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Rosch Haschana

Politik und Kirche gratulieren Juden zum Neujahrsfest

Zum Beginn des zweitägigen Neujahrsfests Rosch Haschana haben Politik und Religionsvertreter den Juden in Deutschland gratuliert. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) unterstrich in ihrer am Sonntag veröffentlichten Grußbotschaft, dass die jüdische Gemeinschaft in Deutschland heute dank ihrer Integrationsleistung die drittgrößte in Europa sei. Neue Synagogen, jüdische Kindergärten und Schulen hätten sich etabliert. „Es ist ein einzigartiger und wunderbarer Vertrauensbeweis und eine große Bereicherung für unser Land, dass jüdisches Leben nach dem Zivilisationsbruch der Schoah wieder aufblühen konnte“, schreibt Merkel.

Die Kanzlerin betonte zugleich, es brauche „heute wieder mutige Menschen, die für unsere Werte einstehen, um in Frieden und Freiheit zusammenleben zu können“. Es gelte, entschlossen und deutlich gegen jede Form von Antisemitismus und Rassismus vorzugehen: „Wir dürfen nicht wegsehen, wenn Menschen auf der Straße angepöbelt oder tätlich angegangen werden, weil sie eine Kippa tragen.“ Dabei handle es sich immer auch um Angriffe auf die ganze deutsche Gesellschaft.

Durch Erziehung und Bildung ließen sich Vorurteile überwinden, erklärte Merkel weiter. Sie fügte hinzu: „Es ist eine gemeinsame Aufgabe des Staates wie auch eines jeden Einzelnen von uns, sich auf der Grundlage von Respekt und Toleranz für ein friedliches und gedeihliches Miteinander einzusetzen - in der Familie und Nachbarschaft, im Beruf und Ehrenamt, in Politik und nicht zuletzt in Religionsgemeinschaften.“

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, übermittelte Friedens- und Segenswünsche an den Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, zum Start des Jahr 5780 des jüdischen Kalenders. Er erinnerte in seinem Grußwort an den 80. Jahrestag des Beginns des Zweiten Weltkriegs. Die Ermordung der europäischen Juden sei untrennbar mit der Geschichte dieses Krieges verbunden. „Doch die Schoah war nicht Folge von Kriegshandlungen oder der Besatzungspolitik. Es war der Hass auf das jüdische Volk und das Judentum, der die Mordaktionen leitete, ein Hass ohne gleichen.“

Es habe Christen gegeben, die unter Einsatz ihres Lebens Widerstand geleistet und Juden gerettet hätten. „Doch die meisten Christen haben sich gleichgültig gegenüber dem Leid der Juden verhalten; nicht wenige haben sich an den Verbrechen beteiligt. Die Erinnerung daran erfüllt mich und viele andere heute mit Scham“, unterstrich Marx.

Zugleich beklagte er eine Zunahme antisemitischer Einstellungen. Sie seien auch eine Herausforderung an das kirchliche Bildungswesen. Marx appellierte an Religionslehrer und die Verantwortlichen für das katholische Schulwesen, der Auseinandersetzung mit antisemitischen Vorurteilen „größere Aufmerksamkeit im Unterricht und im Schulleben zu widmen“.

Der Vorsitzende des Zentralrats, Aiman Mazyek, wünschte am Freitagabend auf dem Kurznachrichtendienst Twitter seinen „jüdischen Freunden ein gutes, friedliches Jahr 5780“.

KNA

30.09.2019 - Deutschland , Gedenken , Judentum