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Missbrauchsgutachten

Bischof Dieser wünscht "Zeichen der Reue" von Amtsvorgänger

Nach Veröffentlichung des Missbrauchsgutachtens für das Bistum Aachen hat Bischof Helmut Dieser seinen Amtsvorgänger zu einem "Zeichen der Reue" aufgerufen. Altbischof Heinrich Mussinghoff (80) und auch sein früherer Generalvikar Manfred von Holtum (76) sollten einen "persönlichen Prozess der Selbstreflexion" über ihren Umgang mit Missbrauchsfällen beginnen, sagte Dieser in einer Video-Pressekonferenz. Er appellierte an die früheren Führungskräfte der Diözese, auf juristische Schritte gegen das Gutachten zu verzichten und die Perspektive der Opfer einzunehmen.

Das am Donnerstag vorgestellte Gutachten der Münchner Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl (WSW) attestiert Mussinghoff, von Holtum und bereits gestorbenen früheren Verantwortungsträgern, bei Missbrauchsfällen am Schutz der Täter und nicht an der Fürsorge für die Opfer interessiert gewesen zu sein. Mussinghoff und von Holtum hätten eine "unverdiente Milde" gegenüber verdächtigten und verurteilten Geistlichen walten lassen und sie oft wieder in der Seelsorge eingesetzt. Vor der Präsentation des Aachener Gutachtens hatten die beiden Geistlichen darauf hingewiesen, dass dieses aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht veröffentlicht werden dürfe.

Laut Dieser geht es nicht darum, die Lebensleistung Mussinghoffs oder von Holtums abzuwerten. Vielmehr wolle er zu ihnen "Brücken bauen". Er rief sie auf, mit Blick auf die Missbrauchsfälle ihre Verantwortung "im systemischen Ganzen" anzuerkennen. Dies sei zwar "schmerzhaft", könne aber Opfern helfen, um deren Perspektive es jetzt gehen müsse. In der Vergangenheit seien sie sich selbst überlassen gewesen und die Täter "nicht oder viel zu spät" gestoppt worden.

Dieser kündigte als Folge aus dem Gutachten die Einrichtung einer unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung der Missbrauchsfälle mit Experten unter anderem aus Wissenschaft und Justiz an. Dies entspreche auch der Vereinbarung zwischen der Deutschen Bischofskonferenz mit dem Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung. Zudem wolle er Betroffene ermutigen, einen Beirat zu bilden, der mit dem Bistum bei der Aufarbeitung zusammenarbeitet.

Die Zahlungen für die Anerkennung des Leids an die Opfer soll nach den Worten Diesers nicht aus Kirchensteuermitteln erfolgen. Das Geld solle aus einem Topf kommen, in den Bischöfe und Priester, insbesondere früher Verantwortliche, freiwillig einzahlen.

KNA

17.11.2020 - Bischöfe , Bistum , Missbrauch