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Beim 90. Geburtstag der Cousine

Franziskus wird in der Heimat seiner Familie gefeiert

Zum dritten Mal nach 2014 und 2015 hat Papst Franziskus am Wochenende auf den Spuren seiner Familiengeschichte Norditalien besucht. Im Zentrum standen diesmal Treffen mit Cousinen und entfernten Verwandten in der Gegend von Asti. Erstmals bewegte auch er sich dabei im Rollstuhl - so wie manche aus der inzwischen meist hochbetagten Verwandtschaft. Die Nachrichtensendungen im Fernsehen zeigten, wie er immer wieder Hände schüttelte.

Die 90-jährige Cousine Carla Rabezzana begrüßt ihn in Portocomaro mit einer herzlichen Umarmung, als er aus seinem weißen Fiat 500 aussteigt. Erst danach kommt wieder der Rollstuhl zum Einsatz. Lokaljournalisten berichten, dass er ihr sagte, sie solle bitte aufhören zu weinen, er sei doch gekommen, um ihren Geburtstag zu feiern.

Die Bilder vom gemeinsamen Mittagstisch der beiden Alten finden sich in den Portalen fast aller italienischen Tageszeitungen. Genauestens wird berichtet, welche piemontesischen Spezialitäten sie gegessen haben und welchen Wein der Papst am liebsten trinkt. Auch die Familiengeschichte der Bergoglios und der Familie seiner Mutter wird in allen Verästelungen ausgebreitet, mit Stationen in Asti, Turin und schließlich Buenos Aires. Stolz wird vermerkt, dass der junge Bergoglio im fernen Argentinien als erste Sprache nicht Spanisch, sondern von seiner Großmutter den piemontesischen Dialekt gelernt habe.

Den feierlichen Gottesdienst in der Kathedrale von Asti verfolgen bei sonnigem Spätherbstwetter Tausende Menschen auf den Straßen und Plätzen der Stadt. Fernsehbilder zeigen, wie manche mit Tränen der Rührung kämpfen. Andere lachen herzlich, als er in der Predigt und beim Angelusgebet ein paar Brocken auf Piemontesisch einfließen lässt. Der Papst scheint gut gelaunt. Er scherzt über sein Alter und auch über den Orts-Bischof, weil der in seiner Ansprache ein Quäntchen zu viel Lokalpatriotismus versprüht hat.

Die örtlichen Autoritäten nutzen die Gunst der Stunde und verleihen ihm in der Bischofsresidenz die Ehrenbürgerschaft der Stadt Asti. Mit dabei ist der Präsident der Region Piemont, Alberto Cirio. Doch wie bei jedem Familienbesuch kommt auch beim Wochenendausflug des Papstes irgendwann der Augenblick des Abschiednehmens. Um möglichst vielen Menschen die Möglichkeit zu geben, noch einmal einen Blick auf ihren "Landsmann" Francesco zu erhaschen, findet der Abflug des Hubschraubers, der ihn am Nachmittag nach Rom bringen soll, im Stadion von Asti statt.

Ludwig Ring-Eifel/KNA

21.11.2022 - Familie , Italien , Papst