorsitzende der US-Bischofskonferenz, Kardinal Daniel DiNardo, bezeichnete den Gipfel als "herausfordernd und fruchtbar". Die Zeugnisse der Opfer hätten gezeigt, dass man ihnen "unnachgiebige Wachsamkeit" schulde, damit ein solches Versagen nie wieder vorkomme.

KNA

26.02.2019 - Bischöfe , Missbrauch , Weltkirche