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Zu Advent und Weihnachten

Bischöfe werben für Nächstenliebe und neue Formen der Zuneigung

Im Advent und zu Weihnachten in der Corona-Pandemie werben Kirchenvertreter für Nächstenliebe und neue Ausdrucksformen von Liebe. Angesichts der hohen Zahl an Corona-Todesfällen erinnert der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, an das Gebot der Nächstenliebe: "Es ist wichtig, sich immer wieder sehr konkret klar zu machen, dass es bei den Bemühungen um eine Senkung der Infektionszahlen um Menschenleben geht", sagte er.

Er habe die Erfahrung gemacht, dass Menschen, die einen schweren Corona-Fall, vielleicht sogar mit Todesfolge, in ihrer näheren Umgebung hätten, anders über die Beschränkungen redeten als Menschen, die so etwas nur aus den Fernsehnachrichten kennen. Der Landesbischof betonte: "Deswegen stärkt es unsere Bereitschaft, die Corona-Beschränkungen mitzutragen, wenn wir uns klar machen, dass es um unsere Eltern, enge Freunde oder sogar uns selbst gehen könnte."

Der EKD-Ratsvorsitzende erinnerte an die Bergpredigt Jesu und das Nächstenliebegebot sowie an die als "Goldene Regel" bekannte Maxime: "Alles, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch." Der Bischof ergänzte: "Also lasst uns danach handeln und vorsichtig sein."

Aus Sicht der Regionalbischöfin der Landeskirche Hannovers, Petra Bahr, ist Weihnachten eine gute Gelegenheit, neue Ausdrucksformen der Liebe zu erproben, weil etablierte Formen in der Pandemie mitunter gefährlich werden könnten. Vor diesem Hintergrund "gliche es einer Kapitulation der Liebe vor der Gewohnheit oder dem vermeintlichen Recht, wenn die Geselligkeit unter dem Christbaum die einzige Form des Festes ist", erklärt das Mitglied im Deutschen Ethikrat.

"Warum nicht die Ungunst der Stunde nutzen und Weihnachten noch mal neu entdecken, samt der freien Plätze an der Festtagstafel und dem Schmerz über das, was fehlt, aber auch der Freude darüber, endlich aus Routinen ausbrechen zu dürfen?" Denkbar wäre eine Veränderung, "die der christlichen Weihnachtsbotschaft so nahe kommt wie lange nicht und deshalb auch noch Energie entfaltet, wenn die Nordmanntannen sich längst auf den Bürgersteigen stapeln", meint Bahr.

Auch Fernsehmoderatorin Dunja Hayali (46) appellierte vor Weihnachten an die Nächstenliebe. "Wo sind denn die christlichen Werte alle hin, auf die sich diese ganzen Abendlands-Verteidiger irgendwie berufen?", sagte sie am Mittwoch im Podcast "Himmelklar". Mit Dankbarkeit, Demut und der Bereitschaft zu teilen könne man viel erreichen.

Im Hinblick auf die Corona-Pandemie sagte die Journalistin, die früher Messdienerin war, sie werde Weihnachten im "ganz kleinen Kreis" mit ihrer Familie feiern. "Ich freue mich da auch drauf und wertschätze das auch, dass wir das jetzt dürfen." Es gelte dennoch abzuwägen: "Wir müssen auch nicht alles machen, was wir dürfen. Das Virus weiß nicht, dass Weihnachten ist."

KNA

09.12.2020 - Gesellschaft , Kirchen , Weihnachten