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Ressourcen aufgebraucht

Heute ist symbolischer Erdüberlastungstag

Das war es dann mit dem viel beschworenen Corona-Effekt: Die Pandemie hat der Erde nur eine kurze Verschnaufspause gewährt. Im Jahr 2021 ist der symbolische Erdüberlastungstag, an dem die Menschheit das Kontingent an biologischen Ressourcen für 2021 aufgebraucht hat, wieder auf den 29. Juli vorgerückt - und liegt damit nach Berechnungen des Global Footprint Network so früh wie 2019. Im Jahr 2020 hatte sich der "Welterschöpfungstag" wegen des Lockdowns um fast drei Wochen nach hinten verschoben, auf den 22. August.

Ab heute lebt die Menschheit also ökologisch wieder auf Pump. "Wir erleben nun den befürchteten Rebound-Effekt, das sprunghafte Wiederansteigen der Emissionen nach dem Höhepunkt der Pandemie", sagte Steffen Vogel von Germanwatch. "Dass der Ressourcenverbrauch trotz Anhaltens der Pandemie schon dieses Jahr wieder das Niveau von 2019 erreicht, zeigt: Wir brauchen dringender denn je ein Umsteuern in der Klima- und Ressourcenpolitik."

Gegenwärtig verbraucht die Menschheit 74 Prozent mehr, als die Ökosysteme des Planeten regenerieren können - oder "1,75 Erden". Laut der Studie stieg der weltweite CO2-Ausstoß wieder um 6,6 Prozent im Vergleich zum letzten Jahr. Auch schrumpfte die globale Biokapazität der Wälder um zirka 0,5 Prozent: Das sei größtenteils auf den Anstieg der Abholzung im Amazonasgebiet zurückzuführen, heißt es beim Global Footprint Network. Allein in Brasilien seien 2020 rund 1,1 Millionen Hektar Wald verloren gegangen. "Schätzungen für 2021 deuten auf einen Anstieg der Abholzung um bis zu 43 Prozent im Vergleich zum Vorjahr hin."

Dabei ist die Entwicklung in einzelnen Sektoren sehr unterschiedlich: 2021 ist der CO2-Fußabdruck des Transportwesens immer noch geringer als vor der Pandemie. Die CO2-Emissionen des inländischen Flug- und Straßenverkehrs werden laut Studie um 5 Prozent unter dem Niveau von 2019 bleiben, während der internationale Flugverkehr voraussichtlich 33 Prozent darunterliegen wird.

Dagegen werden die energiebezogenen CO2-Emissionen voraussichtlich um fast 5 Prozent steigen, da die wirtschaftliche Erholung die Nachfrage nach fossilen Brennstoffen ankurbelt. Insbesondere der Kohleverbrauch wird laut Global Footprint Network 2021 vermutlich sprunghaft ansteigen und schätzungsweise 40 Prozent des gesamten CO2-Fußabdrucks ausmachen.

Weltweit ist die Menschheit zum ersten Mal in den frühen 1970er Jahren in den ökologischen Overshoot geglitten. Der Raubbau ist dabei sehr ungleichmäßig verteilt: Bei einer Lebensweise wie in China bräuchte die Weltbevölkerung 2,2 Erden; die USA verbrauchen 5 Erden. Würden alle Länder so haushalten wie Deutschland, wären drei Erden nötig.

Bereits am 5. Mai hatten die Bundesbürger so viele Ressourcen verbraucht, wie ihnen rechnerisch für das ganze Jahr zur Verfügung stehen. Gründe dafür sind unter anderem der gegenüber dem globalen Durchschnitt deutlich höhere Energieverbrauch sowie die immer noch übermäßige Belastung von Luft, Böden und Grundwasser, unter anderem aus dem Verkehr und der Landwirtschaft inklusive der Massentierhaltung.

Germanwatch fordert deshalb Verhaltensänderungen von allen Bürgern. Jeder einzelne könne Nachhaltigkeit in Mobilität, Ernährung, Energie, Finanzen oder Ressourcennutzung zum neuen Standard machen. "Das geht am Arbeitsplatz, in der Schule oder Uni, im Verein oder in der Kommune." Allerdings reiche das nicht aus: "Um die notwendigen Veränderungen schnell genug zu erreichen, brauchen wir andere Rahmenbedingungen. Nachhaltiges und sozial verantwortliches Verhalten muss einfacher, naheliegender und preiswerter werden", sagte die Bildungsreferentin Marie Heitfeld.

Um die ständige Überdehnung der Grenzen des Planeten zu stoppen, seien vor allem politische Maßnahmen, insbesondere eine engere internationale Kooperation, notwendig. "So muss die Bundesregierung jetzt zum Beispiel mit ihren europäischen Partnern die Umsetzung des European Green Deal beschleunigen", sagt Audrey Mathieu, Referentin für EU-Klimapolitik bei Germanwatch. Überdies gehe es darum, mit zentralen Schwellenländern Klimapartnerschaften zum zügigeren Umstieg Richtung Klimaneutralität auf- und auszubauen.

Christoph Arens/KNA

29.07.2021 - Gesellschaft , Umwelt , Wirtschaft