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Deutsche Bischöfe fordern:

Mehr internationale Aufmerksamkeit für Syrien

Angesichts des seit zehn Jahren andauernden Kriegs in Syrien mahnt der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick mehr Engagement für eine diplomatische Lösung an. "Jetzt ist dringendes Handeln auf allen Ebenen internationaler Politik erforderlich", erklärte der Vorsitzende der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz am Donnerstag in Bonn.

"Alle Initiativen, die eine Deeskalation in Syrien bewirken können, müssen die Unterstützung der Europäischen Union und der Vereinten Nationen finden", betonte Schick. "Während wir in Deutschland nach wie vor die Herausforderungen der Pandemie zu meistern versuchen, gehen Flucht, Vertreibung, Hunger und Sterben in den Kriegsgebieten des Nahen Ostens unvermindert weiter."

Die Konflikte in der Region seien miteinander verwoben, räumte Schick ein. Die Politik dürfe deswegen weder der Versuchung erliegen, mit einem großen Plan alle Probleme auf einmal lösen zu wollen, noch vor der Größe der Aufgabe kapitulieren. "Es kommt darauf an, mit kleinen Schritten und einer Haltung der Solidarität auf einen besseren Schutz der Bevölkerung, auf Rechtssicherheit und auf Stabilität hinzuarbeiten. Das Schweigen der Waffen hat Priorität, Versöhnungsarbeit wird dadurch überhaupt erst möglich."

Europa versuche derzeit vor allem mit der Verhängung von Sanktionen politischen Druck auszuüben. Die Lage in Syrien zeige jedoch, dass die Sanktionen kaum zur Lösung des Konflikts beigetragen hätten. Stattdessen verschlimmerten sie die humanitäre Lage, beklagte Schick, der zuletzt 2019 das Land besucht hatte.

Helfer bräuchten freien Zugang zu Notleidenden in allen Teilen des Landes, forderte der Erzbischof. "Damaskus und seine Verbündeten Russland und Iran, aber auch die Türkei, müssen Sorge dafür tragen, dass die humanitäre Hilfe unterschiedslos alle Bedürftigen erreichen kann."

Weiter machte der Weltkirche-Beauftragte der Bischofskonferenz darauf aufmerksam, dass der Exodus der Christen aus Syrien erst zum Erliegen kommen werde, wenn sich den Menschen vor Ort neue Lebensperspektiven eröffnen. "Die Christen wollen ihre syrische Heimat nicht verlassen. Aber ein Leben in Sicherheit und Frieden, das sie für sich und ihre Kinder wünschen, ist derzeit nicht in Sicht. Erst wenn politische Stabilität und der Schutz vor Willkür und Gewalt auch wirtschaftliche Chancen eröffnen, wird der Wegzug der Christen verebben."

Am 15. März 2011 begann der Konflikt in Syrien. Hilfsorganisationen sprechen von mehr als 600.000 Toten und etwa 13 Millionen Vertriebenen. Inzwischen benötigten über 13 Millionen Menschen humanitäre Hilfe - fast sechs Millionen davon seien Kinder.

KNA

26.03.2021 - Bischöfe , Krieg , Syrien