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Diskussion in Berlin

Erzbischof Koch für Kuppelkreuz und Inschrift auf Stadtschloss

In die Debatte um das Kuppelkreuz auf dem wiedererrichteten Berliner Stadtschloss hat sich nun auch der katholische Erzbischof Heiner Koch eingeschaltet. "Dass das Kreuz politisch missbraucht wurde und wird, ist kein Argument gegen seine Botschaft", erklärte Koch. Das Kreuz bei der Rekonstruktion des Stadtschlosses wegzulassen, "wäre auch eine religiöse Aussage, die einer liberalen Stadt wie Berlin nicht guttut".

Ferner verteidigte Koch den umstrittenen Widmungsspruch des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm IV., der die Kuppel umrundet: "Die beiden Bibelverse auf der Kuppel des Stadtschlosses betonen, dass die Menschen sich nur vor Gott verbeugen und keiner irdischen Macht diese Ehre erweisen sollen. Welche Freiheit spricht aus diesen Worten!" Der aus Zitaten des Neuen Testaments zusammengesetzte Spruch lautet: "Es ist in keinem andern Heil, ist auch kein anderer Name den Menschen gegeben, denn in dem Namen Jesu, zur Ehre Gottes des Vaters. Dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind."

Der Berliner Rabbiner Andreas Nachama hatte zuletzt an die Bischöfe in der Hauptstadt appelliert, sie sollten "an der Spitze einer Bürgerinitiative dafür plädieren", den Widmungsspruch zu beseitigen, "denn im Jahr 2020 sollte es einen solchen Rückfall in die Gedankenwelt eines Preußenkönigs nicht geben". Friedrich Wilhelm IV. habe "sich einen Namen bei der blutigen Niederschlagung der Revolution von 1848 gemacht", begründete der jüdische Präsident des Deutschen Koordinierungsrates der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit seine Position.

Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) äußerte ebenfalls Bedenken gegen die Inschrift. Dass der Bibelspruch beim Wiederaufbau eins zu eins übernommen worden sei, sehe man kritisch. "Der Spruch zeigt eine Mischung aus Bibelzitat und seltsamer Königstheologie, eine restaurative Betonung von machtvollen Alleinvertretungsansprüchen. Für Menschen, die den Kontext nicht kennen, ist das verständlicherweise irritierend", so EKBO-Sprecherin Amet Bick. Die Rekonstruktion des Kuppelkreuzes verteidigte sie dagegen. Das Kreuz habe in seiner Geschichte viel Missbrauch und Missverstehen überstanden.

Am vergangenen Freitag wurde die goldenen Kuppelhaube mit dem vier Meter hohen, goldenen Kreuz auf dem Stadtschloss angebracht. In dem Gebäude ist künftig das Humboldt Forum mit den völkerkundlichen Sammlungen Berlins untergebracht.

KNA