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Ernährungskrise durch den Krieg

G7-Minister für mehr Schutz

Die G7-Entwicklungsminister haben ein neues Bündnis für globale Ernährungssicherheit gestartet. Damit soll der durch den russischen Angriffskrieg weltweit drohenden Ernährungskrise gegengesteuert werden, betonte Bundesentwicklungsministerin Svenja Schulze (SPD) in Berlin.

Die Direktorin des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik, Anna-Katharina Hornidge, begrüßte das Bündnis. Es könne auch langfristig zur Verbesserung der weltweiten Versorgungssituation beitragen, sagte die Entwicklungsexpertin der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Weitere Themen des zweitägigen Treffens der Entwicklungsminister und -ministerinnen aus den USA, Kanada, Japan, Großbritannien, Frankreich, Italien und Deutschland waren unter anderen die Folgen des Klimawandels auf den Globalen Süden, die Pandemiebekämpfung sowie mehr Geschlechtergerechtigkeit.

"Durch Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine hat sich die weltweite Ernährungslage dramatisch verschärft. Es droht die schwerste Hungersnot seit dem Zweiten Weltkrieg", sagte Schulze. Die von den G7-Ministern gestartete Allianz für globale Ernährungssicherheit soll weltweit Initiativen, Geber und weitere Hilfen besser koordinieren, um die Welt gegen die drohende Hungerkrise zu wappnen. Kurzfristig sollen dabei bedürftige Regionen mit Getreide und Nahrungsmitteln versorgt werden.

Schulze hatte das Bündnis bereits bei der Frühjahrstagung der Weltbank in New York vorgeschlagen und dafür die Unterstützung von Weltbankpräsident David Malpass bekommen. Auch Hornidge betonte, die durch den Ukraine-Krieg ausgelöste globale Ernährungskrise habe deutlich gemacht, "dass es eine vereinte politische Stellungnahme braucht, um auf eine solche Versorgungskrise zu reagieren".

Es gehe bei dem Bündnis konkret darum, "dass auch in Krisengebieten die Vermarktungskanäle für Lebensmittel weiter funktionieren", so Hornidge weiter. "Das heißt, dass Häfen wieder geöffnet werden, dass Agrarprodukte, wie etwa das Getreide aus der Ukraine und aus Russland, von Sanktionen ausgeschlossen werden." Dazu brauche es die Einigkeit dieser Allianz.

Langfristig liege der Fokus zudem darauf, einen gerechten Übergang zu einer sozial- und klimagerechten Politik vor Ort zu schaffen, erklärte die Expertin. "Es geht darum, die Gesellschaften zu stärken, sie widerstandsfähiger für den Umgang mit Krisen zu machen."

Die G7-Entwicklungsministerinnen und -minister einigten sich in ihrem Abschluss-Kommunique neben Hilfen für ärmere Ländern gegen den Klimawandel erstmals auch auf das Konzept einer feministischen Entwicklungspolitik. Ziel sei es, Strukturen und Rollenbilder aufzubrechen, die Geschlechterungleichheit zementieren, erläuterte Schulze. Mädchen und Frauen seien von Krisen besonders stark betroffen. "Länder mit starken Frauen und Mädchen sind stärkere Gesellschaften, die besser für die globalen Herausforderungen gewappnet sind", sagte Schulze.

Auch die Pandemie war ein Thema auf dem Treffen. Die G7-Entwicklungsminister und die G7-Gesundheitsminister betonten, ärmere Länder bei der Pandemiebekämpfung stärker zu unterstützen. So sollen die Corona-Impfstoffprodukion in Afrika sowie die Impfstoffverteilung und -logistik vorangetrieben werden. Mittlerweile gebe es weltweit genug Impfstoff, um das Ziel zu erreichen, mindestens 70 Prozent der Weltbevölkerung gegen Corona zu impfen, sagte Schulze. Zugleich seien in den ärmsten Ländern teilweise erst 15 Prozent der Menschen Bevölkerung geimpft.

KNA

20.05.2022 - Ernährung , Krieg , Politik