Erzbischof Roque Paloschi:

Brasiliens Regierung begünstigt Amazonas-Vernichtung

Angesichts einer starken Zunahme von Bränden auf indigenem Land wirft Brasiliens katholische Kirche der Regierung Versagen vor. Durch Diskurse voller Hass und Vorurteile fördere die Regierung auch den Raub von indigenem Land, sagte der Präsident des Indio-Missionsrats CIMI, Erzbischof Roque Paloschi, im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur. Laut CIMI gab es zudem zwischen Januar und August 9.078 Brände in 274 indigenen Gebieten, ein Plus von 88 Prozent gegenüber 2018.

„Derzeit beschützt die Regierung die indigenen Gebiete nicht. Stattdessen sorgt sie für das genaue Gegenteil, durch Dekrete und Diskurse voller Vorurteile“, kritisierte der Erzbischof der Amazonas-Stadt Porto Velho. „Der Hass-Diskurs der Regierung begünstigt den Landraub.“

Präsident Jair Messias Bolsonaro hatte Ende 2018 die Wahlen mit dem Versprechen gewonnen, keine neuen Gebiete an Indigene zu übergeben sowie die bereits zugeteilten Gebiete für die wirtschaftliche Ausbeutung zu öffnen. In den letzten Monaten hat die illegale Abholzung rasant zugenommen, zuletzt um 222 Prozent im August. Zudem brannten landesweit 71 Prozent mehr Wälder als 2018.

Paloschi erinnerte daran, dass der Präsident laut Verfassung zum Schutz der indigenen Gebiete verpflichtet sei. „Es ist traurig. Der Präsident hat doch seinen Amtseid auf die Verfassung abgelegt, macht aber alles, um die Fortschritte dieser Verfassung von 1988 wieder rückgängig zu machen“, beklagte der Erzbischof.

Die indigenen Reservate gelten in Brasilien als die am besten geschützten Gebiete. Doch ihre einzigartige Fauna und Flora ist durch die vorrückende Agrarindustrie immer stärker bedroht.

Vom 6. bis 27. Oktober tritt im Vatikan auf Einladung von Papst Franziskus die pan-amazonische Synode zusammen. Sie soll über neue Ansätze zur Bewahrung Amazoniens sowie der Zukunft seiner Bewohner beraten.

KNA

13.09.2019 - Bischöfe , Politik , Südamerika