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Sozialbischof Overbeck:

Gesellschaftliche Relevanz der Kirche ist vorrangig

Die Kirche muss nach Ansicht des Essener katholischen Bischofs Franz-Josef Overbeck ihre gesellschaftspolitische Relevanz im Blick behalten. Diese müsse stets Vorrang vor dem Schutz des eigenen Bestandes haben, sagte der Sozialbischof der Deutschen Bischofskonferenz am Mittwoch in Berlin. Alles andere würde „die Kirche in die selbstgewählte Bedeutungslosigkeit führen“. Stattdessen müsse sie „Konturen einer christlichen Identität entwerfen“, die gesellschaftliche Orientierung biete. Overbeck äußerte sich auf einer Veranstaltung der Unionsfraktion im Bundestag zum Thema „Farbe bekennen statt Buntheit bejammern - Christlicher Kompass in der pluralen Gesellschaft“.

Der Weg zurück in die vermeintliche Sicherheit umfassender Ordnung sei in der pluralen Gesellschaft für niemanden mehr möglich, sagte der Bischof weiter. Dabei profitiere auch die Kirche von gesellschaftlichen Entwicklungen. Die „bunte Welt“ habe auch für sie ein „Bereicherungspotenzial“.

Der Vorsitzende des Rats der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hob die innere Verbindung zwischen Glauben und gesellschaftspolitischem Engagement hervor. „Es kann keine Kirche geben, die sich aus dem öffentlichen Raum heraushält und in die religiöse Innerlichkeit zurückzieht“, betonte der bayerische Landesbischof. Dies ergebe sich schon aus dem Liebesgebot Jesu. Die religiöse Praxis sei untrennbar mit der Not des Nächsten und damit auch mit der Politik verbunden.

Das betreffe aber nicht Parteipolitik, sondern die ethischen Grundfragen, erklärte Bedford-Strohm weiter. Dabei erreichten sie auch das Herz und die Seele der Menschen. Die Kirchen hätten eine „aufklärerische Funktion“, indem sie ethische Grundfragen erst einmal identifizierten wie etwa das Verhältnis von Wohlstand und Armut. Sie gäben zugleich Orientierung durch „starke Traditionen des Guten“, die sie in die Diskussion einbrächten. Auch ein übergreifender gesellschaftlicher Konsens brauche Institutionen, die die Grundwerte mit Leben erfüllten. Ferner ermöglichten die Kirchen auch Politik, da sie manchmal konkreter als Politiker die Zukunftsfragen verdeutlichen oder „prophetisch-kritisch“ auf Fehlentwicklungen hinweisen könnten.

Der wichtigste Beitrag der Kirche in der öffentlichen Debatte sei aber die Vermittlung von Hoffnung. Das Christentum sei die „größte Hoffnungsbotschaft, die die Welt je gesehen hat“, unterstrich der Landesbischof.

KNA

17.10.2019 - Bischöfe , Gesellschaft , Politik