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Großes Medieninteresse

Firmfeier mit Kardinal Woelki ohne Protestaktionen

Gegen die Feier hatte es im Vorfeld viele Proteste gegeben - doch bei der Firmung selbst mit Kardinal Rainer Maria Woelkihalten die Initiatoren ihr Versprechen. Keine roten Karten wie bei einem Gespräch wenige Tage zuvor, mit denen Misstrauen gegenüber dem Erzbischof und seiner Missbrauchsaufarbeitung bekundet wurde. Keine Plakate oder Transparente. Allerdings haben sich mehr als ein Dutzend Medienleute vor der Kirche Sankt Margareta in Düsseldorf-Gerresheim versammelt. Die Fotografen kommen allerdings nicht auf ihre Kosten.

In das Gotteshaus kommen die Medienvertreter schon wegen Corona nicht rein - jeder der 17 Firmlinge hat nur 5 Begleitpersonen mitbringen dürfen. Woelki entsteigt seinem Dienstwagen und ist nur für einen Moment zu sehen. Er entschwindet über einen Hintereingang in den Kirchenkomplex mit Stiftsgebäude. Auf den bei solchen Anlässen oft üblichen feierlichen Einzug in die Kirche verzichtet er. Dass der Gottesdienst beginnt, lassen nur die nach außen dringenden Orgeltöne erahnen.

Den Familien geht es an diesem Abend vor allem um eins: Um eine würdevolle Feier jenseits aller Kirchenpolitik. Sie hatten sich nach Angaben des Erzbistums auch gewünscht, dass der Kardinal wie geplant kommt und nicht einen Vertreter schickt.

Mit der Firmung werden junge Katholiken aus Sicht der Kirche erwachsen und voll in die Kirche integriert. "Ich will, dass wir Firmlinge in unserer eigenen Welt sind", sagt der 16-jährige Remy. Und der Patenonkel von Elias betont: "Heute geht es wirklich nur um ihn und die Firmung."

Julia Hartrumpf, deren Tochter das Sakrament empfängt, hat die ganze Auseinandersetzung "hart erwischt". Sowohl von der Gemeinde als auch von der Protest-Initiative hätte sie sich mehr Informationen gewünscht. Nach ihrem Empfinden wurde die Firmung von mehreren Seiten instrumentalisiert, dabei hätten es die jungen Menschen auch so schon schwer genug mit dem Thema Glauben und Kirche. Auch für den Kardinal - "Ich bin kein Fan von Woelki." - hat sie wenig Verständnis. "Hier stehen andere im Vordergrund", betont die Mutter. Da hätte er aus ihrer Sicht gerne ein wenig zurückstecken können und nicht kommen sollen.

Die Gemeinde steht seit längerem im Fokus der umstrittenen Aufarbeitung von Missbrauch im Erzbistum Köln. Denn hier waren zwei Priester tätig, denen sexuelle Übergriffe vorgeworfen werden: Kaplan D., den Woelki 2017 trotz entsprechender Anschuldigungen zum stellvertretenden Düsseldorfer Stadtdechanten ernannte, sowie der inzwischen verstorbene und mit Woelki befreundete Pfarrer O., der eine schwere Missbrauchstat an einem Kind begangen haben soll.

Der Erzbischof wurde dafür kritisiert, dass er den Fall O. nach seinem Amtsantritt 2015 zwar zur Kenntnis genommen, aber eine kirchenrechtliche Voruntersuchung und eine Meldung nach Rom unterlassen habe. Der Kardinal begründete dieses Vorgehen mit der damals weit fortgeschrittenen Demenz des ehemaligen Pfarrers, die eine Befragung unmöglich gemacht habe.

Kritiker wollten nicht, dass Woelki selbst zur Firmung kommt, weil er wegen seines Umgangs mit Missbrauch unglaubwürdig sei. Auch nach einem Gesprächsabend Ende Mai in der Gemeinde mit dem Kardinal sei ihr Vertrauen in Woelki "leider nicht gewachsen, sondern noch mehr verloren gegangen". Dessen Äußerungen zu den Missbrauchsfällen hätten "die Anwesenden tief erschüttert, die systemischen Ursachen sichtbar gemacht und die Verantwortung der Institution Kirche konkret offenbart".

Eine der Kritikerinnen wartet und will dem Kardinal eine Tüte nicht geweihter Hostien überreichen - um ihn damit zum Nachdenken über die vielen aus der Kirche ausgetretenen Menschen zu bewegen, wie sie sagt. Doch auch sie hat - wie die versammelte Medienschar - keine Chance zum direkten Kontakt. Um Missbrauch, Fehler bei der Aufarbeitung, die Krise im Erzbistum und die Gespräche der vom Vatikan entsandten Prüfer geht es dann ab morgen wieder.

Andreas Otto/KNA

10.06.2021 - Bistum , Glaubensleben , Kardinäle