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Aufruf

Katholische Bischöfe sehen Impfung als "moralische Pflicht"

Der Ständige Rat der Deutschen Bischofskonferenz ruft alle Menschen in Deutschland zur Impfung gegen das Coronavirus auf. "Impfen ist in dieser Pandemie eine Verpflichtung aus Gerechtigkeit, Solidarität und Nächstenliebe. Aus ethischer Sicht ist es eine moralische Pflicht", heißt es in einer von der katholischen Bischofskonferenz in Bonn verbreiteten Mitteilung.

Die Impfung sei das wirksamste Mittel, sich selbst und andere zu schützen. Zugleich forderten die Bischöfe, die nötigen Hygienemaßnahmen einzuhalten. "Wir alle wünschen uns die Freiheiten im alltäglichen Leben wie in den Zeiten vor Corona zurück. Dazu müssen wir uns aber gemeinsam - und zwar jede und jeder in diesem Land - einsetzen". Der Ständige Rat, der derzeit in Würzburg tagt, verwies zudem auf den Appell von Papst Franziskus, der am Weltgesundheitstag betont hatte: "Wir alle sind aufgerufen, die Pandemie zu bekämpfen. In diesem Kampf stellen die Impfstoffe ein wesentliches Instrument dar."

Der Dresdner Bischof Heinrich Timmerevers sprach sich unterdessen in einem Interview der "Dresdner Neuesten Nachrichten" für eine Impfpflicht aus. "Ich sehe, dass der Staat im Moment noch mit dem milden Mittel der Überzeugung versucht, die Verantwortung beim Einzelnen zu belassen. Ich halte es ethisch aber vertretbar, eine Impfpflicht einzuführen", sagte Timmerevers. "Wo die eigene Freiheit um den Preis der Gefährdung anderer definiert wird, macht sie unser gesellschaftliches Solidarsystem kaputt und ist Egoismus mit Scheuklappen für die Not des Anderen."

Sachsen ist aktuell das Bundesland mit der niedrigsten Impfquote (knapp unter 60 Prozent) und der höchsten Inzidenz von etwa 960. Seit diesem Montag gilt ein Teillockdown mit weitreichenden 2G-Regelungen. Gottesdienste dürfen nur unter 3G-Auflage stattfinden. Alle Kultur- und Freizeiteinrichtungen bleiben geschlossen. Großveranstaltungen, Feste, Messen und Weihnachtsmärkte sind untersagt. Die Überlastungsstufe, die sich an der Belegung der Intensivstationsbetten bemisst, ist seit vergangener Woche im Freistaat überschritten.

Zugleich betonte das Oberhaupt des Bistums Dresden-Meißen, dass für medizinische Notfälle der Impfstatus keine Rolle spielen dürfe. Es könne sein, dass dies dem Gerechtigkeitsempfinden vieler widerspreche: "Aber ich kenne keinen Zusatz im Grundgesetz, dass die Würde des Menschen nur für Geimpfte gilt. Und christlich gesprochen wurzelt diese Haltung zutiefst in der Nächstenliebe ohne Ansehen der Person. Im Ernstfall muss gelten: Vor aller Leistung und trotz aller Schuld."

Die Pandemie sei ein "Charaktertest", hob Timmerevers hervor. "Ich wünsche mir eine Bereitschaft der Menschen, die sich bisher nicht impfen lassen haben, ihre Haltung zu überdenken und aus der Verantwortung für den anderen und für die Gesellschaft sich impfen zu lassen. Und ich wünsche mir von jenen, die schon geimpft sind, dass sie nicht abschätzig auf die anderen herabschauen, sondern sie ermuntern, Freiheit und Verantwortung zusammenzudenken."

KNA

23.11.2021 - Bischöfe , Gesellschaft , Impfung