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Bischof Bode fordert:

Keine dauerhafte Isolation von Alten und Kranken

Die deutschen Bischöfe fordern einen menschwürdigen Umgang mit Alten und Behinderten in der Corona-Krise. "Es gilt immer abzuwägen zwischen Zumutbarkeit, Verantwortung und Risiko auf der einen Seite und dem berechtigten Bedürfnis nach menschlicher Begegnung auf der anderen Seite", sagte der stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Franz-Josef Bode.

Es sei wahrscheinlich, dass gewisse Maßnahmen zum Schutz der Menschen länger bestehen bleiben müssten. Eine soziale Isolation aber dürfe "unter keinen Umständen dauerhaft sein". Freiheitseinschränkende Regelungen bedürften grundsätzlich einer Frist, um sie regelmäßig zu überprüfen und anpassen zu können.

Es müsse auch vermieden werden, Freiheiten gegeneinander auszuspielen, sagte Bode. "Die Freiheit Älterer und Kranker stärker zu beschneiden, um die Freiheit von Jungen und Gesunden unangetastet lassen zu können oder gar zu vergrößern, ist nicht akzeptabel." Das Nachdenken über die Gefährdung der Risikogruppen dürfe nicht zu einer Entsolidarisierung und zu Diskriminierungen führen. "Pflegebedürftige ältere, kranke und behinderte Menschen sind natürlich Teil unserer Gesellschaft."

Die Seelsorger der Kirche versuchten unter den bestehenden Auflagen, wo immer es gehe, alte Menschen etwa in Heimen zu erreichen, betonte der Leiter der Pastoralkommission innerhalb der Bischofskonferenz. "Besonders wichtig ist, dass möglichst niemand alleine sterben muss." Sterbende und ihre Angehörigen müssten seelsorglich begleitet werden können, forderte Bode. Dafür gebe es auch angemessene Regelungen. Aber auch Menschen mit Demenz, kognitiver Behinderung oder psychischen Erkrankungen bedürften der Begleitung: "Die fordern wir von der Politik ebenso ein."

KNA

20.05.2020 - Bischöfe , Corona , Senioren