Anzeige

Türkei:

Papst zu Freitagsgebet in Hagia Sophia nicht eingeladen

Zum ersten Freitagsgebet in der Hagia Sophia ist Papst Franziskus entgegen verschiedenen Medienberichten nicht eingeladen. Über ein derartiges Angebot zur Teilnahme lägen keine Informationen aus Ankara vor, erklärte die türkische Botschaft beim Heiligen Stuhl am Mittwoch auf Anfrage in Rom. "Es gibt keine offizielle Einladung", erklärte eine Sprecherin wörtlich. Zu der Frage, ob generell die Anwesenheit von Vertretern nichtmuslimischer Religionen erwünscht sei, wollte die Botschaft keinen Kommentar abgeben.

Der Sprecher des türkischen Präsidenten, Ibrahim Kalin, hatte vergangenen Freitag dem Sender CNN gesagt, alle Menschen unabhängig von ihrer Glaubenshaltung seien in der Hagia Sophia willkommen, "einschließlich der Papst". Andere Medien gaben dies als Einladung von Präsident Recep Tayyip Erdogan an Franziskus wieder.

In Reaktion auf die erneute Umwidmung der früheren byzantinischen Reichskirche, die bereits 1453 Moschee wurde und seit 1934 Museum war, hatte der Papst gesagt, er sei "sehr betrübt". Präsidentensprecher Kalin sagte dazu, Franziskus brauche nicht betrübt zu sein; die Hagia Sophia werde von einer bloßen Sehenswürdigkeit wieder zu einem "Haus des Gebets, in dem der Name Gottes angerufen wird".

Das Bauwerk werde "nicht von einer Kirche zu einer Moschee, sondern von einem Museum in eine Moschee umgewandelt" und behalte dabei ihren Charakter als Kulturdenkmal. Auch die byzantinischen Mosaiken mit menschlichen Darstellungen, die im Islam verboten sind, würden "geschützt und bewahrt", sagte Kalin. "Sie gehören zu unserem Kulturerbe", betonte er. Man treffe jedoch "Vorkehrungen, dass sie während der muslimischen Gebete verdeckt sind".

"Jedermann, Gläubige, Nichtgläubige, Muslime, Christen, Buddhisten" könnten die Hagia Sophia auch künftig besuchen, "einschließlich der Papst, der sagte, er sei traurig darüber: Kommen Sie und besuchen Sie die Hagia Sophia als Moschee", sagte der Sprecher.

Medienberichten zufolge sind zu dem Gebet mit Präsident Erdogan am kommenden Freitag rund 2.000 Gläubige eingeladen. Am Dienstag seien in dem Bauwerk Tribünen für Fernsehübertragungen aufgebaut worden. Die türkische Polizei verstärkte den Angaben zufolge die Sicherheitsvorkehrungen im Umkreis und errichtete Absperrgitter.

KNA

22.07.2020 - Islam , Kirchenbauten , Papst