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"Verlassen und verraten"

Patriarch Younan kritisiert Westen für Haltung in Nahost

Das Oberhaupt der syrisch-katholischen Kirche, Patriarch Ignace Youssif III. Younan, hat den Westen für seine zaudernde Haltung gegenüber den Christen des Nahen Ostens kritisiert. "Der Westen ist bereit, gefährdete Arten zu schützen, während wir, die Erben der ersten christlichen Gemeinden, vernachlässigt, verlassen, verraten werden", sagte er am Dienstag bei einem Besuch in Jerusalem. Dort hatte der Patriarch den neuen syrisch-katholischen Bischof und Patriarchalvikar Yacoub Ephrem Semaan in sein Amt eingesetzt.

Die Lage in seiner Kirche wie auch in weiteren Kirchen der Region beschrieb der in Hasakeh geborene Syrer als beklagenswert. Terror und Krieg im Irak und in Syrien habe die Zahl der Gläubigen in der Region "auf dramatische Weise" reduziert. Die größte Herausforderung sei es, die Jugend zum Bleiben in ihrer Heimat zu bewegen.

Younan rief Europa dazu auf, die "politisch korrekte Sprache" zugunsten der Wahrheit abzulegen und den Völkern in Nahost bei einer echten Versöhnung zu helfen. Insbesondere eine Versöhnung zwischen Sunniten und Schiiten könne Stabilität und dauerhaften Frieden ermöglichen. Gleichzeitig habe der Westen "nicht das Recht, das, was er seine Demokratie nennt, in eine Region zu exportieren, in der es keine Trennung zwischen Religion und Staat gibt".

Der katholischen Ostkirche gehören laut der österreichischen Stiftung Pro Oriente rund 160.000 Gläubige an, die vor den jüngsten Auswanderungswellen vor allem in Syrien, Irak und dem Libanon lebten. Liturgiesprache ist Syrisch-Aramäisch.

KNA

07.07.2021 - Bischöfe , Nahost , Terror