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Studie der Krankenkasse Barmer:

Pflegekräfte deutlich häufiger krank und in Frührente

Altenpflegekräfte in Deutschland sind laut einer Studie der Krankenkasse Barmer deutlich häufiger krankgeschrieben und werden öfter frühverrentet als Erwerbstätige in anderen Berufen. Durch bessere Arbeitsbedingungen ließe sich der Pflegenotstand deutlich abmildern, heißt es im Barmer-Pflegereport, der am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde. Auf einen Schlag gäbe es 26.000 Pflegekräfte mehr, wenn die Arbeitssituation und damit einhergehend die Gesundheit der Pflegekräfte besser wären.

Zwischen 2016 und 2018 waren den Ergebnissen des Pflegereports zufolge 8,7 Prozent aller Hilfskräfte und 7,2 Prozent der Fachkräfte in der Altenpflege krankgeschrieben. In anderen Berufen lag der Krankenstand im Schnitt bei 5,0 Prozent.

Auch bei den Krankheitstagen gibt es deutliche Unterschiede zu anderen Branchen: So fehlte jede krankgeschriebene Altenpflegefachkraft in den Jahren 2016 bis 2018 im Schnitt 18,6 Tage und damit 40 Prozent länger als Beschäftigte in sonstigen Berufen (13,3 Fehltage). Altenpflegehilfskräfte waren sogar im Schnitt 20,2 Tage krank. Zudem müssen Pflegekräfte häufiger und länger im Krankenhaus behandelt werden als andere Erwerbstätige.

Der Pflegeberuf sei so kraftraubend, dass überproportional viele Beschäftigte nicht bis zur Rente durchhielten, heißt es. Der Vorstandsvorsitzende der Barmer, Christoph Straub, erklärte, mit deutlich besseren Arbeitsbedingungen könnten Bund, Länder und Arbeitgeber den Pflegeberuf zeitnah attraktiver gestalten. Mit dem Potenzial an 26.000 zurückgewonnenen Pflegekräften könnten zusätzliche 50.000 Menschen versorgt werden. Erforderlich seien nicht nur angemessene Löhne, sondern auch planbare und familienfreundliche Arbeitszeiten. Straub forderte zugleich eine Aus- und Weiterbildungsoffensive, um wieder mehr Menschen für den Pflegeberuf zu gewinnen.

Der Bremer Pflegeforscher und Studienautor Heinz Rothgang erklärte, Pflegekräfte hätten vor allem lange Fehlzeiten aufgrund von psychischen Problemen sowie Muskel-Skelett-Erkrankungen. So wiesen Beschäftigte in der Altenpflege etwa 80 bis 90 Prozent mehr Fehltage aufgrund von Depressionen auf als Erwerbstätige in sonstigen Berufen. Rückenschmerzen verursachten bei Fachkräften in der Altenpflege knapp 96 Prozent und bei Hilfskräften etwa 180 Prozent mehr Fehltage als in anderen Berufen. Rothgang sprach sich auch für mehr Gesundheitsvorsorge im Pflegeberuf aus.

Aus Sicht des Deutschen Pflegerats deckt die Studie schonungslos die prekäre Lage des Pflegeberufs auf. "Die Systemrelevanten sind krank", erklärte Präsident Franz Wagner. Dass die Hilfskräfte in der Altenpflege besonders betroffen seien, zeige zudem, dass bei einer niedrigeren beruflichen Qualifikation anscheinend auch die Fähigkeit, mit den Belastungen umzugehen, geringer ausgeprägt sei. "Das ist ein weiteres Argument für eine qualifizierte Pflegeassistenzausbildung."

Die Linke im Bundestag forderte erneut eine bessere Finanzierung der Pflege. Notwendig sei eine einheitliche Bürgerversicherung, die die Kosten auf breitere Schultern verteile.

KNA

01.12.2020 - Ausbildung , Gesundheit , Pflege