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Katholische Kirche:

Kindeswohl zentrales Kriterium bei Fortpflanzungsmedizin

Eine vorrangige Orientierung am Wohl der ungeborenen Kinder fordert die katholische Kirche in Deutschland angesichts der stetig wachsenden Möglichkeiten von Gendiagnostik und Fortpflanzungsmedizin. In allen Fällen gelte, dass „menschliches Leben in jedem Augenblick seiner Existenz unverfügbar sein muss“, heißt es in einer in Bonn veröffentlichten Erklärung der Gemeinsamen Konferenz aus Mitgliedern der Deutschen Bischofskonferenz und des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK).

„Die Situation von Menschen, die unter einem unerfüllten Kinderwunsch leiden oder sich um das gesundheitliche Wohl ihrer zukünftigen Kinder sorgen, ist sehr ernst zu nehmen“, betonten der Rottenburg-Stuttgarter Bischof Gebhard Fürst und ZdK-Vizepräsident Christoph Braß. Sie sind Vorsitzende des Fachbeirats für bioethische Fragen, der das Papier erarbeitet hat. „Dennoch ist die Orientierung am Kindeswohl moralisch erstrangig, da die ungeborenen Kinder bei allen vorgeburtlichen Maßnahmen die schwächsten Glieder und daher in ihrer besonderen Verletzlichkeit zu schützen sind.“

Konkret wendet sich das Papier gegen eine Legalisierung der Eizellspende: Eine gespaltene Elternschaft könne für die Kinder zahlreiche Probleme mit sich bringen; heißt es. Zudem sei die Eizellspende insbesondere für die genetische Mutter mit vielen Risiken behaftet.

Auch beim Umgang mit sogenannten überzähligen Embryonen, die bei der Kinderwunschbehandlung nicht verwendet wurden, verweist die Erklärung auf den Embryonenschutz. Grundsätzlich sei es wünschenswert, dass Embryonen, die der genetischen Mutter nicht implantiert werden konnten, von einem Paar mit unerfülltem Kinderwunsch ausgetragen werden könnten. „Damit dies gelingen kann, sind die bestehenden Standards der Adoptionsvermittlung analog zu berücksichtigen.“

Einen deutlich höheren Stellenwert für psychosoziale Beratung fordern ZdK und Bischöfe mit Blick auf die neuen Möglichkeiten der vorgeburtlichen Diagnostik. So müssten Eltern schon vor der Durchführung der künftig von den Kassen unter bestimmten Voraussetzungen finanzierten Bluttests auf Trisomien umfassend aufgeklärt werden.

Mit Blick auf die Entwicklungen in der Genchirurgie, durch die die genetischen Eigenschaften künftiger Menschen beeinflusst werden können, fordert die Kirche ein internationales Moratorium, um die ethischen Auswirkungen gentechnischer Eingriffe in die menschliche Keimbahn sorgfältig ausloten zu können.

KNA

09.12.2019 - Bischöfe , Familie , Laien