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Brief an Bischöfe

Papst schaltet sich in Missbrauchskrise in USA ein

Vor dem Hintergrund des Missbrauchsskandals hat sich Papst Franziskus in einem Brief an die US-Bischöfe gewandt, die sich zu einer Gebetswoche zurückgezogen haben. Die katholische Kirche erlebe eine schwere Glaubwürdigkeitskrise durch Missbrauch und mehr noch durch Vertuschung, so der Papst in dem am Donnerstag veröffentlichten Schreiben. Zugleich mahnte er die US-Kirchenleitung angesichts interner Spannungen zu Einheit.

Franziskus schrieb, er habe ursprünglich an dem Treffen teilnehmen wollen, könne dies aber „aus logistischen Gründen“ nicht. Die US-Bischöfe halten in einem Priesterseminar des Erzbistums Chicago seit Mittwoch geistliche Exerzitien, um über Ursachen und Folgen sexuellen Missbrauchs durch Kleriker nachzudenken. Geleitet wird die Einkehrwoche vom päpstlichen Hausprediger Raniero Cantalamessa.

Der Papst ermutigte die Bischöfe zu Schritten gegen eine „Kultur des Missbrauchs“ und die Glaubwürdigkeitskrise der Kirche. Die „größten Versuchungen“ lägen in einem Mangel an Einheit, an Spaltung und Zerstreuung. Laut Berichten in sozialen Netzwerken nehmen rund 230 der insgesamt 271 aktiven und 185 emeritierten Bischöfe an den Exerzitien teil.

„Die Glaubwürdigkeit der Kirche ist durch diese Sünden und Verbrechen ernstlich untergraben worden, aber mehr noch durch die Bemühungen, sie zu leugnen oder zu vertuschen“, schrieb Franziskus. Während er sich gegen eine pauschale Diskreditierung wandte, betonte er, die Verletzungen durch den Missbrauch hätten auch die Gemeinschaft der Bischöfe angegriffen und Spaltungen erzeugt, die über „gesunde und notwendige Meinungsverschiedenheiten und Spannungen“ hinausgingen.

„Das gläubige Gottesvolk und die Sendung der Kirche leiden weiter schwer als eine Folge des Missbrauchs von Macht und Gewissen und sexuellem Missbrauch wie auch des dürftigen Umgangs damit“, so der Papst. Ebenso schädlich sei „ein Episkopat, dem es an Einheit fehlt und der mehr darauf aus ist, mit dem Finger auf andere zu zeigen, als Wege der Versöhnung zu suchen“.

Die verlorene Glaubwürdigkeit lasse sich nicht durch „strenge Dekrete oder einfach die Schaffung neuer Komitees“ zurückgewinnen. Solche Maßnahmen allein drohten alles auf ein Verwaltungsproblem zu reduzieren. Auch wandte sich Franziskus gegen zu hohe Ideale und die Verabsolutierung einer bestimmten Gruppe, Epoche oder Kultur innerhalb der Kirche. Katholizität lasse sich „nicht einfach auf eine Frage von Doktrin oder Gesetz reduzieren“; die Kirche sei eine Gemeinschaft der Sünder und brauche beständig Bekehrung.

Von den Bischöfen verlangte der Papst einen neuen Führungsansatz, aber auch innere Umkehr und einen neuen Umgang mit Macht, Geld, Autorität und Beziehungen. Er warnte vor Tendenzen zur Selbstreferentialität, Selbsterhalt und Selbstverteidigung in der Antwort auf den Skandal; damit wäre das Handeln der Bischöfe „von vornherein zum Scheitern verurteilt“.

Angesichts der Verunsicherung unter Katholiken gelte es, an erster Stelle einen „gemeinsamen Geist der Unterscheidung“ zu stärken. Man dürfe nicht die „relative Ruhe“ eines Kompromisses oder einer Abstimmung suchen, bei der es Gewinner und Verlierer gebe.

Franziskus appellierte an die US-Bischöfe, den „Teufelskreis gegenseitiger Beschuldigungen, Untergrabung und Diskreditierung zu durchbrechen“. Sie müssten aufhören, ihre „eigene Verwirrung und Unzufriedenheit auf andere zu projizieren“.

KNA

04.01.2019 - Ausland , Bischöfe