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Ernennung von Bischöfen in wechselseitigem Einvernehmen

Vatikan verlängert umstrittenes Abkommen mit China

Der Vatikan hat das umstrittene Geheimabkommen mit der Volksrepublik China verlängert. Die Vereinbarung ermöglicht die die Ernennung von Bischöfen im wechselseitigen Einvernehmen. Ob sie vor der Verlängerung überarbeitet wurde, teilte der Vatikan nicht mit. Die vatikanische Seite sei bereit, "den respektvollen und konstruktiven Dialog mit der chinesischen Seite für eine fruchtbare Umsetzung des genannten Abkommens und für eine weitere Entwicklung der bilateralen Beziehungen mit dem Ziel, die Mission der katholischen Kirche und das Wohl des chinesischen Volkes zu fördern", heißt es in der Verlautbarung, die auch auf Chinesisch vom Heiligen Stuhl verbreitet wurde.

Das im Oktober 2018 in Kraft getretene vorläufige Abkommen wurde erstmals 2020 um zwei Jahre verlängert. Seitdem gab es demnach sechs Bischofsernennungen, denen sowohl chinesische Behörden wie auch der Papst zustimmten.

In zugleich veröffentlichten Interviews zeigten sich Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin und Kurienkardinal Luis Antonio Tagle zufrieden. Die bisherigen Ergebnisse seien zwar "kleine Errungenschaften", aber "wichtige Schritte", sagte Parolin, der als Architekt des Abkommens gilt. Die Zusammenarbeit mit Peking sei "klug und weise", weil sowohl die Bedürfnisse der Behörden Chinas wie auch die der katholischen Gemeinden berücksichtigt würden. Auch wenn es "nicht wenige Schwierigkeiten" gebe, müsse der Weg des "konstruktiven Dialogs" trotz aller Widerstände fortgesetzt werden.

Nach Tagles Worten ist sich der Vatikan bewusst, dass das Abkommen nicht die "die Lösung aller Probleme" sei. Er nannte es "an sich schon wichtig", dass die Kanäle für den Dialog "in der gegebenen Situation" offen blieben, sagte der Chef der vatikanischen Evangelisierungsbehörde.

Im September hatte Parolin im italienischen Fernsehen erklärt, eine Vatikan-Delegation sei für Gespräche nach China gereist. Ob es dabei zu einer Klärung und Anpassung verschiedener Punkte der unter Verschluss gehaltenen Vereinbarung kam, ist nicht bekannt. Der vatikanische Außenbeauftragte, Erzbischof Paul Gallagher, nannte die bisherigen Ergebnisse "nicht besonders beeindruckend". Auch Papst Franziskus bezeichnete den Austausch mit der Volksrepublik zuletzt als schwierig, rief aber zugleich zu Geduld und Dialog auf.

Die Vereinbarung steht in der Kritik, weil sie das Leben katholischer Christen in der Volksrepublik nicht verbessere. Zudem würden Angehörige der nicht von Peking beherrschten sogenannten Untergrundkirche weiter ins Abseits gedrängt.

Derzeit muss sich Hongkongs Kardinal Joseph Zen Ze-kiun (90) mit fünf weiteren Angeklagten in China vor Gericht verantworten. Ihnen wird vorgeworfen, einen inzwischen aufgelösten Fonds zur Unterstützung von Menschenrechtlern nicht ordnungsgemäß registriert zu haben. Medienberichten zufolge soll die Polizei zudem gegen sie wegen des Vorwurfs einer "Absprache mit ausländischen Mächten" ermitteln.

Das EU-Parlament forderte im Juli die Einstellung des Verfahrens. Den Vatikan forderten die Abgeordneten in einer Entschließung auf, "seinen Druck auf die chinesischen Staatsorgane zu verstärken" und auf ein Ende von Verfolgungen und Menschenrechtsverletzungen zu drängen. Der Kardinal gehört zu den prominenten Kritikern der Regierung in Peking, zuletzt zunehmend auch des Vatikans und seiner China-Politik.

KNA

24.10.2022 - Bischöfe , China , Vatikan