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"Nicht reflexhaft schließen"

Pflegebeauftragter will pragmatischere Besuchsregeln für Heime

Der Pflegebeauftragte der Bundesregierung fordert pragmatischere Besuchsregeln für Alten- und Pflegeheime in der Corona-Zeit. Es gebe sehr gute Konzepte, zum Teil aber auch Regeln, die nach heutigem Wissensstand zu streng seien, sagte Andreas Westerfellhaus: "Selbst wenn es zu einem begrenzten Ausbruch kommt, darf eine Einrichtung nicht wieder reflexhaft für Besucher geschlossen werden."

Einzelne Einrichtungen hätten Besuchsverbote für Kinder eingeführt. Das halte er nicht für sinnvoll und auch nicht für wissenschaftlich ausreichend begründet. Man solle zwar nicht mit vier Enkelkindern aus drei verschiedenen Haushalten zu Besuch kommen, "aber wer sich in den Tagen vorher klug verhält, seine Kontakte noch mal reduziert, der sollte auch mit einem Kind in Begleitung kommen dürfen".

Es gebe zudem Heime, in denen aus Hygienegründen selbst Geburtstagsgeschenke einige Zeit im Keller gelagert würden: "Das ist nach heutigem Wissen über Infektionsrisiken unnötig." Wer einem Pflegebedürftigen Geschenke mitbringen wolle, solle das tun dürfen. Wünschenswert sei auch, dass Besucher ihre Angehörigen im eigenen Zimmer besuchen könnten und Treffen nicht in Gruppenräumen stattfinden müssten.

Der Pflegebeauftragte hat zusammen mit dem Robert Koch-Institut (RKI) einen Leitfaden für Besuche in Heimen entwickelt. Die Startauflage von 14.000 Exemplaren soll jetzt an die Einrichtungen verschickt werden und wird auch auf der Internetseite abrufbar sein.

Darin findet sich auch die Empfehlung, Besuche gerade in der Weihnachtszeit rechtzeitig anzukündigen und abzuklären, ob etwa ein Schnelltest sinnvoll ist: "Wenn 100 Angehörige von 70 Bewohnern um 17 Uhr am Heiligabend vor der Tür stehen, dann schaffen das die Pflegekräfte nicht. Fiebermessen, Personendaten aufnehmen, mit Maskenverweigerern reden oder sogar noch 15 Minuten pro Schnelltest einplanen - das geht nicht."

Westerfellhaus äußerte Verständnis für die schwierige Lage der Heimleitungen. Diese müssten einen Spagat hinkriegen: "Eine Isolation der Bewohner wie im ersten Lockdown darf es nicht noch einmal geben. Gleichzeitig haben viele Angst, dass sie mit zu offenen Besuchskonzepten Infektionsausbrüche riskieren und dann an den Pranger gestellt werden." Der Leitfaden biete pragmatische Lösungen an - für Besucher, Bewohner, Pflegekräfte und Heimleitungen.

KNA

04.12.2020 - Corona , Pflege , Senioren