Anzeige

„Schwimmt gegen den Strom!“

Rund 100.000 Teilnehmer beim "March For Life" in Washington

Jährlich findet zum 22. Januar in Washington D.C. der "March For Life", eine der größten Pro-Life-Veranstaltungen der Welt, statt. Dieser „Marsch für das Leben“ wurde ursprünglich aus Protest gegen die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs der Vereinigten Staaten im Fall „Roe gegen Wade“ vom 22. Januar 1973, der letztlich die Abtreibungen legalisierte, ins Leben gerufen. Die Teilnehmerzahl wächst stetig an. So kamen in diesem Jahr bis zu 100.000 Teilnehmer, um sich für das Leben der Allerkleinsten einzusetzen.

Neben den vielen meist jungen Aktivisten nahmen auch viele Bischöfe und Priester an der Veranstaltung teil. Etliche Gemeinden in und um der Hauptstadt Washington boten zusätzliche Messen an, um den Gottesdienstanfragen annähernd gerecht werden zu können. Mit etwa 9.000 Gläubigen fand bereits am Vorabend des Marsches der größte Gottesdienst in der Basilika der Unbefleckten Empfängnis in Washington statt. Kirchenprominente Teilnehmer dieses Gottesdienstes waren etwa die Kardinäle Sean O`Malley aus Boston und Wilton Gregory aus Washington, wie auch der Bischof von Arlington und Vorsitzende des Pro-Life-Ausschusses der US-Bischofskonferenz, Michael Burbidge, und der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Erzbischof Timothy Broglio.

Zur Vorbereitung auf den Lebensrechtsmarsch war nach der Abendmesse die ganze Nacht über Gelegenheit, betend vor dem ausgesetzten Allerheiligsten Zeit zu verbringen. Diese Möglichkeit wurde rege genutzt. Aber auch die Gemeinden rund um Washington D.C. boten im Vorfeld des Protestzugs Kulturveranstaltungen an, die sich mit dem Thema Lebensschutz auseinandersetzten.

Beim Marsch kamen auch einige Prominente zu Wort, die ihre Freude über den Kurswechsel hin zum Lebensschutz der ungeborenen Kinder äußerten. Auslöser dieser Änderung war das im Juni 2022 gefällte Urteil „Dobbs gegen Jackson Women’s Health Organization“ des Obersten Gerichtshofs, dass "Roe gegen Wade" kippte. Seitdem gibt es in den meisten republikanisch regierten Bundesstaaten ein fast gänzliches Abtreibungsverbot.

Bei der winterlichen Kälte heizte zunächst die christliche Rockband „We Are Messengers“ ein, bevor Bischof Burbidge sich bei den Teilnehmern mit den Worten: „Wir sind so stolz auf euch. Vielen Dank für euer Zeugnis“ bedankte. Heuer fand der Marsch seit 1974 zum 50. Mal statt. Politiker wiesen darauf hin, dass es nun der republikanischen Mehrheitsfraktion im Kongress nach 80 Niederschmetterungen durch die Demokraten gelungen ist, ein Gesetz zu verabschieden, welches besagt, dass Kinder, die ihre Abtreibung überlebt haben, auch medizinisch versorgt werden müssen. Allerdings muss dieses Gesetz noch durch den Senat angenommen werden, doch dort stellen die Demokraten die Mehrheit.

Weitere Höhepunkte der Pro-Life-Veranstaltung war die Teilnahme der Tochter der Heiligen Gianna Beretta Molla, Gianna Emanuela Molla. Ihre Mutter hatte 1962 entschieden eine ärztlich empfohlene Abtreibung ihres Kindes abgelehnt, wohl wissend, dass sie dadurch ihr eigenes Leben verlieren würde. Als Filmstar-Vertreter war der Jesus-Darsteller der Bibel-Erfolgsserie „The Chosen“, Jonathan Roumie, unter anderem mit seinem Statement: „Gott ist real. Jesus ist das Licht der Welt“ auf der Bühne. Bevor er das Rosenkranzgebet empfahl, sprach er den Teilnehmern mit „Fürchtet euch nicht! Schwimmt gegen den Strom! Wählt das Leben!“ Mut und Hoffnung zu.

Besonders zu Herzen ging der Auftritt von Schwester Mary und ihrer leiblichen Schwester Casey, die mit dem Down-Syndrom geboren wurde. Diese betonte vor der Menge: „Ich liebe mein Leben. Ich habe das Down-Syndrom. Aber das definiert mich nicht. Ich bin von Gott definiert. Wir sind alle unendlich viel wert, ob geboren oder ungeboren, ob behindert oder nicht.“

Elmar Lübbers-Paal

23.01.2023 - Lebensschutz , Recht & Gesetz , USA