Patientenschützer begrüßen Löschung der WDR-Kinderchor-Satire (Montag, 30. Dezember 2019 09:31:00) / Nachrichten / Katholische Sonntagszeitung

Umstrittenes Lied: "Oma ist 'ne alte Umweltsau"

Patientenschützer begrüßen Löschung der WDR-Kinderchor-Satire

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz begrüßt es, dass der WDR das satirisch gemeinte Video "Meine Oma ist 'ne alte Umweltsau" von seiner Facebook- und Internetseite gelöscht hat. "Jedoch ist das Thema nicht aus der Welt", sagte Vorstand Eugen Brysch am Wochenende der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA): "Deshalb muss sich die Gesellschaft auf allen Ebenen vor Diskriminierung hüten. Generationengerechtigkeit kann nur gelingen, wenn Bilder und Sprache nicht als Waffe genutzt werden."

Es sei gut, dass Satire in Deutschland durch die Meinungsfreiheit geschützt sei, ergänzte Brysch. Jedoch dürfe "die feine Grenze zur Diskriminierung nicht überschritten werden". Alte hilfsbedürftige Menschen seien eine Minderheit: "Pflegebedürftige in Heimen nutzen kein Motorrad als Rollstuhl. Ebenso überfahren ältere Patienten nicht Opas mit Rollatoren, um beim Arzt vorzufahren."

Der WDR hatte ein Video veröffentlicht, in dem der Kinderchor des Senders auf die Melodie von "Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad" Umweltsünden der Oma aufs Korn genommen hatte. Unter anderem sangen die Kinder "Meine Oma sagt, Motorradfahren ist voll cool, ist voll cool, ist voll cool. Sie benutzt das Ding im Altersheim als Rollstuhl. Meine Oma ist 'ne alte Umweltsau." In einer anderen Strophe hieß es: "Meine Oma fährt mit 'm SUV beim Arzt vor, beim Arzt vor, beim Arzt vor. Überfährt dabei zwei Opis mit Rollator."

Nach Angaben des Senders hatte der im Netz zum Teil sehr heftig kritisierte Beitrag "sehr unterschiedliche Reaktionen" hervorgerufen. Man habe versucht, "den Generationenkonflikt, der sich durch die Fridays-for-Future-Bewegung darstellt, mit den Mitteln der Satire aufzugreifen", schrieb der WDR auf Facebook - und weiter: "Wir bedauern, dass die Satire die Gefühle eines Teils unseres Publikums verletzt hat. Dies war nicht unsere Absicht."

Am Samstagabend baten WDR-Intendant Tom Buhrow und WDR-2-Chef Jochen Rausch in einer Sondersendung zum Thema um Entschuldigung: "Ich entschuldige mich ohne Wenn und Aber", sagte Buhrow. Und Rausch ergänzte: "Wir haben mit einem großen Hammer auf einen relativ kleinen Nagel geschlagen." Man habe nicht mit der nötigen sprachlichen Feinheit gearbeitet und "nicht lange genug nachgedacht". Zuvor hatten auch mehrere Politiker das Video kritisiert. Unter anderem hatte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet betont, der WDR habe hier Grenzen von Stil und Respekt überschritten.

KNA

30.12.2019 - Deutschland , Medien , Umwelt